Titel: H. Fischer, über Malhère's Spitzenmaschine.
Autor: Fischer, Hugo
Fundstelle: 1881, Band 240 (S. 274–286)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/ar240107

Die Spitzenmaschine von Eugen Malhère in Paris; von Hugo Fischer, Professor an der technischen Hochschule zu Dresden.

Mit Abbildungen auf Tafel 23.

Seit Anfang dieses Jahrhunderts ist der Handspitzenindustrie eine bedeutende Concurrenz aus der Erfindung von Spitzenmaschinen durch Heathcoat, Levers, Crofts u.a. erwachsen. So groſse Vollkommenheit diese Maschinen im Laufe der Zeit erlangt haben, von so hohem Genie und Geist ihrer Erfinder sie Zeugniſs geben, so mannigfach die ihnen entstammenden Arbeitsproducte sind und so täuschend sie, wenigstens für den Nichtfachmann, die alten und neuen Arbeiten der Handklöppelei und Näherei wiedergeben, ihre Erzeugnisse sind doch immer nur als Nachahmungen dieser letzteren zu bezeichnen, nehmen mit diesen nicht die gleiche Rangstufe in Bezug auf Güte der Arbeit, Wechsel, Schönheit und Freiheit der Formengestaltung und Dauer des Productes ein. Im Handelsverkehr drücken dies die Bezeichnungen „wahre oder echte Spitzen (vraie dentelle)“ für Handarbeit, „imitirte Spitzen (dentelle imitation)“ für Maschinenarbeit aus.

Der Unterschied zwischen den Handspitzen und den auf der Spitzenmaschine erzeugten Arbeiten beruht auf der Art der gegenseitigen Bindung und Verflechtung der einzelnen Fäden; dieselbe ist das bestimmende Moment und bietet daher ein sicheres Unterscheidungszeichen |275| für die genannten Fabrikate. Die Handspitzen (hand made lace) sind im technischen Sinne Complexe von Fäden, Gezwirnen, Geflechten, Geweben und Maschengebilden, durch deren entsprechende Anordnung und Vertheilung die verschiedenen Grund- und Musterfiguren entstehen.1) Spitzen, welche nicht allein Maschengebilde enthalten, deren Herstellung daher die verschiedenen Arbeitsverfahren des Zwirnens, Flechtens, Webens und Wirkens voraussetzt, nennt man geklöppelte Spitzen oder Klöppelspitzen (dentelle au fuseau; pillow-lace, bone-lace) und versteht unter Klöppeln eine Arbeitsmethode, welche lehrt, die genannten Arbeitsverfahren mittels eines einzigen Werkzeuges, dem Klöppel (fuseau, bobbin), in beliebigem Wechsel und an ein und demselben Fadencomplex auszuführen. Zur Festhaltung des Arbeitstückes während der Arbeit dient das Klöppelkissen (coussin à dentelle, cushion for bone-lace-making.) Diesen geflochtenen Spitzen stehen die durch Näharbeit erzeugten gegenüber, deren Constructionselemente nur Maschen- oder Schlingengebilde sind. Zur ihrer Erzeugung dient eine den Faden führende Nadel (aiguille, needle); die Befestigung des Arbeitstückes erfolgt auf einem Musterbrief. Diese Erzeugnisse heiſsen genähte Spitzen oder Nadelspitzen (dentelle à l'aiguille, point; needle work, point-lace).

Zur Erzeugung des Grundes (réseau, ground of lace) finden bei den geklöppelten Spitzen die einfachen, linienartigen Gebilde, Fäden und Gezwirne, in einzelnen Fällen, z.B. bei den Guipurespitzen, auch schmale Geflechte Anwendung- die Musterfiguren werden hier durch flächenartig ausgedehnte Gewebe und Geflechte gebildet. Durch wechselnde Vereinigung der einzelnen Fäden, Gezwirne und schmalen Geflechte entstehen die verschiedenen Grundarten, die bei den alten Spitzen in groſser Mannigfaltigkeit auftreten und das wesentlichste Unterscheidungszeichen für die verschiedenen Spitzenarten bilden, welche meist nach dem Ort ihrer ursprünglichen oder ihrer vorzugsweisen Erzeugung benannt sind (Valencienner-, Maliner-, Brabanter-, Alençon-, Chantilly-Spitzen u.a.m.). Die Nadelspitzen sind dadurch charakterisirt, daſs sowohl der Grund, als das Muster aus der Gestalt nach gleichen Elementen, nämlich schleifenförmigen Gebilden oder Maschen, zusammengesetzt ist, deren verschieden dichte Vertheilung auf der Fläche die Mustergestaltung bedingt.

