Titel: Ueber Zapfenreibung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236/Miszelle 1 (S. 424–425)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236mi05_1

Ueber Zapfenreibung.

R. H. Thurston1)macht folgende Angaben über die Abhängigkeit der Reibungscoefficienten von der Pressung und Geschwindigkeit.

1) Einfluſs der Pressung. Versteht man unter p den mittleren specifischen Zapfendruck in Pfund auf 1 Quadratzoll englisch (, wo P der totale Zapfendruck, F die Projection der Auflagefläche auf eine Ebene senkrecht zur Richtungslinie von P ist), so zeigt sich unter normalen Verhältnissen eine Abhängigkeit des Reibungscoefficienten f von der Pressung allein nach der Gleichung:

,

wobei die Constante a für sehr gute Schmiermaterialien = 0,08 bis 0,10 ist. Doch gilt diese Formel nur bis etwa p = 500 Pfund auf 1 Quadratzoll (35k/qc); bei höheren Pressungen nimmt die Reibung mit p nicht mehr ab, sondern rasch zu, indem jetzt die Wirkung der Adhäsion zurückzutreten scheint. (Für Metermaſs, p in k auf 1qc ausgedrückt, wird a = 0,021 bis 0,027.)

In ähnlicher Weise kann der Reibungscoefficient der Ruhe bezieh. für das Anlassen nach der Formel:

bestimmt werden, mit a1 = 0,015 bis 0,02 (oder wenn p in k auf 1qc berechnet wird, mit a1 = 0,037 bis 0,05).

2) Einfluſs der Geschwindigkeit. Bei einer constanten Belastung von 200 Pfund auf 1 Quadratzoll (14k/qc) und den gewöhnlich bei Maschinen eingehaltenen Reibungsgeschwindigkeiten von 100 bis 1200 Fuſs in der Minute (0,5 bis 6m in der Secunde) nimmt die Reibung mit wachsender Geschwindigkeit v zu; nach Thurston kann:

gesetzt werden, wenn v in Fuſs engl. für die Minute verstanden ist. (v in Meter für die Secunde ausgedrückt, gibt .)

3) Sind Pressung und Geschwindigkeit zugleich veränderlich, so wird annähernd für englisches bezieh. metrisches System:

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.

4) Einfluſs der Temperatur. Die Erhitzung der Zapfen vermehrt die Reibung im Verhältnisse des Quadrates der Temperaturzunahme, so lange die Temperatur ungefähr bei 100° F. (37,8° C.) und die Geschwindigkeit unter 100 Fuſs in der Minute (0m,5 secundlich) liegt, während bei höheren Geschwindigkeiten die entgegengesetzte Wirkung eintritt und der Coefficient nahezu proportional der Quadratwurzel der Temperaturzunahme abnimmt. Die Temperatur der kleinsten Reibung ergibt sich, bei etwa 200 Pfund auf den Quadratzoll, näherungsweise aus:

für v in Fuſs in der Minute, bezieh. für v in Meter und für die Secunde.

|424|

Friction and Lubrication. Determinations of the laws and coefficients of friction by new methods and with new apparatus. By Robert H. Thurston. 212 S. in 8. Mit 22 Textabbildungen. (New-York 1879. Verlag der „Railroad Gazette“.) Wochenschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1880 S. 98.

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