Titel: Zur Kenntniſs des Cementes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241 (S. 301–309)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/ar241121

Zur Kenntniſs des Cementes.

(Schluſs des Berichtes Seite 199 dieses Bandes.)

Volumenveränderungen, welche sowohl Mörtel, als Bausteine durch die Einwirkung von Wasser und Luft erleiden. Nach C. Schumann wurden in der Fabrik von Dyckerhoff in Amöneburg der Verwendungsweise des Cementes entsprechend in erster Linie ein Cementsandmörtel, auſserdem aber auch der reine Cement geprüft, da bei letzterem die Unterschiede im Verhalten auffallender hervortreten. Die Resultate, welche beim Erhärten in Wasser erhalten wurden, sind in der Tabelle Seite 302 zusammengestellt. Alle Cemente, mit alleiniger Ausnahme des stark gypshaltigen Cementes 8c haben die Probe auf Volumenbeständigkeit nach den Normen vollkommen bestanden.

Nach der Tabelle dehnen sich alle Cemente ohne Ausnahme um ein geringes aus, wenn sie im Wasser erhärten, und zwar ist diese Ausdehnung am stärksten in der ersten Zeit der Erhärtung. Sie ist gröſser bei frischem Cement als bei abgelagertem, geringer bei feingemahlenem als bei grobem Cement. Sie wird gesteigert durch Zusatz von Gyps zum Cement, nimmt bei Sandzusatz entsprechend ab und beträgt z.B. bei einem Mörtel aus 1 Cement und 3 Sand durchschnittlich nur 25 Procent der Ausdehnung des reinen Cementes. Da die Ausdehnung zur Zeit der gröſsten Festigkeitsentwicklung am stärksten ist und sich ebenso wie die Festigkeitszunahme über eine längere Zeit erstreckt – wenn sie dann auch nur eine minimale ist –, da ferner alle Cemente die erwähnte Ausdehnung zeigen, so folgt daraus, daſs der Erhärtungsproceſs als eine Ursache derselben anzusehen ist. Es muſs hervorgehoben werden, daſs hier unter „Ausdehnung“ stets nur die äuſserst geringe, allen Cementen gemeinsame Zunahme des Volumens zu verstehen ist, die mit dem sogenannten „Treiben“ des Cementes nichts zu thun hat. Läſst man Cementproben abwechselnd in Wasser und Luft erhärten, so findet nach jedesmaligem Einlegen in Wasser eine

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Textabbildung Bd. 241, S. 302
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Ausdehnung, nach dem Verbringen aus Wasser in Luft eine Zusammenziehung statt und es läſst sich dieser Versuch mit gleichem Erfolg beliebig oft wiederholen. Dieses Verhalten tritt aber nicht nur bei frisch angefertigten Cementproben ein, sondern es läſst sich ebenso gut an Proben erkennen, welche schon Jahre lang erhärtet sind. Es bewirkt also auch das mechanische Eindringen des Wassers eine schwache Volumenvergröſserung und es ist wahrscheinlich, daſs hierbei eine moleculare Veränderung der verkitteten Substanz vor sich geht. Wie sich die Cementmörtel verhalten, wenn sie in einem feuchten Räume oder im Freien erhärten, darüber sind Versuche im Gange. Aus denselben läſst sich bis jetzt ersehen, daſs die Volumenveränderungen unter diesen Bedingungen noch geringer sind als bei den obigen Versuchen. Neuerdings ist die Untersuchung auf Volumenveränderungen auch auf andere Mörtel (aus Traſs, Kalk u. dgl.) ausgedehnt und es läſst sich bis jetzt aus den vorgenommenen Versuchen erkennen, daſs auch diese Mörtel ähnlichen Volumenveränderungen unterworfen sind wie Cementmörtel. Die Beobachtung, daſs Cementprismen, selbst wenn sie schon lange Zeit erhärtet sind, bei jeder Durchtränkung mit Wasser eine Zunahme und beim Liegen an der Luft eine Verminderung ihres Volumens erfahren, führte darauf, auch künstliche und natürliche Bausteine unter gleichen Verhältnissen wie Cementmörtel auf ihre Volumenbeständigkeit zu prüfen. Es wurden daher aus verschiedenen Steinsorten Prismen von obiger Gröſse geschnitten und diese ebenfalls dem abwechselnden Einfluſs von Wasser und Luft ausgesetzt. Gleichzeitig wurden die Gewichte der trockenen und der in Wasser gelegten (äuſserlich abgetrockneten) Steinprismen bestimmt, um dadurch ein Bild von der Dichtigkeit und Porosität der Steine zu erlangen. Die Tabelle S. 304 zeigt die erhaltenen Resultate.