Bei dem Studium der Maschinenspitzen fällt vor allem die geringe Mannigfaltigkeit in der Wahl der Constructionselemente gegenüber den Handspitzen auf. Die vielartigen Effecte werden hier durch Gezwirne und Maschengebilde der einfachsten Art erzielt. Die Unmöglichkeit, |276| sämmtliche den Handspitzen eigene Constructionselemente aufzunehmen und diese in jeder beliebigen Reihenfolge an einander zu ordnen, ist in dem Constructionsprincip der Spitzenmaschine begründet. Die activen Werkzeuge der letzteren, die in Kämmen (combs) geleiteten Spulenträger (carriages) führen nur zwangläufige Bewegungen aus, deren Aenderung ohne zu groſse Complication der Maschine nur in engen Grenzen zulässig ist. Es ist deshalb nur ein geringer Wechsel in der Art der Fadenverbindungen möglich. Dagegen ist es leicht, mittels der Jacquardmaschine die einzelnen gleichartigen Elemente in einer entsprechenden Reihenfolge anzuordnen und hierdurch abwechselnd mehr oder weniger dichte Stellen auf dem Arbeitstück zu erzeugen, deren Vertheilung hier, wie bei den genähten Handspitzen, das Muster bedingt; oder andererseits mit Hilfe der Jacquardmaschine starke Einlagfäden derart zu führen, daſs sie den durch die Jacquardkarten vorgeschriebenen Musterbegrenzungen folgen und von den gleichzeitig gebildeten Grundmaschen gebunden werden.

Die Grundarten entstehen demnach vorzugsweise durch Schränkung und Drehung der Fäden (Bobbinnetgrund), die Muster durch verschiedene Dichte in der Anordnung der Elemente, durch schuſsartig eingefügte starke Fäden, welche durch Kettennähte gebunden werden, durch Einlegen starker Fäden, welche die Contouren der Musterfiguren markiren, oder durch Combination mehrerer dieser Arbeitsverfahren. Ein Theil dieser Spitzenimitationen erinnert daher im Bau an die Nadelspitzen, ein anderer an einfache Ausführungen der Klöppelspitzen, namentlich an die unter dem Namen „durchzogene Arbeit“ bekannten Erzeugnisse der Handarbeit;

Erst in dem letzten Jahrzehnt, wo es gelang, die Klöppel- oder Flechtmaschine (machine à lacets, braiding-machine) zur Spitzenerzeugung umzugestalten, treten in die Reihe der Maschinenspitzen Producte, welche technisch von den, gleichen Charakter tragenden, Handspitzen nicht zu unterscheiden sind und deren ästhetischer Werth gegenwärtig nur noch durch den Mangel der völlig freien Linienführung, gegenüber den Handspitzen, beeinträchtigt wird. Zur Zeit ist nur die Herstellung einfacher Spitzenarten auf der Klöppelmaschine mit praktischem Erfolg gelungen. Hierher zählen die Torchonspitzen der deutschen Fabriken (Barmen) und einfache, schmale Valenciennespitzen französischer Fabrikation (Roubaix).

Die Werkzeuge (Klöppel) und Grundmechanismen der Flechtmaschinen sind für die Erzeugung der früher genannten Fadenvereinigungen, welche nicht Maschengebilde sind, vollkommen geeignet. Diese Fadenverbindungen verlangen entweder eine einfache Rotationsbewegung zweier oder mehrerer Klöppel um eine gemeinsame Achse (Zwirnen der Klöppelfäden), oder geradlinige Verschiebungen der einzelnen Klöppel derart, daſs der Faden des einen (Schuſsklöppel) abwechselnd über und |277| unter den Fäden der anderen hingeführt wird, wie dies die Erzeugung eines leinwandbindigen Gewebes oder Geflechtes bedingt. Es entsteht das Gewebe, wenn für das Einschieſsen stets ein und derselbe Klöppel verwendet wird und die übrigen Fäden abwechselnd Fach bilden; das Geflecht, wenn nach und nach jeder der vorhandenen Klöppel einmal Schuſsklöppel wird und seinen Faden durch das von den übrigen Fäden gebildete Fach hindurchführt. In beiden Fällen ist die Fachbildung nicht wie bei dem Weben eine gleichzeitige Operation aller Fäden; sie erfolgt vielmehr allmählich mit dem Vorschreiten des Schuſsklöppels in ähnlicher Weise wie die Platinensenkung auf dem Kulirstuhle bei der Bewegung des Röſschens. Die von den Klöppelspulen ablaufenden Fäden vereinigen sich auſserhalb der Grundplattenebene zu der fertigen Waare, zu deren Aufnahme und Abführung schwingende Kämme und paarweise angeordnete Abzugs walzen angeordnet sind.

Die doppelte Benutzungsart der Klöppelmaschine zum Zwirnen und Flechten ist bereits längere Zeit bekannt und findet bei der Erzeugung der geklöppelten, durchbrochenen Zackenlitzen (die namentlich Barmener Fabrikate sind) Anwendung. Die Rotation bestimmter Klöppel um eine gemeinsame Achse wird bekanntlich durch einen Räderantrieb bewirkt und durch Flügelräder (Treiber), welche die Klöppel erfassen, vermittelt. Die Klöppel sind in kreisförmigen Bahnen geführt, welche in eine ebene, kegelförmig oder sphärisch gestaltete Platte geschnitten sind. Die einzelnen Kreisbahnen sind auf einer Geraden oder einer Kreislinie so neben einander angeordnet, daſs sie sich berühren und gegenseitig vereinen. Durch entsprechende Ueberführung der Klöppel der einen Bahn auf die Nachbarbahnen entsteht die für das Gewebe bezieh. Geflecht nothwendige Schränkung der einzelnen Fäden. Die zeitweise Unterbrechung dieses Uebertrittes wird durch Schluſs der Nachbarbahn mittels einer Weiche bewirkt und hierdurch das Verbleiben der Klöppel auf der ersten Bahn, also ein Zwirnen der Fäden erzielt. Durch entsprechende Steuerung der Weiche, entweder durch die Klöppel selbst oder durch eine Jacquardmaschine (sogen. Rapportapparat), kann ein in gewissen Grenzen beliebiger Wechsel der Aufeinanderfolge von Gezwirn und Geflecht (Gewebe) herbeigeführt werden. Der Benutzung der Jacquardmaschine zur Weichenstellung und damit zur Steuerung des Klöppellaufes ist das Gelingen der Erzeugung von spitzenartigen Fabrikaten auf der Flechtmaschine namentlich zu verdanken.

