Titel: Zur Kenntniſs des Weinöles.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 22 (S. 407)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi05_22

Zur Kenntniſs des Weinöles.

Bei der technischen Darstellung des Aethers bleibt der Kessel, worin die Ueberführung des Alkohols in Aether vorgenommen wird, 4 Wochen ununterbrochen in Thätigkeit, während welcher Zeit gegen 800k Alkohol verarbeitet werden. Wird dann zur Erneuerung der Schwefelsäure der Kessel geöffnet, so finden sich schwarze, theerartige Massen auf der Oberfläche der Flüssigkeit, anscheinend sehr hohe Condensationsproducte des Weinöles. Der Rohäther wird mit Kalkmilch von Schwefelsäure befreit und dann der fractionirten Destillation unterworfen. Nachdem Aether und Alkohol abdestillirt sind, wird von 90 bis 120° noch ein mit Wasser sehr verdünnter Alkohol aufgefangen und in Glasballons für die Entwässerung und weitere Verwendung aufbewahrt. In diesen Gefäſsen scheidet sich das Weinöl an der Oberfläche ab, da der geringe Alkoholgehalt der Flüssigkeit zur Lösung nicht mehr ausreicht. Die Mengen des auftretenden Oeles sind sehr verschieden und schwanken bedeutend, wohl je nach der Reinheit des angewendeten Alkohols, zwischen 2 und 4k.

Mit kaltem Wasser gewaschen und dann mit geschmolzenem Chlorcalcium getrocknet, bildet dieses Weinöl nach E. C. Hartwig (Journal für praktische Chemie, 1881 Bd. 23 S. 449) eine klare, gelblich gefärbte, etwas süſs riechende und neutral reagirende Flüssigkeit von 0,903 sp. G., welche durch Wasser und Alkalien nicht verändert wird und sich somit wesentlich von dem bis jetzt untersuchten Weinöl unterscheidet, welches durch Destillation von ätherschwefelsauren Salzen oder als Nebenproduct bei der Darstellung des Aethyläthers aus Alkohol und Schwefelsäure im Kleinen dargestellt wurde. Das Weinöl der Technik bildet ein Gemisch der verschiedenartigsten Verbindungen, namentlich Kohlenwasserstoffe, Aether und Ketone. Bestimmt konnten darin nachgewiesen werden: Diisoamilen, C10H20, Aethylamyläther, C7H16O, sowie Aethylamylketon und Methylexylketon.

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