Titel: Ueber Neuerungen an Nähmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240 (S. 190–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/ar240071

Ueber Neuerungen an Nähmaschinen.

Mit Abbildungen auf Tafel 16.

(Patentklasse 52. Fortsetzung des Berichtes S. 33 dieses Bandes.)

2) Nähmaschinen und Hilfsapparate für elastische Naht Die Vortheile der Doppelsteppstich- und Kettelstichnaht hat W. L. Bigelow in Finsbury, England (* D. R. P. Nr. 10751 vom 8. Juli 1879) geschickt zu vereinigen gewuſst und so eine brauchbare Nähmaschine für Wirkwaare hergestellt. Bekanntlich ist die Kettelnaht bedeutend elastischer als die Doppelsteppnaht und deshalb besonders zum Nähen der Wirkwaaren u. dgl. geeignet; sie hat aber den groſsen Nachtheil, am richtigen Ende erfaſst, vollständig aufgezogen werden zu können. Bei der Doppelsteppnaht ist dies nicht möglich, wenn der Faden beim Nähen gehörig angezogen oder angespannt wurde. Bigelow hat nun die Doppelsteppnaht dadurch elastisch gemacht, daſs die Naht in einer Zickzacklinie hergestellt wird, wodurch der genähte Stoff hinreichend gedehnt werden kann, ohne die Naht zu zerreiſsen.

Die Construction der Nähmaschine ist aus Fig. 14 bis 17 Taf. 16 zu entnehmen. In der Grundplatte U befindet sich der Schieber D und in diesem die Oeffnungen für die Nadel sowie für den Stoffrücker Q (Fig. 17); letzterer trägt das leicht bewegliche schwalbenschwanzförmig aufgesetzte Stück R, welches vom Schieber D, also rechtwinklig zur Naht verschoben werden kann, während sich der untere Theil Q längs der Naht bewegt. Diese Bewegung erhält Q durch den Hebel K, dessen Ende einen Rahmen bildet, in welchem sich ein Excenter bewegt. Der Hebel K hat seinen Drehpunkt in K1; doch ist dieser mit dem Hebel K so verbunden, daſs er sich in seiner Längsrichtung verschieben kann. Geschieht dies, so hebt K durch eine keilförmige Verstärkung den Stoffrücker Q empor, während die seitliche Bewegung von K zur Schiebung des Stoffes in der Nahtrichtung |191| dient. Je nachdem der Drehpunkt K1 mehr nach der Mitte oder nach dem Ende des Hebels gerückt wird, was durch die Schiene K2 und Schraube K3 (Fig. 14) geschehen kann, erhält man auch eine mehr oder weniger groſse Verschiebung von Q und somit gröſsere oder kleinere Stichlänge. Der Schieber D wird von dem Schlitzhebel E erfaſst, in welchem sich die Schraube g verstellen läſst; diese steht durch den Winkelhebel G in Verbindung mit der Hubscheibe G1. Sobald man die Schraube g verstellt, ändert sich also die Bewegung des Schiebers D. Oberhalb desselben ist aber das Säulchen D1 angebracht, welches den Drehpunkt C1 für einen mit dem Stoffdrücker F verbundenen Stab C trägt. Auf C schiebt sich die Hülse B, welche in Verbindung mit der Druckstange steht und durch Zugstange B1 und Hebel B2 gehoben werden kann. Bewegt sich nun der Schieber D, so erhalten Stoffrücker und Drücker rechtwinklig zur Nahtrichtung ihre Bewegung, wie dies eine Zickzacknaht verlangt.

Auf dem Schieber D ist ferner eine Schere O (Fig. 16) durch die Schrauben d und dahinter das Schutzblech W befestigt. Das eine Scherblatt ist durch den Bolzen n mit der Stange N verbunden und diese wieder mit dem doppelarmigen Hebel M, welcher durch die Schraube l an einem in der Führung V gleitenden Rahmen L geschraubt ist, der durch ein Excenter bewegt wird. Noch ist zu bemerken, daſs die Nadelstange A nicht mittels Hebel, sondern durch einen Krummzapfen s der Welle S bewegt wird. Hierdurch wird aber die lebendige Kraft der bewegten Theile vermindert und die Stichzahl vergröſsert. Im Uebrigen bezeichnen in den Figuren gleiche Buchstaben dieselben Theile.