Obgleich das Grundprincip der Klöppelmaschine an sich ein völlig richtiges ist, so können doch, wie schon bemerkt, nur einfache Grundarten und Muster auf derselben erzeugt werden. Der Grund hierfür liegt in ihrer gegenwärtigen praktischen Ausführung. Die Nothwendigkeit, daſs in Folge des zur Klöppelbewegung gewählten Zahnradantriebes alle Klöppel stets in Bewegung befindlich sind, machen die entsprechende |278| Herbeiführung der erforderlichen Bewegungsformen auſserordentlich schwierig. In neuester Zeit gelang die Beseitigung dieses Uebelstandes wenigstens theilweise durch Anwendung von sogen. Nebentellern2), welche diejenigen Klöppel zeitweise aufnehmen und leer im Kreise herumführen, die nicht einzuflechtende Fäden enthalten. Das Wiedereinführen dieser Klöppel in die Bahnen bewirkt dann eine besondere Steuerungseinrichtung, gewöhnlich ebenfalls eine Jacquardmaschine.

Zu diesen kurz charakterisirten Maschinen tritt eine Maschine des Franzosen Eugen Malhére, welche als die gegenwärtig vollkommenste ihrer Art bezeichnet werden kann. Die französische Zeitschrift Le Technologiste brachte in Nr. 156 (1881 S. 23) neben einer völlig unverständlichen Figur eine Beschreibung dieser angeblich neuen Maschine3) nebst der Mittheilung, daſs die Compagnie dentellière zu Paris die Ausbeutung der Erfindung übernommen und vorzügliche Resultate in der Fabrikation von Spitzen erzielt habe, welche den Arbeiten der Handklöppler durchaus nicht nachstehen sollen. Obgleich die Ansichten über den Werth der Erfindung in maſsgebenden Fachkreisen gegenwärtig noch getheilt sind, so dürfte doch bereits jetzt eine eingehende Besprechung der Maschine nicht überflüssig erscheinen, da das derselben zu Grunde liegende Princip völlig richtig und die Wahrheit der obigen Mittheilungen zu verbürgen geeignet ist. Die früheren auf der Maschine erzeugten Arbeiten, welche dem Referenten durch die Güte des bedeutenden Spitzenindustriellen, Hrn. O. Richter in Dresden, bekannt wurden, gehören zwar nur den gröberen Spitzensorten an; doch darf von einer genauen Ausführung der Maschine auch die Erzeugung feinerer Spitzenarten erwartet werden. Der Gedanke, welcher der Maschine zu Grunde liegt, ist durchaus rationell, so daſs durch seine Verwirklichung die schwierige Aufgabe, Gezwirne, Gewebe und Geflechte von jeder erforderlichen Gröſse zu jeder beliebigen Zeit aus einem und demselben Fadenbüschel herzustellen und sie in jeder beliebigen Reihenfolge mit einander zu vereinen, gelöst erscheint.

Die Grundidee der Maschine gipfelt in der Heranziehung der Jacquardmaschine zur directen Bewegung, sowohl Drehung als Verschiebung, der Klöppel einer auch in der Gesammtanordnung von den bisher bekannten Constructionen abweichenden Flechtmaschine. Hierdurch ist erreicht, daſs einzelne Fadenspulen der Maschine, ebenso wie die des Handklöpplers, beliebige Relativbewegungen gegenüber den übrigen Fadenspulen ausführen können, diese mögen ruhend oder bewegt |279| sein. Der vorher in der Chifferschrift der Jacquardkarte niedergelegte Wille des Mustererfinders wird durch den die Rolle des Uebersetzers spielenden Mechanismus der Jacquardmaschine dem Werkzeug, welches den Faden führt, kundgegeben und leitet dies in die ihm vorgeschriebene Bahn in gleicher Weise, wie dies bei der Handarbeit die menschliche Hand vollbringt.

