Titel: Neuerungen an Schwanzhämmern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240 (S. 428–430)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/ar240162

Neuerungen an Schwanzhämmern.

Patentklasse 49. Mit Abbildungen auf Tafel 34.

Bei sogen. Federschwanzhämmern erfolgt der Betrieb gewöhnlich in der Weise, daſs der Hammerstiel von einem Krummzapfen oder Excenter aus in Bewegung gesetzt wird mittels einer Zugstange, in welche eine Feder eingeschaltet wird, damit der Schlag des Hammers nicht auf den Bewegungsmechanismus übertragen wird. Gewöhnlich werden zu diesem Zwecke Blattfedern verwendet, welche jedoch zu wenig beweglich sind, um die bei Hämmern vorkommenden Stöſse, ohne baldigen Bruch zu ergeben, aushalten zu können; auſserdem sind die Bogen o. dgl., mit welchen die Zugstange den Hammerstiel faſst, sehr dem Verschleiſs unterworfen.

Bei dem in Fig. 22 bis 25 Taf. 34 dargestellten Hammer von Th. Kieserling und Albrecht in Solingen (* D. R. P. Nr. 9400 vom |429| 16. November 1879) ist nun der Hammerstiel a nicht in directe Verbindung mit der Zugstange gebracht, sondern in einen schwingenden festen Rahmen b so gelagert, daſs dieser Rahmen und die Hülse c dieselbe Schwingungsachse haben. Der Stiel a wird in den Rahmen b mittels vier Schrauben d gespannt, welche auf je eine kräftige Bufferfeder drücken, so daſs beim Auf- und Niederschwingen des Rahmens der Hammerstiel ruhig mitschwingt, bis die Tourenzahl so groſs wird, daſs die Centrifugalkraft des Hammerkopfes bei der Umkehr der Bewegung nach oben oder unten gröſser ist als die Spannung der Bufferfedern, so daſs der Hammer in beiden todten Punkten der Schwingung des Rahmens noch mit einem Druck in die Federn hinein weiter schwingt, wodurch bei der Schwingung nach unten der erforderliche Schlag erzeugt wird.

Der Schwingungsrahmen ist auf zwei festen, mit den Schrauben e auf und nieder verstellbaren, kugelförmigen Zapfen f gelagert, durch welche die Körnerschrauben g hindurchgehen, um welche die Hülse schwingt.

Ein ähnlicher Hammer ist schon von Amerika aus unter dem Namen Bradley's Hammer bekannt geworden1) welcher sich jedoch in einigen Punkten wesentlich von der vorliegenden Construction unterscheidet, und zwar sind: 1) statt der Bufferfedern Gummibuffer angewendet, welche jedoch sehr stark verschleiſsen und dadurch die Unterhaltungskosten des Hammers sehr erhöhen. 2) Ist der Stiel in dem Schwingungsrahmen mit nur drei Buffern eingelagert, während der vierte und zwar der vorderste obere Buffer an der Stirn der beiden Seitenständer befestigt ist, also nicht mitschwingt; hierdurch wird beim Aufgang des Hammers dieser in den vorderen oberen Buffer hineingeworfen, wodurch ein bedeutender Stoſs beim Arbeiten entsteht. 3) Hat die Hülse lange Zapfen, auf welchen der Schwingrahmen gelagert ist, so daſs also das Gewicht desselben mit in den Körnerschrauben ruht, welche die Hülse tragen, wie in Fig. 25 im Querschnitt angedeutet ist, wodurch häufiger Bruch dieser Schrauben entsteht. Vorgenannte drei Punkte sind wohl die Ursache, weshalb Bradley's Hammer (J. C. Butterfield's Patent) nur in vereinzelten Fällen Anwendung fand.

Auſser den beschriebenen Veränderungen hat der Erfinder noch eine Vorrichtung angebracht, um die Ganghöhe des Hammers während der Arbeit verstellen zu können. Es greift nämlich die Zugstange h den Schwingrahmen b an einer runden Stangen i an, auf welcher die Zugstange mit dem Handhebel k, den Hebeln l und der Stange m hin- und hergeschoben werden kann, so daſs die Zugstange den Rahmen weiter oder näher am Schwingungsmittelpunkte erfaſst.

Das Ausbreiten von Eisen und Stahl für verschiedene Gegenstände, z.B. Kuchenpfannen, Schaufeln, Kohlenlöffel, Sensen, Pflugscharen u. dgl., geschieht gewöhnlich unter Schwanzhämmern, welche mittels Daumen von einer schweren Holzachse eines Wasserrades in Thätigkeit gesetzt werden. In neuester Zeit hat man vielfach versucht, die schwere Hammerachse zu ersetzen, und hat die Art des Schmiedens |430| durch leichtere Hämmer, z.B. Federhämmer, vollführt. Diese Hämmer haben jedoch ihren Zweck nicht vollkommen erreicht, weil sie den durch die eigenthümliche Art des Breitens bedingten Anforderungen nicht vollständig genügten. Der Schlag des Hammers muſs nämlich kräftig ausgeführt werden und es darf dabei der Hammer doch die verhältniſsmäſsig dünne Eisenplatte nicht durchschlagen. Der Hammer darf beim Schlage nicht vibriren, damit der Hammerschmied im Stande ist, das Gebreite der Form entsprechend sicher zu führen. Auch darf der Hammer das Schmiedestück nicht festhalten, sondern muſs direct nach dem Aufschlag zurückgehen. Allen diesen Anforderungen soll nach praktischen Versuchen der in Fig. 26 Taf. 34 dargestellte Schwanzhammer von H. Ochs in Dahlerbrücke bei Schalksmühle (* D. R. P. Nr. 12302 vom 21. Mai 1880) genügen.

Auf einer durch Riemen zu betreibenden Achse befindet sich ein groſser Daumen d und an beiden Seiten desselben je ein kleiner Daumen c. Bei Drehung der Achse wird der Hebel b auf- und abbewegt, und zwar übt der groſse Daumen seine Wirkung nach oben und die beiden kleinen nach unten aus. Der Hebel hat eine solche Form, daſs die Daumen bei ihrer Einwirkung auf denselben sich nicht stören; das andere Ende des Hebels b, welches leicht gebogen ist, spielt in einer Oeffnung des Stoſsringes a, welcher unten auf einen durch einen Keil verstellbaren Stoſsblock e aufschlagen kann. Das andere Ende des sich mit der Hülse f in Spitzen drehenden Hammerhebels trägt den Hammer g, welcher auf dem Ambos h zu arbeiten bestimmt ist.

Die Wirkungsweise dieses Hebelhammers ist nun folgende. Der groſse Daumen d hebt sehr rasch das entsprechende Ende des Hebels b und wirft mit dem entgegengesetzten Ende desselben den Stoſsring kräftig gegen den Block e. Der Hammer prallt zurück und wird hierbei durch die beiden kleinen Daumen c unterstützt, so daſs er kräftig anschlägt. Einen Augenblick nach erfolgtem Schlage hebt der Hebel b den Hammer vom Ambos wieder ab.

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Vgl. Fr. Wencelides: Hilfsmaschinen und Werkzeuge für Eisen- und Metallbearbeitung (Bericht über die Weltausstellung in Philadelphia, 1876 S. 78).

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