Titel: Schutzmittel gegen Abkühlung von Dampfleitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236/Miszelle 2 (S. 169–171)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236mi02_2

Schutzmittel gegen Abkühlung von Dampfleitungen.

In Mülhausen im Elsaſs wurden im Laufe des verflossenen Sommers unter der Leitung des Chefingenieurs Walther-Meunier von der Association alsacienne |170| des propriétaires d'appareils à vapeur eine Reihe umfassender Versuche mit den verschiedenen im Gebrauch befindlichen Mitteln zum Schutz gegen die Abkühlung von Dampfleitungen gemacht, über welche die Zeitschrift des Verbandes der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine, 1880 S. 36 dem Jahresbericht dieser Gesellschaft für das J. 1878/79 Folgendes entnimmt. Die Versuche hatten zum Zweck, den Werth der Bekleidung von Dampfleitungsrohren mit schlechten Wärmeleitern überhaupt festzustellen und die verschiedenen Isolirmittel nach ihrer Isolirfähigkeit, verglichen mit ihrem Ankaufspreis, zu ordnen. Als Maſsstab diente hierbei das Gewicht des für 1qm Fläche und Stunde in einem Dampfrohr von 2m,5 Länge und 150mm Durchmesser condensirten Wassers. Dieses Rohr war auf der einen Seite mit einer Dampfleitung und auf der andern mit einer Kühlschlange in Verbindung gebracht.

Die Versuche geschahen gleichzeitig an drei verschiedenen Versuchsrohren, aus Guſseisen, Schmiedeisen und Kupfer. Das Condensationswasser betrug für 1qm Fläche und Stunde bei unbekleidetem Rohre:

aus Guſseisen 3,484k
Schmiedeisen 3,906
Kupfer 2,816

Es ergibt sich hieraus, daſs die Bekleidung von Kupferrohren eine geringere Ersparung an Heizmaterial ergibt, als die von schmiedeisernen oder guſseisernen, in Folge des geringeren Strahlungsvermögens des Kupfers. Hierzu kommt noch, daſs Kupfer Wärme besser leitet als Eisen und daſs Kupferrohre eine kleinere Wandstärke haben als guſs – oder schmiedeiserne, so daſs die Umhüllung von Kupferleitungen sogar ein negatives Resultat ergeben kann, wenn in der Wahl des Isolirmittels nicht vorsichtig genug zu Werke gegangen und nicht in entsprechender Dicke umhüllt wird. Zu Heizungszwecken wird man sich keiner Leitungen aus Kupfer bedienen, weil diese weniger Wärme durch Strahlung abgeben als Leitungen aus Eisen.

Nachstehend folgen die Resultate der Bekleidung des guſseisernen und schmiedeisernen Rohres mit den verschiedenen Isolirmitteln nach ihrem Güteverhältniſs geordnet. Leider sind nicht alle diese Materialien gleichzeitig auf den 3 Apparaten angewendet worden, weil sie nicht in genügender Menge zur Verfügung standen:




Namen der Bekleidung
Dicke der
Bekleidung
Versuchsrohr aus
Guſseisen
Versuchsrohr aus
Schmiedeisen
Condensirter
Dampf
für 1 Stunde
und 1qm
Bekleidung
Verhältniſs-
zahl
Condensirter
Dampf
für 1 Stunde
und 1qm
Bekleidung
Verhältniſs-
zahl
mm k k
Grünzweig und Hartmann 20 0,321 9,2
Filz ohne Gewebe 35 0,542 15,6
Kieselguhrcomposition 15 0,657 18,8
H. v. Reiche 45 0,850 24,4
Gay, ohne Leisten mit Lein-
wand

24

0,931

26,8

0,890

22,8
Leroy 45 0,904 23,2
Filz mit Metallarmatur 50 1,000 28,7
Pollock 50 1,080 31
Filz mit Metallarmatur und
wasserdichter Leinwand

50

1,327

36



Nacktes Rohr 3,484 100 3,906 100

Der Bericht enthält ferner noch die Gegenüberstellung der Kosten des einzelnen Isolirmittels für 1qm und der damit in einem gewissen Zeitraum erzielten Ersparniſs an Kohlen in Kilogramm. Es kostet z.B. 1qm Isolirmasse von Grünzweig und Hartmann 6 Franken; es wurden damit stündlich 3,484 bis 0,321, im Mittel 3k,163 Wasser weniger condensirt als bei nacktem Rohr. Rechnet man 1k Kohle zur Verdampfung von 7k Wasser, so ergibt |171| dies in einem Jahr von 300 Tagen zu 12 Stunden eine Kohlenersparniſs von 1620k, oder mit anderen Worten eine Ersparniſs von etwa 30 M. gegen eine einmalige Ausgabe von 4,80 M. Deutlicher kann der Werth einer sorgfältigen Umhüllung von Dampfleitungen nicht veranschaulicht werden.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: