Titel: Ueber Neuerungen in der Zuckerfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240 (S. 122–124)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/ar240050

Ueber Neuerungen in der Zuckerfabrikation.

Mit Abbildungen auf Tafel 12.

(Patentklasse 89. Fortsetzung des Berichtes S. 44 dieses Bandes.)

Bei den cylindrischen Diffusionsgefäſsen von F. J. Müller in Prag (* D. R. P. Nr. 8132 vom 20. Juni 1879) tritt der Saft durch den angegossenen oberen oder unteren Stutzen a (Fig. 1 und 2 Taf. 12) in den ringförmigen Raum b, ein verhältniſsmäſsig kleiner Theil tritt durch die wenigen Löcher c direct zu den das Gefäſs füllenden Schnitzeln, die Hauptmenge aber durch die gröſseren Randlöcher des Siebbodens e in den Raum g, der zwischen dem Deckel und dem eigentlichen Blechboden f sich befindet. Die mittlere Oeffnung h dieses Blechbodens gestattet den Saftzutritt zu dem ebenen Sieb e, durch dessen Löcher der Saft, gleichmäſsig über den ganzen Querschnitt des Gefäſses vertheilt, austritt. Ein kräftiger Hebel l, der mittels des Bolzens m mit dem Deckel lose verbunden ist, bewirkt den Verschluſs des unteren Deckels. Das gegabelte Ende m dieses Hebels fällt in die Anzugsschraube o ein, die von oben mittels der Kurbel p oder mit Hilfe eines Handradcheus gehoben werden kann. Da der angegossene Lappen r nur eine Drehung der Mutter, aber keine Hebung im Sinne der Achse gestattet und da andererseits die Spindel o sich nicht drehen kann, so wird bei einer Drehung der Mutter eine Aufwärtsbewegung der Spindel o, also ein Anziehen des um den Bolzen s drehbaren Hebels l und damit ein Druck auf den Mittelpunkt des Deckels erfolgen, während der eingelegte Kautschukring n dann den dichten Verschluſs bewirkt. Beim Oeffnen des unteren Deckels wird derselbe zuerst durch Herablassen der Schraubenspindel o gelockert und dann durch Drehung des an der Spindel w befestigten Handhebels v gelöst. Der Heizmantel wird von den beiden Cylindern k und x gebildet, welcher mit durch den Stutzen y eintretendem Dampf geheizt werden kann, während das Condensationswasser bei z austritt.

Bei den Macerations- und Diffusionsgefäſsen von Alex. I. Birjukow in Odessa und A. Wernicke in Halle a. S. (* D. R. P. Nr. 9874 vom 31. October 1879) durchströmt die auslaugende Flüssigkeit in horizontaler |123| Richtung vom Umfang des Gefäſses zur Mitte hin die auszulaugenden Schnitzel, wobei die Flüssigkeit vor dem Eintritt in die Auslauger in einem diese umgebenden Mantel durch eine hier befindliche Dampfschlange erwärmt wird. Die in Fig. 3 bis 6 Taf. 12 abgebildeten Gefäſse P von beliebigem Inhalt werden durch das obere Mannloch M gefüllt und nach beendigter Operation durch das im Boden oder an der Seite des Gefäſses angebrachte untere Mannloch z entleert. Bei ersterer Anordnung wird die Flüssigkeit aus der mittleren Röhre T durch 4 Rohrstutzen t in einen ringförmigen Raum, welcher das Gefäſs an dem äuſseren Umfang umgibt (Fig. 3 und 4) abgeführt, im anderen Falle (Fig. 5 und 6) tritt sie durch eine Verlängerung der mittleren Röhre T unten am Gefäſs aus. Die in das Gefäſs eingeführte Flüssigkeit gelangt in beiden Fällen zuerst in den ringförmigen Raum S, geht dann durch einige Löcher in den ringförmigen Raum K über und wird hier durch die Schlange s erwärmt, welche ihren Dampf von oben bei h erhält, während das Niederschlagswasser unten durch ein gewöhnliches Retourventil abgeleitet wird. Die erwärmte Flüssigkeit dringt nun durch die Sieböffnungen in horizontalen Strahlen in den mit Rübenschnitzel gefüllten Raum P und geht durch das Mittelrohr nach auſsen.

Im Allgemeinen hat sich die centrale Safteinströmung von oben am besten bewährt. Um jedoch stets eine möglichst gleichmäſsige Auslaugung zu erreichen, sind neuerdings auch Rührwerke angebracht. Der Diffuseur mit Mischvorrichtung von F. Quis1) besteht z.B. aus einer senkrechten Spindel, an welcher flache Mischer a bis d (Fig. 7 bis 9 Taf. 12) in horizontaler Richtung angebracht sind. Die Fläche dieser Mischer jedoch steht mit 45° geneigt gegen die horizontale Ebene, in welcher ihre Bewegung vor sich geht. Der Antrieb kann je nach der Construction des Diffuseurs von oben, unten oder von der Seite erfolgen. Sobald der Diffuseur mit Schnitten und dann von unten mit Saft voll gefüllt ist, setzt man den Mischer in Bewegung. Derselbe macht 10 Drehungen in der Minute und hat den Zweck, die Schnitte von unten nach oben zu heben, immer schwebend und frei in der Flüssigkeit zu erhalten und überhaupt dem Bestreben des Saftstromes, welcher die Schnitte gegen das untere Sieb drückt, entgegen zu wirken, ein Setzen der Schnitte und somit einerseits Kanalbildungen und andererseits Verstopfungen zu vermeiden.

Märky, Bromovsky und Schulz in Prag (* D. R. P. Nr. 9991 vom 17. October 1879) verwenden cylindrische Gefäſse C (Fig. 10 und 11 Taf. 12), welche sich entweder um eine Achse drehen, oder blos hin- und herschwingen. Durch diese Bewegung soll eine gleichmäſsige Berührung der Schnitzel mit der Auslaugeflüssigkeit erzielt und ein |124| Verstopfen der Siebfläche verhindert werden. Die fest verschlossenen oberen und unteren Deckel D sind mit den Sieben e verbunden. Die Zapfen z, mit denen sich die Gefäſse in festen Lagern drehen, sind hohl und gestatten den Ein- und Austritt der Flüssigkeit aus der Seitenleitung, Diese Zapfen sind mittels Stopfbüchsen mit Ventilen und den Zuleitungs- und Ableitungsröhren dicht verbunden. Bei jedem Diffusionsgefäſs ist der eine Zapfen über sein Lager verlängert und trägt hier eine Kupplung, durch welche das Antriebrad mit dem Diffuseur verkuppelt wird. Die Füllung und Entleerung des Diffusionsgefäſses geschieht durch ein seitliches Mannloch n. Die Gefäſse werden kreisförmig angeordnet (vgl. Fig. 10) oder in Reihen. In der Zuckerfabrik Girna hat sich nach der Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1880 Bd. 4 S. 167 ein solcher Apparat mit Gefäſsen von 4hl Fassungsraum bewährt.

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Zeitschrift für Zuckerindustrie in Böhmen, 1880 Bd. 4 S. 226.

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