Titel: Ueber Ventile für Kolbenpumpen mit groſser Hubzahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 1 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi03_1

Ueber Ventile für Kolbenpumpen mit groſser Hubzahl.

Ein in der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1881 * S. 137 mitgetheilter Vortrag, welchen Professor C. Bach in Stuttgart abgehalten hat, befaſst sich mit der analytischen Untersuchung der Beschleunigung von Pumpenventilen beim Oeffnen und Schlieſsen und führt zu dem Schluſs, daſs die zum Heben eines Ventiles erforderliche Zeit um so kürzer ist, je kleiner die Sitzflache, die Hubhöhe und die Masse des Ventiles und je geringer der auf dem Ventil anfänglich lastende Federdruck ist. Das Schlieſsen der Ventile wird durch Federbelastung wesentlich begünstigt; die Minimalschlieſsungszeit, welche einem jeden Ventil bei gegebenem Hub entspricht, fällt für reine Gewichtsventile gröſser aus als für Gewichtsventile mit Federbelastung und für diese wieder gröſser als für reine Federventile.

Diese Schlüsse liefern für die Ventile von Kolbenpumpen mit groſser Hubzahl folgende Regeln: 1) Die Dichtungsfläche ist knapp zuhalten. 2) Die Hubhöhe ist möglichst klein zu wählen. 3) Die Ventilmasse ist möglichst zu vermindern und der fehlende Theil der das Abschlieſsen bewerkstelligenden Kraft durch Federn zu liefern, deren Elasticität ganz oder theilweise die Function der Schwerkraft des gewöhnlichen Gewichtsventiles übernimmt, ohne daſs sie die Trägheit als unerwünschte Zugabe in gleichem Maſse besitzen, Die Federspannung soll beim geschlossenen Ventil möglichst gering, in gehobener Stellung desselben genügend groſs sein.

Da sich die Masse des Ventiles für eine gewählte Ventilconstruction aus Festigkeitsrücksichten nicht unter einen gewissen Betrag vermindern läſst, so entspricht jedem Ventiltypus bei bestimmter Hubhöhe selbst bei Anordnung von Federn eine gewisse Maximalhubzahl. Einer ähnlichen Beschränkung unterliegt die Wahl der Gröſse der Sitzfläche. Im Uebrigen ist darauf zu achten, die Ventilanordnung so zu treffen, daſs die Rückströmung, nach deren Beginn der Ventilschluſs in der Regel erst stattfindet, so energisch als möglich auf das Schlieſsen des Ventiles hinwirkt.

Der allgemeinen Untersuchung hat Verfasser noch die besondere Beurtheilung einiger Ventilconstructionen beigefügt. Ein Tellerventil mit Gummiliderung kann danach in der Secunde gut 2 mal sich heben und senken. Die gebräuchlichen Gummiklappenventile gestatten noch anstandslos 4 Doppelhübe in der Secunde. Wird durch entsprechende Formgebung der Gummiklappen der Charakter dieser Ventile als Federventile constructiv besser durchgeführt, wie dies bei dem aus Versuchen des Berliner Branddirectors Major Witte hervorgegangenen Ventil der Fall ist, so kann das Ventil bei möglichst groſser Saugfähigkeit 8 Spiele in der Secunde ausführen. Dabei ist bemerkt, daſs bleibende Formänderungen der aus rothem Gummi hergestellten Klappen oder Einreiſsen |238| derselben bei einem Ueberdruck von etwa Hat eintraten, während etwas stärkere Ventilplatten aus grauem Gummi sich bis zu 16at als widerstandsfähig erwiesen. Auch das Field'sche Lippenventil ist für groſse Hubzahlen anwendbar; doch vermindert dasselbe als Saugventil die Saugfähigkeit der Pumpe durch den groſsen schädlichen Raum, welchen seine Unterbringung bedingt.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: