Titel: Zur Kenntniss der Salpeterbildung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236/Miszelle 23 (S. 87–88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236mi01_23

Zur Kenntniſs der Salpeterbildung.

In Fortsetzung ihrer Versuche (1879 234 431) über die Bildung der Salpetersäure im Boden zeigen Th. Schlösing und A. Müntz (Comptes rendus, 1879 Bd. 89 S. 891 und 1074), daſs Kanalwasser nach dem Erhitzen auf 1100 unverändert bleibt, wenn keine Sporen aus der Luft hinzutreten können. Fügt man aber etwas Ackererde hinzu und leitet atmosphärische Luft hindurch, so treten bald Nitrate auf. Gleichzeitig bilden sich längliche Organismen, welche den Bacterien sehr verwandt sind, sich aber durch Knospenbildung vermehren, häufig in Form zweier länglicher oder runder, an einander gereihter Zellen auftreten und bei 100° rasch getödtet werden.

Wie bei allen durch Organismen hervorgerufenen Processen ist auch hier die Temperatur von groſsem Einfluſs auf die Salpeterbildung. Unter 5° ist sie fast Null; erst bei 12° wird sie merklich, um bei 37° ihren Höhepunkt zu erreichen und bei 55° völlig zu erlöschen.

Sehr wesentlich ist der Zutritt des atmosphärischen Sauerstoffes, eine Bedingung, die im lockeren Boden am vollkommensten erreicht wird. Bei Flüssigkeiten steht dem entsprechend, unter sonst gleichen Bedingungen, die Menge des gebildeten Salpeters im directen Verhältniſs zur Ausdehnung der Oberfläche. Eine fernere Bedingung für die Salpeterbildung ist ein gewisser Feuchtigkeitsgrad des Bodens. Trocknet die Erde aus, so werden die Organismen getödtet, die Salpeterbildung gehemmt; zu groſse Feuchtigkeit hindert den Zutritt des atmosphärischen Sauerstoffes. Erforderlich ist auch eine schwach alkalische Reaction; doch hemmt bereits ein Gehalt von 0,3 Proc. kohlensaures Alkali die Salpeterbildung.

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Unbedingt erforderlich für die Lebensthätigkeit der Salpeter bildenden Organismen sind organische Stoffe; doch entwickeln sich in einem Boden, welcher besonders reich an diesem ist, Mucor-Arten, welche die genannten Organismen tödten und so die Salpeterbildung hindern.

Bei niederen Temperaturen und mangelhaftem Luftzutritt bilden sich vorwiegend salpetrigsaure Verbindungen.

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