Das der Spitzenklöppelmaschine von Malhère zu Grunde liegende Arbeitsverfahren ist mit dem der Handklöppelei durchaus identisch. Zur näheren Erläuterung desselben sind die in den Fig. 1 bis 3 Taf. 23 dargestellten Grundarten gewählt. Fig. 1 zeigt eine an alten Brüsseler Spitzen vorkommende Grundbindung, Fig. 2 den Grund der alten Mechelner Arbeiten, Fig. 3 den gewöhnlichen Tüll- oder Bobbinnetgrund. Die ersten beiden gehören den theilbaren Grundarten4) an; es ist jeder Faden nur über einen Theil der Spitzenbreite geführt, weshalb die Spitze durch Entfernen einiger entsprechender Fäden leicht in mehrere Streifen zerlegt werden kann, deren Grundbildung noch die ursprüngliche ist. Der Tüllgrund dagegen ist untheilbar. Er besteht aus zwei Fadensystemen, dem einen, dessen Fäden parallel zur Längenrichtung der Spitze laufen, und einem zweiten, dessen Fäden sich quer über die ganze Breite der Spitze erstrecken. Diese letzteren verhindern eine Theilung der Spitze ohne Verletzung der Grundzellenform.

Die Grundarten Fig. 1 und 3 sind aus einzelnen Fäden und Gezwirnen zusammengesetzt; die freien Fäden kreuzen sich paarweise. Die Grundart Fig. 2 dagegen stellt sich als eine Vereinigung von zweifädigen Gezwirnen und vierfädigen Geflechten dar. Die Herstellung dieser Grundarten durch Handklöppeln geht aus den schematischen Darstellungen, welche den Figuren beigesetzt sind, leicht hervor, wenn man beachtet, daſs jeder zur Führung der Fäden benutzte Klöppel durch einen Buchstaben bezeichnet ist, welcher mit der Fadenbezeichnung in den Figuren übereinstimmt. Zwei von einem Kreis umschlossene Buchstaben bedeuten zwei um eine gemeinsame Achse (hier den Mittelpunkt des Kreises) rotirende Klöppel, die Pfeile geben die seitliche Verschiebung der Klöppel behufs des gegenseitigen Schränkens der Faden an. Die den Kreisen beigeschriebenen Ziffern normiren die Anzahl der von den Klöppeln ausgeführten halben Umläufe. Alle Fäden sind nach einer Punktreihe geführt zu denken, welche auſserhalb der Bildfläche liegt.

Die abwärts auf einander folgenden Horizontalreihen geben die Reihenfolge der Arbeitsverrichtungen an. Nachdem beispielsweise in Fig. 1 die zu den Gruppen ab, cd, ef, gh vereinten Fäden zu Gezwirnen von drei halben Drehungen vereinigt sind, erfolgt die Gruppirung entsprechend der dritten und vierten Horizontalreihe des Schemas |280| Fig. 1a zu b, ad, c, f, eh, g; die paarweise stehenden Klöppel vollführen einen halben Umlauf, so daſs die Fäden an der Stelle β (Fig. 1) geschränkt werden. Hierauf erfolgt Umstellung der Klöppel und Bildung einmal gedrehter Gezwirne γ aus den Fadenpaaren bd, ac, fh, eg; Scheidung dieser in die Gruppen b, da, c, f, he, g; Zwirnung von da und he u.s.w.

In Fig. 2 und Schema Fig. 2a ist in gleicher Weise die Bildung des vierfädigen und einbindigen Geflechtes β – ϑ angegeben. Die Schluſsreihe des Schemas stellt die Gruppirung der Fäden für die Bildung der vier zweifädigen Gezwirne x, λ, μ, v dar, welche sich an die soeben gebildeten Geflechte anschlieſsen. Nach erfolgter Tordirung scheiden sich dann die beiden mittleren Gruppen, so daſs verbleibt: ba, d, cf, e, hg; nach der Schränkung von cf und Scheidung dieses Fadenpaares ergibt sich die Reihe ba, df, ce, hg u.s.f. Die Randpaare ba und hg ergeben daher durch einfache Drehung die Randgezwirne, die mittleren Paare df und ce durch abwechselnde Drehung und Scheidung das mittlere Geflechtstück ξ.

Auf ähnliche Weise ergibt sich leicht für jeden anderen geklöppelten Spitzengrund ein ähnliches Schema für die Klöppelbewegung; dasselbe gilt für die Musterungen, welche aus vielfädigen Geflechten bezieh. Geweben bestehen und deren Erzeugung Analogien zu der Bildung des Geflechtes in Fig. 2 darstellt.

Zu der Herstellung kommt bei dem Handklöppeln noch die Erhaltung und Vertheilung der Kreuzungen und Zwirnungen an bestimmten Stellen. Zur Angabe dieser Stellen dient bekanntlich der auf dem Klöppelkissen (Klöppelsack) festgeheftete Klöppelbrief (Musterbrief, die Aufwinde) und in Durchlochungen desselben gesteckte Nadeln. Die Stellung dieser Nadeln gibt daher ein Bild von der allgemeinen Grundform der zu erzeugenden Spitze. Das Einstecken der Nadeln erfolgt nach Maſsgabe des Fortschreitens der Arbeit, so daſs nach jedem ausgeführten „ganzen oder halben Schlag“ (bei Tüllgrund die Ausführung zweier zweifädigen Gezwirne und folgender Schränkung zweier Fäden) dieser durch eine neu eingesteckte Nadel gebunden wird; die Nadeln vertreten hierbei die Zähne des bei der Webearbeit benutzten Rietblattes. Das Einstecken der Nadeln hängt unmittelbar mit der Gestaltung und Musterung des Spitzengrundes zusammen.

