Titel: Neue Erklärung der Farbe des Himmels.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236/Miszelle 17 (S. 86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236mi01_17

Neue Erklärung der Farbe des Himmels.

Ausgehend von der bekannten Young-Helmholtz'schen Theorie der Farbenwahrnehmung, nach welcher im Auge drei verschiedene Arten von Nerven vorhanden sind, roth, grün und violett empfindende, hat E. L. Nichols eine neue Erklärung für die blaue Farbe des Himmels gegeben, welche, im Gegensatz zu den bis jetzt aufgestellten physikalischen, als physiologische bezeichnet werden kann und auf Folgendem beruht.

Nach Helmholtz ist die Empfindung der drei verschiedenen Nerven nicht direct proportional der Intensität der Strahlen; vielmehr ist das Verhältniſs zwischen Empfindung und Intensität des Lichtes für die „rothen“ Nerven ein anderes wie für die „grünen“ und für diese wieder ein anderes als für die „violetten“, und zwar sind die violetten Nerven für schwache Strahlen sehr empfindlich, während die grünen und rothen von ihnen nicht beeinfluſst werden; hingegen nimmt mit steigender Intensität die Thätigkeit der „grünen“ und „rothen“ Nerven zu, und die violetten werden geblendet und unwirksam; bei sehr intensivem Lichte sind die „rothen“ Nerven am empfindlichsten, während die beiden anderen unwirksam sind. Zeichnet man sich die Curven für die Empfindung bei zunehmender Intensität vom blauen und gelben Lichte, so findet man, daſs bei schwachen Intensitäten der blaue Eindruck stärker ist als der gelbe; die Curven schneiden sich dann bei zunehmender Intensität und jenseits dieses Punktes übertrifft die gelbe Empfindung die blaue.

Hieraus folgert Nichols, daſs weiſses Licht immer mehr und mehr blau erscheinen wird, je mehr seine Intensität abnimmt, und diese Regel findet ihre Anwendung auf das Himmelslicht; je schwächer das Licht ist, das vom Himmel reflectirt wird, desto mehr muſs die blaue Färbung des letzteren zunehmen, selbst in den Fällen, wo das Licht in seiner Zusammensetzung durch den Proceſs der Reflexion keine Aenderung erleidet. Dieser Vorgang, für welchen man in der Natur eine Reihe von Beispielen findet, ist die Umkehr der wohl bekannten Erscheinung, daſs blaues Licht bei entsprechender Steigerung der Intensität der Strahlen sich in weiſses verwandelt, indem die grün und roth empfindenden Nerven von den intensiven Strahlen mit afficirt werden. Bei abnehmender Stärke werden erst die roth und grün empfindenden Nerven zu wirken aufhören, das Gelb wird aus dem weiſsen Lichte schwinden und es bleibt das Blau. (Nach dem Philosophical Magazine, 1879 Bd. 8 S. 425 durch den Naturforscher, 1880 S. 34.)

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