Titel: Hydraulische Presse zum Ausbauchen von Blechen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 5 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi02_5

Hydraulische Presse zum Ausbauchen von Blechen.

Der Gebrauch der hydraulischen Presse an Stelle des Hammers wird für die Zwecke der Herstellung gebauchter Bleche, wie z.B. der Endstücke der Walzenkessel u. dgl. m., von französischen Ingenieuren sehr angerathen. |159| Trotzdem für jede neue Form eine neue Matrize erforderlich ist, soll sich die Verwendung der hydraulischen Presse bei der Herstellung einer gröſseren Anzahl von Blechen derselben Form nicht erheblich theurer gestalten, als die Herstellung jener Stücke mit Hand und Hammer kosten würde; dafür wäre aber der nicht zu unterschätzende Vortheil erzielt, daſs alle jene auf der Presse erzeugten Stücke von genau gleicher Form und Gröſse werden, was mit der Handarbeit wohl nicht zu erreichen ist. Geht ferner das Blechstück ohne Riſs oder sonstigen Bruchschaden unter der Matrize hervor, so hat man die sichere Gewiſsheit, daſs das benutzte Blech durchaus fehlerfrei ist, während man diese Sicherheit nach der Hammerarbeit selbst dann nicht hat, wenn das Blech äuſserlich das schönste Aussehen zeigt, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil beim Hämmern entstehende Risse durch die folgenden Schläge äuſserlich wieder verkeilt und infolge dessen unsichtbar werden. Bei der Verarbeitung der Bleche in der Presse jedoch wird sich jede Trennung des Zusammenhanges, jede übermäſsige Ausdehnung der Structur durch einen sichtbaren Riſs verrathen und kein Zweifel über die Güte des Bleches obwalten können.

In der Mannigfaltigkeit ihrer Verwendungsfähigkeit ist die Presse für Blechbearbeitung ziemlich unbeschränkt; sie vermag eine gröſsere Kraft als der Hammer auszuüben und sind manche Sachen mit dem Hammer nur mangelhaft, auf der Presse aber gut und leicht herstellbar. Versuche sind mit jeder Gattung von Blech bereits angestellt und sehr zufriedenstellend verlaufen 5 namentlich sollen die Versuche mit Stahlblech sehr befriedigt haben.

Im Anschluſs an die Maschinen, welche für genannte Zwecke von Piedboeuf (1871 200 * 349), Brown (1880 237 * 267) u.a. construirt sind, sei hier nach Armengaud's Publication industrielle, 1880 Bd. 26 * S. 120 die Presse von Mourraille und Comp. in Toulon beschrieben.

Diese Presse besteht aus zwei sehr starken horizontalen guſseisernen Querbalken, deren oberer die Matrize trägt und fest auf Seitenstützen gelagert ist, welche nur stark genug sein müssen, um den Apparat tragen zu können, da sie sonst in keiner Weise beansprucht werden. Der untere Querbalken ist beweglich und trägt die Patrize, auf welche auch das zu behandelnde Blech gelegt wird. Er wird an jedem Ende von der Kolbenstange je einer hydraulischen Presse gehalten, welche letztere auf dem oberen Querbalken senkrecht aufgeschraubt sind. Die Verbindung der Kolbenstangen mit den Enden des. unteren Querarmes wird in sicherer Weise mittels eines schmiedeisernen Schuhes und starken Schrauben hergestellt. Beide hydraulischen Preſscylinder sind durch ein Rohr verbunden, in welches das Leitungsrohr des Druckwassers einmündet, so daſs in beiden derselbe Druck herrscht und sie in gleichem Maſse wirken. Die Matrize ist mit dem oberen Querarm verschraubt, während die Patrize keiner Befestigung benöthigen soll, sondern nur in die richtige Lage zu schieben ist.

Die vorliegende Presse vermag einen Druck von 180k/qc auszuüben; die Kolbenfläche beträgt 254qc,47, die Fläche des Stempels 78qc,54. Unter der Annahme einer nutzbaren Oberfläche von 352qc für beide Kolben würde demnach unter Anrechnung von 180k/qc ein Druck von 63360k entstehen. Die Abrechnung der Reibung würde nach der Hick'schen Formel ergeben:

Für jeden Kolben = 0,7854 × 18 × 180 = 2520k
Für jeden Stempel = 0,7854 × 10 × 180 = 1413
––––––
Zusammen 3933k
––––––
Für beide Cylinder zusammen 7866k,

d. i. ungefähr eine Mächtigkeit von 55t; es ist also diese Presse für jede Kesselarbeit hinreichend kräftig genug. Die genannte Presse soll seit 7 Jahren in Thätigkeit sein, ohne daſs auſser der Erneuerung der Lederstulpen Ausbesserungen nöthig geworden wären.

Mg.

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