Die Spitzenklöppelmaschine von Malhère ahmt nun diese Thätigkeiten des Handklöpplers genau nach und geben die eben besprochenen schematischen Darstellungen zugleich ein deutliches Bild der Wirkungsweise dieser Maschine. Für eine Spitze aus n Fäden sind n drehbare Scheiben oder Teller erforderlich, welche in einer Geraden so angeordnet sind, daſs sich die Nachbarteller berühren. Jede dieser Scheiben enthält eine diametral laufende Furche, so daſs bei bestimmter Stellung der Scheiben die einzelnen Furchen an einander stoſsen und einen |281| einzigen Kanal darstellen, welcher über die ganze Scheibenreihe entlang läuft. Die n Fäden werden einer gleichen Zahl Spulen (Klöppel) entnommen, welche in den Scheibenfurchen gehalten und darin verschiebbar sind. Sind diese Spulen so vertheilt, daſs je zwei derselben auf einer Scheibe stehen, so erfolgt durch gleichzeitige Rotation dieser Scheiben die Bildung von ½ n zweifädigen Gezwirnen. Die Zahl und Reihenfolge der umlaufenden Scheiben kann beliebig geändert werden, demnach auch die Zahl und der Ort der gebildeten Gezwirne. Die Schränkung zweier Fäden oder nach Maſsgabe von Fig. 2 auch die Bildung von Geflechten, bezieh. Geweben, erfordert die Umstellung der Spulen und demgemäſs ihre Gruppirung zu neuen Paaren. Die Umstellung erfolgt mit Hilfe von Treibern, welche die Spulen einer Scheibe in die Furche der Nachbarscheibe überführen, wenn beide Furchen in eine Gerade fallen.5)

Die Bildung des Gewebes und Geflechtes ist dann folgende:

Textabbildung Bd. 240, S. 281
|282|

Durch passenden Wechsel in der Bildung ein- oder mehrfach gedrehter Gezwirne, Geflechte und Gewebe läſst sich hiermit jedes im voraus festgesetzte Muster erzeugen genau in gleicher Weise, wie dies der Handklöppler vollbringt. Sowohl die Drehung der Teller, als auch die Bewegung der Treiber zum geradlinigen Spulentransport über die Scheiben wird von Jacquardmaschinen vermittelt. Den Musterbrief ersetzt ein System beweglicher Nadeln, welche ebenfalls durch eine Jacquardmaschine bewegt und eingestellt werden. Jede Scheibe mit einem Klöppel, zwei zugehörigen Treibern und einer Nadel bilden ein Element der Maschine; eine Maschine zur Erzeugung einer Spitze aus n Fäden ist demnach aus n derartigen Elementen und drei Jacquardmaschinen zusammengesetzt.

Die specielle Construction eines dieser Elemente zeigen die Figuren 4 und 5 Taf. 23. Der kreisrunde Spulenteller T ist mit der in dem Gestell G drehbar gelagerten Achse a verbunden. Die in der Richtung eines Durchmessers des Tellers liegende Furche b von rechteckigem Querschnitt nimmt den Fuſs des Klöppels K auf. Im Mittelpunkt der Scheibe erhebt sich ein krückenförmiger Halter c; die Arme αβ desselben, welche parallel zu der Furche b gerichtet sind, treten in Bohrungen des Klöppelkörpers ein und verhindern das Abheben der Spulen von den Scheiben. Der Abstand dieser Arme von der Scheibenvorderfläche ist bei allen Elementen gleich, so daſs ein Klöppel auf jede Scheibe paſst. Die Klöppel sind rahmenartige Körper, in deren durchbrochenem Theil eine den Faden enthaltende Spule d gelagert ist. Den durch eine Oeffnung e des Bügels nach auſsen geleiteten Faden erhält eine im Innern der hohlen Spulentrommel angeordnete Spiralfeder f1 (Fig. 6), welche die Trommel mit der Drechachse g verbindet, stets nahezu gleich stark gespannt. Die Spulenachse g trägt ferner eine metallene Scheibe h, gegen deren Rand die Bremsfeder f2 drückt. Das Moment Rd2 der von der Bremsfeder am Scheibenrand erzeugten Reibung, welches die Drehung der Achse g zu hindern strebt, ist von solcher Gröſse, daſs die Abwickelung des Fadens im Anfang des Abzuges durch Drehung der Spulentrommel auf der Achse erfolgt und so lange währt, bis das Moment aus Federspannung S und Trommeldurchmesser d1, also Sd1 > Rd2 geworden ist. Bei dem Nachlassen des Fadens steht die Achse still und die Trommel, welche |283| in Folge der Federentlastung rückwärts umläuft, nimmt den zu viel abgerollten Faden wieder auf, so daſs ein Verwirren der Fäden verhindert ist. Das Einsetzen der Spule in den Rahmen des Klöppels ist durch die aufklappbare Rahmenwand ρ erleichtert.

