Titel: Reifer's Messerscheibe zum Nachscharfen der Sägen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240 (S. 95–97)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/ar240039

Reifer's Messerscheibe zum Einschneiden und Nachschärfen der Bezahnung von Hand- und Bandsägen.

Mit einer Abbildung.

Die bis jetzt unternommenen Versuche, das Nachschärfen der Hand- und Bandsägen in praktischer und billiger Weise zu bewerkstelligen, beschränkten sich in der Hauptsache darauf, daſs für diesen Zweck sogen. Feilenfräser oder aber mit entsprechend geformtem scharfem Rand versehene Schmirgelscheiben verwendet wurden.

Die schwierige Erzeugung und baldige Abnutzung der besagten Fräsen machte die allgemeine Verwendung derselben schon ihrer Kostspieligkeit wegen unmöglich.

Die Schmirgelscheiben mit entsprechend geformtem scharfem Rand haben den groſsen Nachtheil, daſs dieser Rand, je schärfer derselbe ist, um so leichter und schneller auch der Abnutzung unterliegt. Der für das Einschneiden, Nachschleifen oder Nachschärfen der kleinen Dreieckzähne überhaupt erforderliche scharfe Rand am Umfange der Schmirgelscheibe wird schon beim anfänglichen Ein- oder Nachschleifen in der ersten Benutzung abgerundet, d. i. stumpf und dicker, als dies für eine Feilenkerbe (Feilenfurche) oder für die feinen Zahnformen der Hand- oder Bandsäge zuträglich ist. Die scharfen Dreieckzähne, wie solche bei den Hand- und Bandsägen üblich sind, werden beim |96| weiteren Nachschärfen mit der stumpf gewordenen Schmirgelscheibe ganz ungleichartig, wodurch die Säge für eine gute und praktische Verwendung unbrauchbar wird. Ein weiterer Nachtheil bei Benutzung von Schmirgelscheiben zum Nachschärfen der genannten Sägen ist, daſs die Scheiben zumeist nur im trockenen Zustande verwendet werden können, weil der dünne scharfe Rand bei Anwendung von Kühlwasser noch schneller der Abnutzung und der Formveränderung unterworfen ist. Durch das trockene Schärfen mit der schnell rotirenden Schmirgelscheibe wird jedoch die Säge beim Schleifen stark erhitzt und der Sägezahn verliert ungewöhnlich viel an Härte und daher auch an Güte. Ueberdies sind sehr dünne Schmirgelscheiben, wie solche beim Nachschärfen erforderlich sind, schon wegen deren leichter Gebrechlichkeit äuſserst gefahrvoll und werden deshalb nur in ganz vereinzelten Fällen für den genannten Zweck in Verwendung gebracht. Die bezeichneten Uebelstände der Schmirgelscheibe und Feilenfräser sind es, welche die ursprüngliche Art der Benutzung von Feilen zum Nachschärfen der Hand- und Bandsägen bis jetzt nicht verdrängen konnten.

Die beistehend veranschaulichte, äuſserst einfache Vorrichtung von F. Reifer, Oberingenieur der Ferdinands – Nordbahn in Floridsdorf bei Wien ermöglicht nun nach den Mittheilungen des technologischen Gewerbemuseums, Wien 1881 S. 37 das Nachschärfen von Hand- und Bandsägen in der vollkommensten Weise ohne Gebrauch von Schmirgelscheiben oder Feilenfräsen. Dieselbe besteht aus der auf einer Welle befestigten Stahlscheibe A mit glattem Rande (Messerschneide, nicht mit feilen- oder fräsenartigem Rande), welche in beliebiger Weise in schnelle Rotation versetzt wird.1) Durch die glatte Schneide des Scheibenrandes (Umfanges) wird der zugeschobene Zahn einer Hand- oder Bandsäge während der Bewegung der Scheibe geschärft, nachgeschliffen oder auch eingeschnitten. Damit aber auch der Sägezahn während des Schärfens, des Ein- oder Nachschneidens, nicht weich werde, flieſst ununterbrochen Wasser über die Scheibe A zu der zu schärfenden Sägestelle B.

Textabbildung Bd. 240, S. 96

Die Vorzüge dieser einfachen Messerscheiben sind: 1) Benutzung von einfachen, leicht herstellbaren, volle Sicherheit gegen das Zerspringen gewährenden und groſse Dauerhaftigkeit bietenden Sägeschärfscheiben. 2) Die Arbeit des Sägeschärfens kann unter reichlichstem Zuflüsse von Kühlwasser geschehen, wodurch die Schleifscheibe und das Sägeblatt geschont wird und der Sägezahn mindestens ebenso widerstandsfähig und hart bleibt, als wenn derselbe mit der Handfeile nachgeschärft worden wäre. 3) Die groſse Dauerhaftigkeit |97| des Apparates. 4) Der Umstand, daſs man stets gleiche und scharfe Zähne erhält.

Nachstehend folgt eine Zusammenstellung der von dem Reifer'schen Sägeschärfapparate in der Waggon-Reparaturwerkstätte der Kaiser Ferdinands-Nordbahn zu Floridsdorf bereits geleisteten Arbeit.

Vom 24. Juni 1879 bis 4. März 1881 (d. i. 1 Jahr, 8 Monate und 9 Tage) wurden 1290 Stück Handsägeblätter in der Schneidelänge von 650 bis 800mm geschliffen, ferner 125 Stück Bandsägen von 6550mm Länge.

Die Schleifdauer der Handsägeblätter beträgt für das Stück 10 bis 25 Minuten, je nachdem die Zähne mehr oder weniger abgenutzt sind. Wird dasselbe Blatt mit der Hand geschärft, so ist dazu eine Zeit von 30 bis 40 Minuten und für je 2 Stück Blätter eine Sägefeile erforderlich.

Das Fertigstellen einer 6550mm langen Bandsäge für den Schneidegebrauch erfordert mit dem Reifer'schen Apparate eine Zeitdauer von 110 bis 160 Minuten (1¾ bis 2¾ Stunden). Wird eine gleich lange Bandsäge mittels Hand ausgefeilt, so sind 3½ bis 4 volle Stunden erforderlich und werden hierbei einige gute Feilen abgenutzt.

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Die im Wiener Museum aufgestellte Maschine macht 1900 Umdrehungen in der Minute.

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