Titel: Die Arsenikfütterung an Thieren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 14 (S. 469–470)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi06_14

Die Arsenikfütterung an Thieren.

Da neuerdings die Arsenikfütterung zum Zwecke der Mästung bei Ochsen und Hammeln wieder mehr von Landwirthen angewendet wird, so erinnert Ableitner in der Milchzeitung, 1881 S. 311 an die Arsenikesser in Gebirgen, welche diese Giftesserei Jahre lang treiben, ohne daſs gerade bei denselben, mit Ausnahme einer gewissen Heiserkeit, auffallende Störungen im Körper zu beobachten wären. Ebenso bekannt dürfte sein, daſs besonders in Oesterreich von den Fuhrleuten und Pferdeknechten pulverisirter Arsenik den Pferden und zwar in einer starken Prise auf den Hafer gestreut, oder aber in einem erbsengroſsen Stücke in Leinwand gebunden, und diese, wenn das Pferd aufgezäumt ist, an der Stange befestigt wird, wobei er sich durch den Speichel allmählich auflöst. Sie verschaffen dadurch den Pferden ein glänzendes, rundes und schönes Aussehen und das beliebte Schäumen, indem der Arsenik eine vermehrte Speichelabsonderung hervorruft.

Körte fütterte vom 1. Januar bei einer Kuh, mit 1g Arsenik täglich anfangend, bis zum 20. Juni und bis zu 4g täglich steigend, im Ganzen 506g,5. Die chemische Untersuchung ergab in 1k Muskelfleisch ungefähr 0mg,4 und in der Leber ⅓ dieser Menge Arsenigsäure, woraus er schloſs, daſs, da bis 5mg Arsenigsäure auf einmal gegeben werden dürfen der Genuſs von Fleisch |470| mit Arsenikbeigaben gefütterten Viehes in der gegebenen Weise nicht als schädlich betrachtet werden könne, daſs dagegen die Kälber von der zu genieſsenden Milch solcher Kühe vergiftet werden können. Hertwig in Berlin hat gefunden, daſs der weiſse Arsenik in alle thierischen Gebilde übergeht, und zwar je nach dem Verdauungszustande schneller, bereits in 8 Stunden, oder langsamer; die Ausscheidung desselben geschieht aber immer nur allmählich, so daſs er. z.B. 5 Tage nach der letzten Gabe noch in der Milch gefunden wurde und bei einem anderen Versuche sogar nach 21 Tagen noch nicht völlig aus dem Körper entfernt war. Der rein abgewaschene Darmkanal der zu Versuchen benutzten Schafe, Ziegen u.s.w. brachte bei Hunden Erbrechen, Durchfall hervor, Geflügel starb von 15 bis 30g genossenen Blutes aus jenen Thieren.

In physiologischer Beziehung wirkt der Arsenik durch Einschränkung des Oxydationsprocesses dahin, Stoffe im Körper zu ersparen, welche entweder für mechanische Leistungen, oder zum Ansatz benutzt werden können, und muſs diese Ersparung mit einer Verminderung der Wärmeproduction verbunden sein. Versuche, welche an Kaninchen, Hühnern, Tauben, Katzen u.s.w. ausgeführt wurden, ergaben das merkwürdige und mit bekannten Beobachtungen über Arsenikesser und mit Arsenik gefütterte Pferde übereinstimmende Resultat, daſs die Arsenigsäure, in sehr kleinen Gaben in den Kreislauf gebracht, eine bedeutende, 20 bis 40 Proc. betragende Verminderung des Stoffwechsels veranlaſst; dagegen haben grösſere Gaben dieses Giftstoffes eine Verlangsamung und Schwächung des Herzschlages zur Folge. Durch Einschränkung des Oxydationsprocesses und Hemmung des Stoffwechsels ist nun allerdings das Mittel gegeben, den Fleisch- und Fettansatz bezieh. die Mästung zu befördern. Jedermann wird diese Fütterung so lange als möglich fortsetzen wollen; denn je mehr die Thiere an scheinbarer Fülle, guten Mastungsgriffen und glänzenden Haaren zunehmen, desto üppiger ist ja die Arsenikfütterung angezeigt, ohne daſs man bedenkt, daſs dieses Gift noch Wochen lang nach dem Aufhören der letzten Gaben im thierischen Körper verweilt und weder durch Kochen, noch Braten der Fleischtheile vernichtet werden kann. Es muſs also die gröſste Vorsicht angewendet werden, jedenfalls aber, wenn man den Gebrauch des Arseniks nicht lieber ganz unterlassen will, nach dessen Anwendung eine längere Zeit verstreichen, ehe jene Thiere zur Schlachtbank und zur Milchnutzung verwendet werden dürfen. Einer besonderen Aufsicht sind in dieser Beziehung die Pferde zu unterwerfen, deren Fleisch heutzutage häufig genossen wird und bei denen der Arsenik nicht selten als Mittel, sie schnell fett zu machen, zur Anwendung kommt.

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