Die Scheibenspindel a erhält die Drehung mittels einer Zahnkupplung, deren Theil i (Fig. 4) fest mit ihr verbunden ist. Gegen denselben wird der lose Theil k mittels der Schraubenfeder l angedrückt und hierdurch die Kupplung der Achse a mit den Schnurrollen m und n, welche mit k vereinigt sind, bewirkt. Auf der Rolle m ist die Litze J1 einer Jacquardplatine, auf n eine von der Feder F1 gezogene Schnur befestigt und aufgewickelt. Eine einmalige Erhebung der Jacquardplatine bewirkt eine halbe Drehung der Achse a und Scheibe T; die Feder F4 führt die Sperrkupplung h und die Jacquardplatine wieder in die Anfangslage zurück. Für die einfache Kreuzung der beiden Spulenfäden αβ ist daher eine einmalige, für die Erzeugung eines n mal gedrehten Zwirnes eine 2n malige Erhebung der Jacquardplatine erforderlich. Der Kupplungstheil i bildet in Verbindung mit dem Bügel o (Fig. 7) und den Federn p1, p2 zugleich eine Schaltung für die Sicherung der horizontalen Lage der Furche b während des Stillstandes der Scheibe.

Den Klöppeltransport zwischen den einzelnen Scheiben vermitteln die Treiber S1, S2 (Fig. 4 und 8). Dieselben sind paarweise zu den Scheiben angeordnet und werden von doppelt gekröpften horizontalen Achsen q gebildet, welche in der Vorderwand des Gestelles drehbar gelagert sind. Die vorderen Arme r1, wirken auf die Klöppel; an die hinteren Arme r2 sind die Litzen J2 eines zweiten Jacquardsystemes, sowie die Federn F2 angeschlossen. Letztere heben die Arme r1 über den Scheibenrand, so daſs die Scheibe frei rotiren kann; die Jacquardlitzen bewirken dagegen zu bestimmten Zeiten eine Schwingung der Arme r1 nach abwärts und damit die Ueberführung der Klöppel K1, K2 von der Scheibe T2 auf die Nachbarscheiben T1, T3 (Fig. 8). Das Zusammenwirken der Scheibendrehung (mittels des Drehjacquards) und des Verschiebens der Klöppel (mittels des Treibjacquards) ergeben eine Schränkung der betreffenden Spulenfäden, wie dies auch Fig. 9 erläutert. Die Anfangsstellungen der Klöppel auf den Scheiben I und III sind hier durch die Buchstaben a, b, c, d bezeichnet; die Fäden sind in α, β, γ, δ angeknüpft. Die Scheiben vollführen einen halben Umlauf, an dessen Ende die Klöppel die Stellungen a1, b1, c1, d1 einnehmen. Der Treibjacquard bewirkt das Uebertreten der Klöppel a1, d1 auf die mittlere Scheibe II in die Stellung a2, d2 und durch eine halbe Drehung dieser Scheibe, nach welcher die Klöppel die Stellungen a3, d3 erreichen, ist die Schränkung der Fäden erfolgt.

Zur Aufnahme und Festhaltung dieser Schränkung dient die Nadel N, welche parallel zur Achse der mittleren Scheibe verschiebbar ist. |284| Diese Nadel gehört, wie Fig. 4 zeigt, einem Arme s an, welcher an dem Schlitten u1 drehbar lagert. Die Feder v hebt die Nadel über die zwischen Spulen und Abzugs walzen W ausgespannten Fäden, während die Feder F3 mittels der über die Rollen w1, w2 geleiteten Schnur das Senken der Nadel anstrebt. In diese Schnur ist ein zweiter Schlitten u2 eingeschaltet, welcher auf dem Schlitten u1 gleitet und dessen Verschiebung durch den mit u1 verbundenen Zapfen z begrenzt ist. Von dem Schlitten u2 führt eine Schnur J3 über die Rollen w3, w4 nach dem Musterjacquard. Die Grenzlagen des Schlittens bestimmt der Schalthebel x und die Zapfen y1, y2. Anziehen der Schnur J3 durch Hebung der damit verbundenen Jacquardplatine führt die Nadel N oberhalb der Fäden gegen die Abzugswalzen in die gezeichnete Stellung. Bei dem Senken der Platine wird Schlitten u1 durch die Feder F3 nach links verschoben, während Schlitten u1 durch die Schaltung x, y1 gehalten ist. Auf dem Wege ζ z senkt die Schnur x1 die Nadel N unter die Fäden, der Nadelhebel s stöſst gegen den Schalthebel x und löst ihn aus, so daſs der Schlitten u1 an der ferneren Bewegung des Schlittens u2 theilnimmt, die Nadel unterhalb der Fäden in die Stellung N1 geführt wird und darin erhalten bleibt, bis eine neue Fadenschränkung durch die Nadel aufzunehmen ist. Hierbei bewirkt der Zug der Jacquardschnur J3 erst durch Relativbewegung der beiden Schlitten u1, u2 das Emporsteigen der Nadel über die Fadenebene und sodann durch gemeinsame Verschiebung beider Schlitten das Vorrücken der von der Nadel gefaſsten Schränkung gegen die Abzugswalzen W. Diese erhalten durch ein Gesperre eine schrittweise Drehung und nehmen die Spitze nach Maſsgabe ihrer Entstehung auf.

