Titel: Ueber Thonerdenatron; von K. Lieber in Charlottenburg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236/Miszelle 23 (S. 175–176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236mi02_23

Ueber Thonerdenatron; von K. Lieber in Charlottenburg.

Bei der groſsen Wichtigkeit des Thonerdenatrons (Natriumaluminates) für viele Industriezweige – als Kattundruckereien, Milchglasfabrikation, Papierfabriken, Färbereien, Farbefabriken, Lack- und Seifenfabrikation – dürfte es angemessen erscheinen, auf ein nach einem neuen, von mir erfundenen Verfahren dargestelltes Natriumaluminat, welches sich durch einen hohen Thonerdegehalt (etwa 53 Proc. wasserfreie Thonerde) vortheilhaft auszeichnet, aufmerksam zu machen. Dasselbe wird in fester und flüssiger Form (Syrupconsistenz) geliefert, hat stets einen gleichen Gehalt an wasserfreier Thonerde und bietet die Thonerde nicht allein in einem durchaus eisenfreien Zustande sowie in einer zweckmäſsigeren, für die meisten Anwendungen geeigneteren Form wie bisher, sondern auch wesentlich billiger als im Alaun, in der reinen schwefelsauren Thonerde und im Kryolith der Industrie dar.

Für die Fabrikation von Milchglas und Halbporzellan wird das Natriumaluminat in trockner Form geliefert und entsprechen 100 Theile davon ungefähr 275 Th. Kryolith; der Preis für die gleiche Menge Thonerde ist, selbst abgesehen von der Zugabe an Natriumoxyd, um die Hälfte billiger beim Natriumaluminat; auch findet bei Anwendung desselben die schädliche Einwirkung (das schnelle Zerstörtwerden der Glashäfen) wie bei Anwendung von Kryolith nicht statt; ferner ist das Natriumaluminat ganz frei von Eisen, während dies beim Kryolith bekanntlich nicht immer der Fall ist. Ein ganz besonderer Vorzug des mit Thonerdenatron dargestellten Milchglases und Halbporzellans ist aber der, daſs sich dasselbe zur Decoration mit Farben eignet, während diese beim Kryolithglase wegen der unzersetzten Fluorverbindungen, die ein Ausschlagen der Farben bedingen, nicht anwendbar ist.

Auſser zur Fabrikation von Milchglas und Halbporzellan wird Natriumaluminat in der Kattundruckerei verwendet, und bietet namentlich dadurch wesentliche Vortheile, daſs die sogen. Mitlaufer auch für den Druck mit Anilinschwarz durch dasselbe entbehrlich werden.

Für die Papierfabrikation ist es nicht nur ein vortheilhafter und vorzuziehender Ersatz der schwefelsauren Thonerde, sondern dürfte auch den Proceſs der Leimung wesentlich vereinfachen.

In Färbereien und in der Fabrikation von Farben und Farblacken ersetzt es Alaun, schwefelsaure und essigsaure Thonerde, und ist in vielen Fällen auch, als alkalische Auflösung der Thonerde vor jenen sauren vorzuziehen. Auſserdem dient es zur Darstellung schwerer Seifen, zur Anfertigung eines dem Damaralacke ähnlichen Lackes (einer Auflösung von Thonerdeseife in Terpentinöl) u. dgl. m.

Für alle diese Anwendungen in der Industrie eignet sich die flüssige Form am besten, und selbst in dieser Form ist bei dem hohen Gehalt des Natriumaluminates an Thonerde die Fracht nicht so hoch als für eine gleiche |176| Menge Thonerde in der schwefelsauren Thonerde, die nur zwischen 14 und 17 Proc. davon enthält. Ganz besonders wichtig ist aber für alle einschläglichen Industriezweige der stets gleiche Gehalt an Thonerde, wodurch es möglich gemacht wird, an dem einmal festgesetzten Verhältnisse niemals Aenderungen treffen zu brauchen und stets die beabsichtigte Menge von Thonerde genau in Anwendung bringen zu können.

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