Titel: Ueber Girard-Turbinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 240/Miszelle 2 (S. 467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj240/mi240mi06_2

Ueber Girard-Turbinen.

J. C. Bernhard Lehmann in Erfurt wendet sich in der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1881 S. 257 gegen die Beurtheilung der Girardturbinen durch Prof. C. Fink (1880 238 176). Er erörtert ausführlich die Wirkungsweise des Wassers bei Turbinen „mit freier Abweichung“, welche sich dadurch kennzeichnet, daſs der Wasserstrahl nur an einer einzigen Seite durch eine feste Wand begrenzt ist, nämlich durch die Schaufel, an welcher er entlang gleitet, um seine lebendige Kraft abzugeben, im übrigen aber lediglich von Luft umhüllt ist, indem er auch seitlich nicht durch das Rad eingeengt wird und vielmehr seiner durch die Wirkung auf die Radschaufel bedingten Erbreiterung durch allmähliche Ausweitung des Rades gegen den Austritt hin Rechnung getragen ist. Die Folge dieser Wirkungsweise ist gegenüber den Turbinen mit gänzlich gefüllten Zellen eine verringerte Reibung des Wassers in der Zelle und die Unmöglichkeit, daſs die Fliehkraft auf das sich in einer Tangentialebene zum Rad bewegende Wasser wirken kann, weil dasselbe eben in keinerlei Weise durch das Rad mitgenommen werden kann. Dabei wird noch hervorgehoben, daſs in Anbetracht dieser Wirkungsweise nicht mit dem Zellenquerschnitt, sondern mit dem Strahl querschnitt zu rechnen ist, was namentlich bezüglich des Austrittsverlustes von Bedeutung ist. Dieser Verlust stellt sich nicht höher als bei anderen Turbinen, und weil die Widerstände im Rad geringer sind, so muſs der Gesammtwirkungsgrad ein günstigerer sein als der gewöhnlicher Actionsturbinen, deren wesentliche Vortheile im übrigen die Girardturbine theilt. Daſs die letztere keine Schwankungen des Unterwassers verträgt, soll eine vollständige Ausnutzung des Gefälles erreicht werden, bezeichnet Verfasser mit Recht nicht als einen principiellen Fehler, sondern lediglich als Ursache, daſs die Girardturbine nur beschränkte Anwendbarkeit habe, daſs sie eben auch keine Universalturbine sei.

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