Die Gesammtanordnung der Maschine geben die Figuren 10 und 11 wieder. Der Gestellrahmen G bildet den Ausschnitt eines Hohlcylinders, dessen Achse vertical steht und die Abzugswalzen W schneidet. Die Scheibenspindeln a sind in radialer Richtung in demselben so gelagert, daſs die Vorderflächen der Teller T den Walzen zugekehrt sind, die gleichlangen Fäden also, strahlenförmig von der inneren Cylinderfläche ausgehend, nach diesen hin laufen. Unmittelbar vor den Abzugswalzen sind die Musternadeln N eingefügt und bewegen sich in radialer Richtung in der Verlängerung der Scheibenachsen a zwischen den Fäden. Sie sind so gruppirt, daſs ein Theil derselben die bereits fertigen Zellen des Spitzengrundes hält, während ein anderer neu gebildete Schränkungen der Fäden nach den Abzugswalzen hinführt, also das Nadelstecken des Handklöpplers ersetzt.

Um mehrere gleichartige Spitzen gleichzeitig auf der Maschine fertigen zu können, sind mehrere Scheibenreihen über einander angeordnet, von denen jede einen Spitzenstreifen liefert. Die in Verticalebenen über einander liegenden Elemente derselben werden von der Jacquardmaschine gleichzeitig bewegt, so daſs die entsprechenden |285| Klöppel der Einzelreihen jederzeit die gleichen Bewegungen ausführen und die Nadeln die entstehenden Fadenschränkungen in den einzelnen Spitzenstreifen gleichzeitig aufnehmen. Hinter dem Hauptgestell G liegt noch ein zweiter ringförmiger Gestellrahmen G1, welcher die Leitrollen w4 für die Zugschnüre des Musterjacquards trägt. J sind die Harnischschnuren der Dreh- und Treibjacquards.

Für die Erzeugung von Spitzen, deren Musterfiguren von starken Fäden umrahmt sind („Fadenlegen“ und „Hohlklöppeln“ der Handarbeit) werden die Teller in anderer Art angeordnet. Wie der Handklöppler die „Einlegeklöppel“, welche diese Contourfäden führen, bei der Bildung des Grundes absondert und sie nur zeitweise für die Musterbildung in Benutzung nimmt, so sind dieselben auch hier auſserhalb der thätigen Tellerreihe aufbewahrt und werden nur im Bedarfsfall eingeführt. Zu jedem Hauptteller T (Fig. 12) tritt ein unter ihm liegender Nebenteller t von gleicher Construction; diese Nebenteller stehen unter einander und mit den Haupttellern in Berührung. Jeder Nebenteller führt einen Klöppel, dessen Spule einen Einlegfaden enthält. Die Schaltung der Spindeln erlaubt stets nur eine Vierteldrehung der Teller beider Systeme. Das Einführen des Einlegfadens erfordert eine solche Einstellung der über einander liegenden Teller, daſs die Furchen beider in eine Gerade fallen und der Treiber des Nebentellers den Einlegeklöppel auf den Hauptteller zu heben vermag. Nach erfolgter Benutzung wird der Einlegeklöppel durch Rückführung auf den Nebenteller wieder ausgeschaltet. Die dichte Stellung beider Scheibenreihen erfordert eine Treiberconstruction, wie sie Fig. 13 zeigt. In dem Scheibenkörper sind zwei Klappen a1, a2 drehbar gelagert, welche durch Federn gegen die Krücke c gehalten werden und die Treiber bilden. Sie schieben den Klöppel aus der Scheibenfurche, sobald sie durch den Zug der Schnuren b1, b2, welche die hohle Spindel a durchdringen und nach Leitung über die Rollen r1, r2 mit ihnen verbunden sind, in die punktirte Lage übergeführt werden. Diese Ausführung der Treiber ist eleganter als die früher besprochene, ergibt jedoch eine schwierige Verknüpfung der Jacquardschnuren mit den Zugschnuren b1, b2.

Die Construction der Jacquardmaschinen ist von der in der Weberei üblichen nicht verschieden. Der Antrieb der Messer, welche die Platinenhebung bewirken, erfolgt durch eine in der Minute mit 30 bis 35 Touren umlaufende gekröpfte Welle. Bei dem geringen Hub, welchen namentlich die Platinen des Treibjacquards besitzen, ist der Antrieb durch Excenter vorzuziehen. Die genannte, von dem Berichterstatter des Technologiste an den Maschinen der Compagnie dentellière beobachtete Umlaufszahl der Antriebwelle soll nach Angabe desselben Referenten ohne Beeinträchtigung der Güte des Arbeitsproductes leicht auf das 3fache erhöht werden können. Die genaue Arbeitsleistung der Maschine wird vorzugsweise durch die richtige, sichere und stets |286| gleiche Uebertragung der Platinenbewegung auf die Werkzeuge bedingt. Diese aber wird durch möglichst geringe Dehnbarkeit der Harnischschnuren und Wahl eines wenig hygroskopischen Materials zu deren Herstellung gefördert. Darmsaiten, weiche biegsame Drähte, kleingliedrige Metallketten, wohl auch die gegenwärtig mehrfach für Kraftübertragungen empfohlenen Stahlschnuren von Jarolimek (1880 238 1) dürften daher hier zweckmäſsig angewendet werden.