Man ist im Allgemeinen gewöhnt, die Bausteine für ganz volumbeständig anzusehen. Aus den Zahlen der Tabelle ersieht man aber, daſs alle untersuchten Steinsorten, wenn sie in Wasser gelegt wurden, sich mehr oder weniger ausgedehnt und bei darauf folgendem Trocknen an der Luft sich wieder zusammengezogen haben. Es kommt hierbei mehrfach vor, daſs die Prismen unter das zuerst festgestellte Volumen zurückgehen. Dies hat offenbar darin seinen Grund, daſs die Prismen bei der ersten Messung noch nicht den Grad der Trockenheit besaſsen, welchen sie später nach 2 wöchentlichem Liegen an der Luft erreichten. Die beobachteten Volumenveränderungen sind nicht nur bei verschiedenen Steinsorten, sondern auch bei Steinen von derselben Art ziemlich verschieden. Bei einigen Steinsorten sind sie ganz gering, bei einigen anderen beträchtlich gröſser und zum Theil nicht unwesentlich stärker als bei Cementmörtel. Die verschiedenen Sandsteinsorten zeigen unter sich eine gewisse Regelmäſsigkeit. Es nehmen nämlich die Volumenschwankungen ab, je poröser der Stein ist und der dichteste Sandstein

|304|


Nr.


Bezeichnung der Steine
Gewicht eines
Prismas

Wasser-
auf-
nahme

g
2 Wochen
im Wasser
dehnt aus
(+)

mm
2 Wochen
an der Luft
schwindet
(–)

mm


Bemerkungen

Trocken

g
2 Wochen
im Wasser
gelegen
g
1
2
3
4
Ziegelstein, leicht gebrannt, roth.
Desgl., scharf gebrannt, weiſs
Desgl., „ „ „
Desgl., sehr hart gebrannt, schwarz (Oldbg. Klink.)


84,20
111,60


96,70
115,40


12,50
3,80
+ 0,016
+ 0,010
+ 0,019
+ 0,006
– 0,015
– 0,009
– 0,010
– 0,008
Die Steine Nr. 1 u. 2 waren
löchering. Es ist deshalb
die Angabe der Gewichte,
weil nicht maſsgebend,
unterblieben.
5
6
7
8
9
Sandstein, rother, Pfälzer, feinkörnig
Desgl., „ „ grobkörnig
Desgl., grüner, feinkörnig
Desgl., rother, feinkörnig, von Miltenberg a. M.
Desgl., „ sehr feinkg. „ „ „
104,83
107,03
107,11
116,60
123,00
115,43
115,25
115,37
120,85
126,90
10,60
8,22
8,26
4,25
3,90
+ 0,006
+ 0,016
+ 0,046
+ 0,050
+ 0,206
– 0,018
– 0,023
– 0,055
– 0,050
– 0,178
10
11
12
13
Kalkstein, weiſser poröser, Lothringer
Desgl., Lothringer Lias
Desgl., Litorinellenkalk von Bieberich
Desgl., dichter thonhalt. „ „
92,15
110,78
123,95
127,72
103,40
118,83
127,70
130,55
11,25
8,05
3,75
2,83
+ 0,004
+ 0,007
+ 0,011
+ 0,026
– 0,008
– 0,008
– 0,009
– 0,026
Vorzugsweise zu Orna-
menten benutzt.
14
15
16
17
18
Granit
Basalt von Kirn a. d. Nahe
Desgl. „ Oberbrechen bei Limburg a. L.
Desgl. „ Steinheim bei Hanau
Desgl. „ Naurod bei Wiesbaden
130,73
135,65
145,04
149,30
155,13
131,48
135,90
145,25
149,78
155,34
0,75
0,35
0,21
0,48
0,21
+ 0,006
+ 0,041
+ 0,026
+ 0,048
+ 0,023
– 0,015
– 0,050
– 0,027
– 0,050
– 0,027
|305|

