Titel: Ueber Aluminium-Palmitat und seine Anwendung in verschiedenen Industriezweigen; Ton Karl Lieber in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 27 (S. 243–244)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi03_27

Ueber Aluminium-Palmitat und seine Anwendung in verschiedenen Industriezweigen; Ton Karl Lieber in Berlin.

Das Aluminiumpalmitat, eine Verbindung von Thonerde und Palmitinsäure, ist ein Harz ähnlicher Körper mit bemerkenswerthen Eigenschaften, die ihn zu mannigfacher Anwendung in verschiedenen Industriezweigen befähigen. Es schmilzt erst bei höherer Temperatur als Dammar und Copalharz, löst sich leicht in Terpentinöl und Benzin auf und hat selbst bei einer Lösung von 1 Th. Palmitatharz und 5 Th. des Auflösungsmittels noch lackartig dickflüssige Consistenz, ist also sehr ausgiebig. Der so erhaltene Lack schlägt auf Papier nicht durch, wird niemals brüchig, sondern bleibt immer biegsam, trocknet dabei bald und bekommt erst einige Zeit nach dem Aufstreichen eine gewisse Klebkraft, die aber nach dem Trocknen wieder verschwindet. Der Lack hat einen schönen Seiden glänz und verträgt jeden Zusatz von Dammar |244| und Copal, wodurch er einen höheren Glanz erhält, den beiden letzteren dagegen die Eigenschaft benimmt, spröde und brüchig zu werden.

Das Aluminiumpalmitat dürfte für Tapetenfabriken, für Cattundruckereien bezieh. Cattunfabriken und Appreturanstalten, für Lackfabriken, für die Fabrikation von künstlichem Leder, von wasserdichten Zeugen u. dgl. von Wichtigkeit sein. In der Tapetenfabrikation eignet sich der aus dem Aluminiumpalmitat hergestellte Lack besonders durch seine hervorragende Eigenschaft, auf Papier nicht durchzuschlagen, zum Golddruck und zum Ueberziehen von imitirten und echten Ledertapeten, den ersteren den dem gepreſstem Leder eigenthümlichen Glanz verleihend und die letzteren in demselben erhaltend. Es gibt ferner einen vorzüglichen vegetabilischen Leim, der nicht verdirbt, vollkommen neutral ist und bleibt, somit keinen schädlichen Einfluſs auf die Farbentöne ausübt. Als solcher kann er mit Vortheil zur Herstellung von Velourtapeten dienen. Den Cattunfabriken u. dgl. liefert er eine Appretur, welche den Stoffen einen hohen Seidenglanz verleiht, der selbst durch öfteres Waschen nicht ganz verschwindet. Diese Appretur kann vermöge ihrer vollkommenen Neutralität und Indifferenz selbst bei den mit den heikelsten Farben bedruckten oder gefärbten Stoffen angewendet werden, ohne die Farben im geringsten zu beeinträchtigen.

Der Palmitatlack ist vom Wasser durchaus unangreifbar und kann eben deshalb und namentlich, da er vollkommen biegsam bleibt, mit Vortheil zur Darstellung von künstlichem Leder, gummiähnlichen Zeugstoffen und wasserdichten Zeugen Anwendung finden, wobei seine Eigenschaft, nach dem Trocknen vollkommen geruchlos zu sein, ganz besondere Beachtung verdient. Das Aluminiumpalmitat wird mit Berücksichtigung seiner

Verwendung in zwei Sorten dargestellt.

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