Titel: Neuerungen an Webereimaschinen. (Patentklasse 86.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1880, Band 236/Miszelle 5 (S. 427–428)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj236/mi236mi05_5

Neuerungen an Webereimaschinen. (Patentklasse 86.)

Die Neuerung an der schottischen Schlichtmaschine von Kloeber und Comp. in Oelsnitz i. V. (* D. R. P. Nr. 8908 vom 10. Mai 1879) gestattet, die Kette in gröſserer Breite als der normalen Arbeitsbreite aufzubäumen. Zu diesem Zweck sind Getriebe und Lager des Kettenbaumes verstellbar, so daſs mit Hilfe von beizustellenden Böcken ein längerer oder kürzerer Kettenbaum eingelegt werden kann. Ist der Kettenbaum länger als der Führungsbaum der Maschine, so werden die Kettenfäden mittels eines verstellbaren Kammes in richtiger Lage auf den Kettenbaum aufgebäumt.

Apparat zur Fadenappretur an Spulmaschinen von H. F. Küchenmeister in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 8630 vom 1. Juli 1879). Diese Spulmaschine hat stehende Spindeln und Reibungsrollen und läuft der zugeführte Faden, welcher appretirt und von Flocken u.s.w. gereinigt werden soll, durch ein Auge, hierauf um eine Spannrolle nach dem Anfeuchtetrichter, von diesem durch ein geschlitztes Blech, welches die anhaftenden Unreinigkeiten beseitigt und zuletzt nach der Fadenführerrolle und auf die Spule. Der Trichter ist unten cylindrisch geformt und enthält eine schwach gespannte Spiralfeder, welche einen leicht beweglichen Holzcylinder nach oben treibt. Man füllt nun entweder den unteren Trichtertheil mit der Appreturflüssigkeit, oder man legt gefettete Wollabfälle auf den Holzkolben. Der Faden gleitet darüber hinweg und wird hierbei durch ein Eisen niedergedrückt, welches seitlich in senkrechter Richtung geführt ist und durch seine Schwere auf das Garn wirkt.

Die Maschine zur Herstellung von Schaftlitzen von Eduard Winckler in Paris (* D. R. P. Nr. 8520 vom 28. Februar 1879) dient zur Erzeugung von solchen Litzen, deren knotenlose Schleife aus einem besonderen Faden gebildet ist; die Artigen Schleifen werden in bekannter Weise mit den Litzen zu einem Geschirr vereinigt. Die Maschine führt die nöthigen Bewegungen zur Bildung der Schleife selbstthätig aus und beginnt, nachdem eine solche fertig gestellt, die Arbeit von neuem.

Die Herstellung der Schleife geschieht auf einer an ihrem Ende conisch zulaufenden Spindel, welcher eine bestimmte Anzahl von Umdrehungen ertheilt wird, um einen Faden, aus welchem die Schleife gebildet werden soll, zu einem Ringe aufzuwickeln, worauf der Faden durch eine Schere abgeschnitten wird. Alsdann wird der Ring von einem mit der Spindel verbundenen Band nach und nach unter fortwährender Drehung des Ringes bis zu dem Ende der Spindel bewegt. Dort angelangt, ist der Ring zu einer Schleife gedreht und geeignet, in die Litzen eingesetzt zu werden.

Die Neuerungen an Webstühlen von Fr. Th. Schmidt und Th. Speight in Bradford (* D. R. P. Nr. 9479 vom 17. Juni 1879) beziehen sich: auf die Construction und Anwendung metallener Litzen, welche durch Umbiegen nach der schmalen Kante unten und oben mit Haken versehen sind und in verschiedenen Sätzen (als groſse, kleine, feine, grobe) angewendet werden können, aus denen jede beliebige Zahl Litzen, je nach der Beschaffenheit des zu verwebenden Stückes, entfernt oder eingesetzt werden kann; ferner auf einen |428| Mechanismus zum Anhalten des Webestuhles mittels der Litzen, indem dieselben niederfallen, wenn ein oder mehrere Kettenfäden gerissen sind.

Mechanischer Teppich-Webstuhl von Ph. Schöller in Düren (* D. R. P. Nr. 8670 vom 6. März 1879). Zur Herstellung der Plüschteppiche auf diesem Webstuhl sind keine mit Muster bedruckte Ketten erforderlich, sondern nur zwei Ketten von gleichem (leinenem, baumwollenem o. dgl.) Material. Zur Erzeugung der Plüschoberfläche werden die Wollfäden den Farben des Musters entsprechend neben einander auf Walzen aufgewickelt und von diesen in Form ösenähnlich gestellter Noppen in das Grundgewebe eingewebt, so daſs der Verbrauch an Wolle auf die Schauseite beschränkt ist.

Der Webstuhl besitzt keine Schützen zum Einführen der Eintragfäden, sondern die letzteren werden von den im Stuhl aufgesteckten Rollen genommen, der Stelle des Eintrages, ob Ober- oder Unterschuſs, entsprechend hingehalten und durch einen hakenförmigen Schuſsholer doppelt durchgezogen. Die an der Seite des Schuſsholers dadurch entstehende offene Kante wird durch ein Eckfadenschiffchen (ähnlich wie bei Nähmaschinen) eingebunden.

Der Mechanismus zum Abschneiden der Noppen von der Wollfadenwalze besteht aus einem flachen, über die ganze Breite des Stoffes reichenden Stahlmesser und einer rotirenden Schneidscheibe, welche an der Kante des Messers entlang läuft.

Die Verbesserungen an dem Bandwebstuhl von F. Fosdick in Fitchburg (* D. R. P. Nr. 8536 vom 23. Juli 1879) beziehen sich auf die Schützen- und Aufwindebewegung: Die Schütze wird sicher durch die Kehle geführt und ebenso wieder los gelassen mit Hilfe von zwei hin- und hergehenden Haltern; dieselben bringen die Schütze bis zur Mitte ihres Weges und laufen hierauf wieder zurück, so daſs also der eine Halter die erste Hälfte des Schützenlaufes und der andere die zweite Hälfte derselben bewirkt. Die Bewegung dieser Theile ist eine vollständig sichere; sie arbeiten ohne Klemmungen und übermäſsige Reibung und auch dann noch zuverlässig in den Führungscurven die Schützen geradlinig bewegend, wenn eine Abnutzung entstanden ist. – Eine andere Einrichtung an diesem Stuhle führt die Aufwindung der Waare herbei; dieselbe bestimmt gleichzeitig die Schuſsdichte und wirkt vom Rietblatt aus, so daſs Schuſsstreifen vermieden werden.

E. L.

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