Titel: Zur Behandlung von Brandwunden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 22 (S. 83–84)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi01_22

Zur Behandlung von Brandwunden.

Schlagende Wetter verursachen häufig sehr ausgedehnte Verbrennungen, weil die Explosion der Gase zwischen der Haut und den Kleidern stattfindet. Bei Pulverexplosionen finden wir die Körperfläche häufig mit Theilchen von Pulver und Kohle erfüllt, welche Entzündung und eitrige Ausscheidung verursachen, wenigstens an Gesicht und Händen. Für derartige schwere Verbrennungen hat Fueller (Zeitschrift des Oesterreichischen Apothekervereines, 1881 S. 45) folgendes Verfahren mit bestem Erfolg angewendet. Der Verletzte erhält sofort ein warmes Bad; dann wird die verbrannte Stelle und ihre Umgebung mit einer Lösung von Thymol in 1000 Th. Wasser gewaschen, worauf einige Minuten lang eine Thymolbesprühung folgt. Die etwa vorhandenen Blasen werden nicht berührt, sondern mit gröſster Sorgfalt behandelt. Die rohe Fläche wird mit Leinöl bestrichen, welches 1 Proc. Thymol enthält. Nun wird der Kranke auf eine Kautschukmatratze gelegt und die Temperatur des Zimmers angenehm warm gehalten. Theilchen von Kohle oder anderen fremden Körpern werden, wenn nicht zu winzig, natürlich gleich entfernt. Oft ist es sehr schwierig, den Verletzten so zu legen, daſs die verbrannten Stellen keinen Druck erleiden; oft muſs er Tage lang in sitzender Stellung mit einer Stütze für das Kinn erhalten, oft mittels breiter Leinwandstreifen unter Brust oder Unterleib in die Schwebe gebracht werden, je nach der Art seiner Verletzungen.

Die Anwendung des Thymols sollte anfangs alle 10 Minuten erfolgen und die Kranken verlangen es selbst, da es die Schmerzen ungemein lindert. Am besten eignen sich zur Auftragung breite, weichhaarige Malerpinsel. Zuerst wird das Oel ziemlich schnell absorbirt und, wenn dies geschehen ist, tritt ein sehr starkes Brennen ein. Sobald das Oel ganz absorbirt ist, muſs es von neuem aufgestrichen werden, weil es wichtig ist, daſs der Luftzutritt verhindert wird. In den ersten Tagen wird auch das Besprühen mit Thymol möglichst oft wiederholt, weil es die Schmerzen sehr lindert.

Wie schon erwähnt, bleiben die Blasen unberührt, so daſs die Cutis vor der Einwirkung der Luft oder vielmehr vor den in der Luft enthaltenen septischen Stoffen geschützt ist. Der Inhalt der Blasen wird allmählich absorbirt; sie ziehen sich zusammen, trocknen ein und fallen ab, während eine neue Epidermis sich bildet. Nur wenn das Serum trübe wird, öffnet man die |84| Blasen mit der Schere; doch ist dies meist erst 10 Tage nach dem Unfälle nöthig. Die anzuwendenden Scheren werden natürlich vorher desinficirt. Das Einschneiden geschieht unter Thymolbesprühung; gleich darauf wird das oben beschriebene Thymolöl aufgelegt. Die Ausscheidungen, mit Resten der Oberhaut und mit dem trocknenden Thymolleinöl bilden eine feuchte Kruste, welche sehr wirksam das Eindringen von Bacterien und sonstigen septischen, irritirenden Stoffen verhindert. Mit dem selteneren Aufstreichen des Oeles wird die Kruste trockener und nach ihrem Abfallen finden wir eine zarte, röthliche Haut, welche nicht als Narbe bezeichnet werden kann; denn sie hat eine glatte Oberfläche und ist völlig elastisch.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: