Titel: Platindruckverfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 18 (S. 405–406)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi05_18

Platindruckverfahren.

Nach einer Mittheilung im Photographischen Archiv, 1881 S. 2 wird gewöhnliches Zeichenpapier oder photographisches Rohpapier mit einem Ueberzug von Stärkekleister versehen und nach dem Trocknen auf einer Lösung von 100cc Wasser, 38 Kaliumplatinchlorid, 14g oxalsaures Eisen und soviel Oxalsäure, daſs das Eisensalz sich auflöst, schwimmen gelassen. Dieses Papier hält sich im trockenen Raum unbegrenzt lange und ist 3 mal so empfindlich wie gesilbertes Eiweiſspapier. Gekräftigt wird das Bild durch Schwimmenlassen auf einer Lösung von oxalsaurem Kali; dann wird der Abdruck in sehr verdünnter Salzsäure, schlieſslich in reinem Wasser gewaschen und getrocknet. Man erhält einen Abdruck in schwarzem, ins bläuliche spielenden Tone, ganz ohne Glanz, der bei Landschaften lebhaft an eine Radirung erinnert; die tiefsten Schatten sind reich sammtschwarz; die Lichter kommen äuſserst rein. Besonders eignet sich das Zeichenpapier zu Landschaften und Reproductionen, es liefert sehr kräftige und brillante Abdrücke; auch eignet es sich vortrefflich zur Ausführung in Kreide, Tusche oder Wasserfarben.

Das zugerichtete Papier ist von hellgelber Farbe; beim Bleichen wird es graubraun und schlieſslich schmutzig gelb. Diese letztere Färbung zeigt an, daſs das Eisensalz gänzlich reducirt ist und daſs das Licht nicht weiter wirkt. Beim Drucken von kräftigen Negativen kommt es vor, daſs die tiefsten Schatten des Abdruckes im Copirrahmen heller erscheinen als die Halbtöne. Sofort nach dem Belichten legt man den Druck in einen, Behälter, in welchem sich etwas trockenes Chlorcalcium befindet, um ihn bis zum Entwickeln trocken zu halten. Das Entwickeln nimmt man bei gedämpftem weiſsem Lichte vor und kann gleich nach dem Belichten oder Abends geschehen. Um zu entwickeln, gieſst man eine genügende Menge einer Lösung von 100g oxalsaurem Kalium in 400cc Wasser in eine Porzellanschale, so daſs sie mindestens 6mm tief in der Schale steht. Man erwärmt auf 70 bis 80° und läſst den Abdruck einige Secunden auf der Lösung schwimmen. Er nimmt sofort eine tiefschwarze Färbung an. Zu kurz belichtete Drucke lassen sich durch heiſsere Entwicklung noch retten, zu lange belichtete durch Anwendung geringerer Wärme. |406| Immerhin ist anzurathen, so zu belichten, daſs eine Wärme von etwa 70° ein gutes Resultat gibt; denn kalte Entwickler geben oft grieselige Töne.

Nach beendigter Entwicklung gieſst man die Lösung in eine Flasche. Wenn sich darin mit der Zeit grüne Krystalle bilden, so gieſst man die Lösung davon ab und setzt so viel frische Lösung von oxalsaurem Kali zu, daſs das anfängliche Volumen wieder da ist. Groſse Abzüge entwickelt man durch Ueberziehen über einen schmalen Trog, worin sich der Entwickler befindet. Nach dem Entwickeln dürfen die Abzüge nicht in Wasser gelegt werden. Man mischt 10cc Salzsäure mit 800cc Wasser und legt die Abzüge, Bildseite nach unten, in diese Mischung und hält sie hier einige Minuten in Bewegung; nach höchstens 10 Minuten taucht man sie in frische Salzsäuremischung. Dieses zweite Bad muſs farblos bleiben; sowie es sich im geringsten färbt, muſs man es durch frisches ersetzen. Die Salzsäure entfernt das Eisensalz aus den Abzügen. Nach dem Säurebade werden die Abzüge flott abgespült und eine halbe Stunde in mehrmals gewechseltem frischem Wasser gewaschen. Man trocknet die gewaschenen Abzüge zwischen Saugpapier oder, wenn man sie hängen will, über Glasröhren oder Glasstäben aufgehängt, weil hölzerne Stäbe oder Schnüre nicht so gut rein gehalten werden können.

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