Eine nachgeahmte überwendliche Naht liefert die Strumpfnähmaschine von Bruno Rudolph in Berlin (* D. R. R Nr. 11086 vom 8. Februar 1880), welche früher mit zwei Fäden arbeitete, gegenwärtig aber als Einfadenmaschine gebaut wird. Die Naht wird in folgender Weise gebildet: Die Nadel a ist in dem winkelförmigen Stücke b (Fig. 18 Taf. 16) festgeklemmt; letzteres steht mit dem Riegel c in Verbindung, welcher durch ein Excenter B eine hin – und hergehende Bewegung erhält. Senkrecht zur Nadel ist eine Stange angebracht und diese trägt unterhalb den Schlingenfänger C. Eine Schwingung wird demselben durch den Hebel F ertheilt, dessen Rolle sich in einer Nuth der Curvenscheibe J führt und am anderen Ende g in das Zahnrädchen f greift. Dicht neben C befindet sich eine zweite Stange L (Fig. 19); diese trägt den Schlingenhalter, welchem durch den Hebel O, dessen Rolle s in einer Nuth der Curvenscheibe P rollt, eine auf- und niedergehende Bewegung ertheilt wird. Sobald die Nadel a durch den Stoff gestochen hat und im Begriffe ist zurück zu gehen (vgl. Fig. 20), faſst der Schlingenfänger C die gebildete |192| Fadenschleife und schafft sie über den Stoff hinweg, während die Waare um eine Stichlänge weiter rückt (Fig. 21). In diesem Augenblicke bewegt sich der Schlingenhalter L abwärts mit seiner Spitze in die Schleife hinein; die Nadel geht dabei vollends zurück. Der Schlingenhalter L drückt nun die Fadenschleife (Fig. 22) so weit auf die entgegengesetzte Seite des Stoffes hinab, daſs die Nadel a in dieselbe eintreten kann. Wird die Schleife durch die Nadel gehalten, so geht der Schlingenhalter in die höchste Stellung zurück und man erhält die Lage der arbeitenden Theile Fig. 20.

Der Stoff wird durch die beiden Scheiben R und R1 (Fig. 18) ruckweise zugeführt; diese sind derart am Rande verzahnt, daſs die Nadel durch die Zahnlücken stechen kann und so die Waare bis zum äuſsersten Ende einklemmt. Statt dieser gezahnten Scheiben können auch glatte verwendet werden, wenn man auf jede Achse m bezieh. m1 eine Feder i (Fig. 23) festschraubt, die einen Einschnitt trägt, durch welchen die Nadel sticht. Die Drehung der Scheiben erfolgt durch eine Scheibe W (Fig. 18), welche am Rande eine Schraubenlinie bildet und dadurch das Rad N bei jeder Drehung der Welle A um einen Zahn fortschiebt. Diese Bewegung wird durch Winkelräder r zunächst auf die Scheibe R und durch Stirnräder p auf R1 übertragen. Die Achse m1 von R1 ist mit dem Gelenk S verbunden, um behufs Einführung der Waare mittels des Hebels u von der Scheibe R entfernt werden zu können.

Um die Waare immer in der richtigen Höhe zuzuführen, dient der Apparat x y z (Fig. 19), welcher durch den Hebel x abgestellt werden kann. Die bohnenförmigen Stücke z sind so angebracht, daſs zwischen diesen und der Platte y der nöthige Platz zur Waare bleibt; sie entrollen den Rand der Wirkwaare und führen sie so zwischen die Transporteure R, R1 daſs die beiden Theile in der Höhe der sogen, halben Masche zusammen genäht werden.

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