Titel: Ueber das Spence-Metall.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 9 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi01_9

Ueber das Spence-Metall.

Nach Versuchen von M. Glasenapp (Rigasche Industriezeitung, 1881 S. 19) hatte ein Stück des im Handel vorkommenden Spence-Metalles (1880 236 501) ein dunkel stahlgraues oder graphitfarbenes, dabei mattes Ansehen, zeigte namentlich auf der Oberfläche ein krystallinisch strahliges Gefüge mit Eisblumen ähnlichen Zeichnungen und schien auf der Bruchfläche dem unbewaffneten Auge vollkommen homogen. Die Analyse ergab folgende Zusammensetzung:

Schwefel 64,47
Eisen 26,68
Kupfer 0,59
Antimon Spuren
Sand und Silicate 5,79
Kohlesubstanz 1,92
––––––
99,45.

Die mikroskopische Prüfung ergab, daſs das angewendete Schwefelmetall Schwefelkies war, die Kohle erwies sich als Steinkohle. Demnach ist die Zusammensetzung des Spence-Metalles folgende:

Schwefel, frei 33,68
Schwefeleisen (FeS2)
Schwefelkupfer (CuS)
Schwefelantimon
57,17
0,89
Spur

Schwefelkies 58,06 Proc.
Sand und Silicate 5,79 Gangart von Schwefelkies
Steinkohle 1,92
–––––
99,45
|80|

Das specifische Gewicht des Spence-Metalles wurde zu 2,95, der Schmelzpunkt bei 111° gefunden. Letzterer stimmt somit genau mit dem des Schwefels überein, was übrigens, da der Pyrit beim Schmelzen eine Veränderung nicht erleidet, vorauszusehen war. Die graue Farbe der Mischung rührt von feinst in der Masse vertheiltem Pyrit her, entsprechend dem dunkelgrauen Strich desselben. Die Kohle ist wohl nur als zufälliger Bestandtheil zu betrachten.

Zur Herstellung dieses Gemisches schmilzt man somit 1 Th. Schwefel und rührt das feine Pulver von 2 Th. Schwefelkies ein. Es ist somit kein Metall, sondern eine jener schon lange bekannten Mischungen von Schwefel mit dem Pulver verschiedener Mineralien, welche ihrer groſsen Wohlfeilheit wegen an Stelle des reinen Schwefels für die genannten Verwendungen empfohlen worden sind und denselben auch gröſstentheils ersetzen können. Hierher gehört z.B. die Zeïodolithmasse, die aus 19 Th. Schwefel und 42 Th. Glaspulver, Sand, Granitpulver oder dem Pulver ähnlicher Mineralien hergestellt wird und auſser für sonstige Zwecke auch als Material zur Errichtung der Bleikammern für Schwefelsäurefabrikation empfohlen worden, aber für diesen Zweck nie zur Anwendung gelangt ist. Das in England erfundene Spence-Metall ist danach eine neue, indeſs durchaus nicht verbesserte Auflage des Zeïodolithes. Denn wenn auch der Schwefel die Pyrittheilchen einhüllt und sie dadurch einigermaſsen vor chemischen Veränderungen schützt, so sollte man doch für derartige Mischungen chemisch indifferentere Mineralien nehmen, als den unter dem Einfluſs der Atmosphärilien leicht zur Oxydation neigenden Schwefelkies, dem gegenüber der gewöhnliche Quarzsand entschieden den Vorzug verdient. Die Ausdehnung der Masse bei dem Erstarren ist einzig auf Rechnung des freien Schwefels zu setzen, da dieser jene Eigenschaft bekanntlich in bedeutendem Maſse besitzt. Der Schwefelkies spielt dabei keine nennenswerthe Rolle. Zur Aufbewahrung alkalischer Flüssigkeiten in mit Spence-Metall ausgekleideten Behältern kann trotz der Empfehlung der Erfinder nicht gerathen werden, da sich in diesem Falle unvermeidlich Alkalisulfide bilden würden; sauere Flüssigkeiten werden Eisen lösen.

Der Preis von 100k Spence-Metall von 32 M. ist verhältniſsmäſsig hoch.

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