Wenn auch die Erwartungen des französischen Berichterstatters bezüglich der Rentabilität der Maschine zu hoch erscheinen müssen, da sie sich auf Rechnungen stützen, die ziemlich hypothetischer Natur sind, so ist dieselbe doch im Allgemeinen wohl nicht zu bezweifeln, da die ganze Construction Arbeitserzeugnisse von einem hohen Grad der Vollkommenheit und demnach höheren Werth zu versprechen geeignet ist. Der Umstand, daſs die Maschine im Deutschen Reiche keinen Patentschutz genieſst, läſst es besonders den deutschen Fabrikanten günstig erscheinen, dem Gegenstand näher zu treten. Läſst auch der Betrieb derselben schwerlich eine Verzinsung des Anlagekapitals von 70 Proc. erwarten, wie sie der Berichterstatter herausrechnet, so dürfte doch ein den aufgewendeten Mühen und Kapitalien entsprechender Gewinn für den Unternehmer sicher sein. Andererseits gebührt der Erfindung aber auch die Beachtung derjenigen Kreise, denen die Sorge um das Wohl jener Bevölkerungsklassen zufällt, welche sich gegenwärtig durch Spitzenklöppeln mühsam und bescheiden ernähren. Hat die Handspitzenindustrie bereits schwer unter der Concurrenz englischer und französischer Maschinenspitzenfabrikation zu leiden, so erwächst ihr aus der Malhère'schen Maschine eine neue um so bedeutendere Concurrenz, als diese Maschine im Stande ist, die den bisher bekannten Maschinenspitzen eignen Unvollkommenheiten zu beseitigen und Fabrikate zu liefern, welche sich den Handerzeugnissen in Bezug auf Güte und Schönheit würdig an die Seite stellen, diese aber in Betreff der Wohlfeilheit wesentlich überragen dürften.

|275|

Vgl. des Verfassers Abhandlung: Zur Technologie der Handspitzen im Civilingenieur, 1880 Bd. 24 S. 31; sowie dessen Schrift: Technologische Studien im Sächsischen Erzgebirge. (Leipzig 1878. Wilhelm Engelmann.) Letztere gibt in dem Abschnitt „Die Spitzenindustrie“ eine durch zahlreiche Figuren unterstüzte Darstellung der Bindungsarten, welche bei den gegenwärtig in Sachsen angefertigten Spitzen Anwendung finden.

|278|

Vgl. W. Hedtmann und A. Henkels in Langerfeld (* D. R. P. Kl. 25 Nr. 1568 vom 18. November 1877).

|278|

Dem Erfinder Eugen Malhère in Paris wurden auf diese Maschine folgende Patente ertheilt: in Frankreich Nr. 93970 vom 23. Januar 1872 und Nr. 96873 vom 26. August 1872; in Belgien Nr. 30166 vom 4. März 1872 und Nr. 32744 vom 11. Juni 1873; in England Nr. 852 vom 20. März 1872 und Nr. 2121 vom 16. Juni 1873.

|279|

Vgl. Civilingenieur, 1878 Bd. 24 S. 37.

|281|

An dieser Stelle sei noch die Spitzenklöppelmaschine des Kaufmanns Louis Hohl in Annaberg erwähnt (Sächsisches Patent Nr. 1193 vom 8. September 1860). Dieselbe liefert als Arbeitsproduct ein Geflecht, welches die Grundbindung der Torchonspitze zeigt. Eine Anzahl kreisrunde, um verticale Achsen drehbare Scheiben oder Teller sind in zwei Reihen so angeordnet, daſs sie sich paarweise gegenüberstehen; neben den Endpaaren liegen zwei gröſsere, ebenfalls drehbare Scheiben. Zu jeder kleinen Scheibe und einer groſsen Endscheibe gehört ein Klöppelpaar, dessen Fäden bei Drehung der Scheibe gezwirnt werden. Diametrale Furchen der kleinen Scheiben und entsprechend angeordnete Furchen in der mit der Scheibenoberfläche in gleicher Ebene liegenden Grundplatte, welche die Nachbar Scheiben einer Reihe, sowie die beiden Reihen |282| verbinden, gestatten den von rotirenden Treibern vermittelten Transport der Klöppel über die ganze Scheibenreihe zum Zweck der Kreuzung der einzelnen Fadenpaare. Rotation der Scheiben und Rotation der Treiber wechseln ab und werden durch ganz und halb verzahnte Räder vermittelt, welche auf der Unterseite der Grundplatte gelagert sind. Den Weg der Klöppel in den Furchen bestimmen Weichen, welche durch Musterräder (Schneidräder) gestellt werden. Zur Aufnahme des Arbeitsproductes dient ein wandernder Klöppelbrief, eine über zwei Prismen geleitete Kartenkette, auf welcher die Kreuzungspunkte der Fäden durch Nadeln markirt sind. Schwingende Schläger, welche das Riet ersetzen, führen die Kreuzungen gegen diese Nadeln.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: