Titel: Betrieb von Trio-Walzwerken für die Blechfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 1 (S. 322–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi04_1

Betrieb von Trio-Walzwerken für die Blechfabrikation.

Die ersten Versuche, das Dreiwalzen-System für die Fabrikation von Eisenblech einzuführen, welche vor mehreren Jahren angestellt wurden, scheiterten vornehmlich daran, daſs der Verschleiſs der schwebenden Mittelwalze, welche nach der Construction von Lauth einen erheblich geringeren Durchmesser hat als die Ober- und Unterwalze, zu groſs war. Der Grund hierfür war hauptsächlich in der zerstörenden Wirkung der Schlacke auf dieselbe zu suchen, welche während des Walzens daran haftet und stets mit durchgewalzt wird, während die Mittelwalze entweder an der Ober-, oder an der Unterwalze fest anliegt. Durch Anbringen von zweckmäſsigen Abstreifvorrichtungen ist dieser Uebelstand beseitigt und wird das Trio jetzt vielfach sowohl zur Feinblech-, als Kesselblechfabrikation mit Erfolg angewendet, indem die Arbeit des Ueberhebens erleichtert und die Leistungsfähigkeit der Blechstraſse dadurch erhöht wird.

Für Eisen ist das System seit längerer Zeit in dem Eisenwerk Lauchhammer, für Stahl in den Kruppschen Werken in Essen in Betrieb und haben seitdem u.a. folgende Firmen dasselbe ausführen lassen: Fleitmann und Witte in Iserlohn für Nickelbleche, Lohmann und Söding in Witten und die Grafenberger Guſsstahlfabrik für Stahl, Geck und Schmidt in Plettenberg für Eisen.

Die Feinblechstraſse der Firma Krupp in Essen enthält ein Triogerüst, in welchem Ober- und Unterwalze 660mm und die Mittelwalze 380mm bei 1865mm Ballenlänge messen; die Zapfen haben 418 bezieh. 210mm Durchmesser. Die Stahlplatinen werden bis auf 13mm Stärke vorgewalzt, so daſs der Hub der schwebenden Mittelwalze und der darauf ruhenden Oberwalze nie mehr beträgt. In dieser Anordnung ist es nicht erforderlich, die Oberwalze anzukuppeln; es genügt vielmehr der Antrieb der Unterwalze. Der Stoſs durch das sogen. Springen der Walzen entsteht aber dann, sowohl wenn unten, als wenn oben eingesteckt wird, während derselbe nur beim unteren Einstecken eintritt, wenn die Oberwalze durch Gegengewichte stets gegen die Druckschraube angepreſst wird, in welchem Falle das Ankuppeln derselben indessen vorzuziehen ist. Bei der Herstellung von Feinblechen bis 1mm,5 Stärke macht die Maschine 60, bei 1mm 50, bei 0mm,75 40, unter 0mm,75 30 Umdrehungen in der Minute und werden in letzterem Falle 12 bis 14 Blätter auf einander gelegt. Die Dampfmaschine hat 940mm Cylinderdurchmesser und 1570mm Hub, das Schwungrad hat 8164mm Durchmesser; die Steuerung ist nach Corliſs-System eingerichtet und wird die Expansion durch einen Regulator eingestellt.

An der Grobblechstraſse ist ebenfalls ein Trio angebracht, dessen Hauptabmessungen folgende sind: Durchmesser der Ober- und Unterwalze 890mm, der Mittelwalze 445mm, Ballenlänge 3400mm. Das Trio wird mit 50 bis 60 Umdrehungen in der Minute betrieben. Die Oberwalze ist abbalancirt; es wird aber die Mittelwalze auf mechanische Weise vor jedem Stich gehoben oder gesenkt, so daſs der Stoſs nicht stärker ist als bei einem gewöhnlichen Zweiwalzwerk. Die Mittelwalze ist aus hartem Stahl hergestellt.

Die Feinblechstraſse der Grafenberger Guſsstahlfabrik besteht aus einem Vorwalzengerüst mit zwei Weichwalzen über einander von 1500mm Ballenlänge |323| und 550mm Durchmesser, einem Kammwalzengerüst und einem Lauth'schen Trio mit Walzen von 1250 Ballenlänge, 550mm Durchmesser der Ober- und Unterwalze und 280mm der Mittelwalze, welche aus naturhartem Guſsstahl besteht. An dem letzteren ist nur die Unterwalze gekuppelt und werden Mittel- und Oberwalze mitgeschleppt, während letztere durch Spiralfedern zum Theil abbalancirt ist. Sämmtliche Lager der Walzenzapfen sind mit seitlicher Keilstellung versehen, um ein genaues Richten derselben in senkrechter Richtung zu erleichtern; die Ständer haben prismatische Führung auf den Fundamentplatten.

Auch in Belgien und Frankreich hat das Lauth'sche Trio Eingang gefunden und befindet sich seit einiger Zeit in den Werken von Decazeville ein solches in Betrieb, welches folgende Verhältnisse hat: Die stehende Dampfmaschine hat 700mm Cylinderdurchmesser, 900mm Hub, ist mit Allen'scher Präcisionssteuerung und Condensation versehen und macht 50 bis 60 Touren in der Minute bei 3k Dampfspannung. Das Schwungrad hat 9m Durchmesser und 40000k Gewicht. Die Straſse enthält 1 Duo und 2 Trio, deren Walzen sämmtlich 600mm Durchmesser haben und deren Mittelwalze mittels Dampfdruck gehoben wird. Die Production beträgt für das Trio 10000k in 24 Stunden.

Es geht hieraus hervor, daſs das Trio auch für die Blechfabrikation sehr gut anwendbar ist, bei welcher man bestrebt ist, die Tourenzahl nach Möglichkeit zu erhöhen, so daſs alsdann andere Reversirsysteme weniger geeignet sind. (Wochenschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1881 S. 252.)

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