Titel: Zur Kenntniss des Ultramarins.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236/Miszelle 25 (S. 176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236mi02_25

Zur Kenntniſs des Ultramarins.

Durch theoretische Betrachtungen kommt Heumann (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1879 S. 2184) zu dem Resultat, daſs dem Ultramarin, abgesehen von überschüssiger Kieselsäure und Thonerde, die Formel Na4Al4Si4O16.Na2S2 zukomme.

Um aus Ultramarinviolett mittels Salzsäure direct ein Roth von groſser Lebhaftigkeit zu erzeugen, empfiehlt J. Zeltner in Nürnberg (D. R. P. Zusatz Nr. 8327 vom 14. August 1878) folgendes Verfahren (vgl. 1878 230 500). Aus feuerfesten Steinen wird ein 2m langer, 0m,75 breiter, 0m,6 hoher Kasten hergestellt, dessen Boden aus 3cm dicken Plättchen, die vier Seiten wände aus 7cm dicken Steinen, die Decke aus feuerfesten Platten besteht. Derselbe wird in einem gewölbten Ofen so eingemauert, daſs Bodenfläche, Wände und Decke erhitzt werden können. Die Fugen sind gut mit Lehm verstrichen und dann durch einen zweimaligen Wasserglasanstrich gut gedichtet. Auf dem Boden dieses Kastens befinden sich neben einander acht irdene Pfannen, die zusammen den Bodenraum einnehmen und mit dünnen irdenen Plättchen zugedeckt sind. In jede dieser Pfannen mündet von der Oberfläche des Ofens ein irdenes Rohr zum Eingieſsen der Säure. Der Kasten wird mit dünnen irdenen Plättchen angefüllt, welche mit je drei 6cm hohen Füſsen auf den Pfannen und über einander stehen und auf welche Ultramarinviolett 1cm hoch aufgetragen wird. Man erwärmt den Kasten, bis das Violett etwa 100° warm ist, entfernt dann das Feuer und gieſst durch die Rohre Salzsäure in die Pfannen. Die entstehenden Säuredämpfe entziehen dem Violett Natrium, wobei sich dasselbe auf 130° erwärmt. Man wiederholt von Zeit zu Zeit den Zusatz von Salzsäure, und nach einigen Stunden, wenn die Temperatur unter 130° zu sinken beginnt, gibt man wieder mäſsiges Feuer unter die Kästen, so daſs die Temperatur zwischen 125 und 135° bleibt, und gieſst von Zeit zu Zeit wieder Salzsäure nach, so oft dieselbe verdampft ist, was man mittels eines in die irdenen Rohre zu steckenden Drahtes erkennt. Nach Verbrauch von 20k Salzsäure von 1,18 sp. G. auf 30k Ultramarinviolett und nach etwa 12 Stunden von Beginn des Erhitzens an ist das Violett in ein lebhaftes Roth übergeführt. Sollten einzelne Plättchen nicht lebhaft genug sein, so genügt eine zweite gleiche Behandlung mit schwächerer Säure, um das Roth gleich schön zu machen.

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