Nr. 9 zeigt demgemäſs die stärkste Ausdehnung im Wasser und die stärkste Zusammenziehung an der Luft. Dieselbe Regelmäſsigkeit läſst sich auch bei den untersuchten Kalksteinsorten unter sich erkennen. Eine besonders auffallende Erscheinung zeigten zwei der untersuchten Basalte Nr. 15 und 17, welche gleichzeitig eine verhältniſsmäſsig starke Ausdehnung aufweisen. Dieselben lieſsen nämlich beim Abtrocknen an der Luft deutlich netzartige Zeichnungen (Haarrisse) erkennen, welche vor dem Einlegen in Wasser noch nicht beobachtet worden waren (vgl. Wagner's Jahresbericht, 1880 S. 508).

Erwähnenswerth ist ferner noch, daſs nach mehr als 2wöchentlichem Verbleiben im Wasser bei keiner der geprüften Steinsorten eine weitere Zunahme des Volumens stattfand und daſs die Volumenschwankungen bei denselben Steinprismen wiederholt hervorgebracht wurden. Vergleicht man die Ausdehnung der Steine mit derjenigen von Cementsandmörtel in Tabelle S. 302 – reiner Cement kommt nicht in Betracht, da derselbe in der Praxis keine Verwendung findet – so ergibt sich, daſs mehrere der untersuchten Steine im Wasser sich stärker ausgedehnt haben, als Mörtel aus 1 Cement und 3 Sand. Der Sandstein Nr. 9 weist sogar eine 6mal gröſsere Ausdehnung auf, als im Durchschnitt bei Cementsandmörteln von normaler Beschaffenheit selbst nach einjähriger Erhärtung im Wasser gefunden wurde. Im Allgemeinen sind jedoch die Volumen Veränderungen der Steine sowohl, als diejenigen des Mörtels so gering, daſs dieselben für die Praxis kaum in Betracht kommen.

Schiffner bemerkt, daſs er sowohl in Bezug auf reinen Cement, als auch für solchen mit Sandmischung die Mittheilungen von Schumann bestätigen könne, und fragt an, ob bei längerer Austrocknung an der Luft die Cementkörper ein geringeres Volumen zeigen als ursprünglich kurz nach der Anfertigung. Schumann erwiedert, daſs ein Zurückgehen unter das anfänglich gemessene Volumen stattfände. Der Fall werde aber praktisch nicht oft vorkommen, da vorschriftlich der Cement immer naſs gearbeitet werden soll.

Ueber das Verhalten von Cementbeton, wenn er dauernd höheren Wärmegraden bis zu 250° ausgesetzt ist. Nach Mittheilungen von Feege handelte es sich um die Ausführung eines Gewölbes über einem Raum, welcher einer Durchschnittstemperatur von 130 bis 150° ausgesetzt werden sollte. Der Raum hatte eine Länge von 12m bei 5m Spannung des Gewölbes. Probesteine, welche längere Zeit gleicher Temperatur ausgesetzt waren, zeigten, daſs der Mörtel die einmal erlangte Festigkeit nicht wieder verlor, wenn er dauernd einer Temperatur von 130 bis 150° ausgesetzt wurde. Nach Fertigstellung des Gewölbes wurden von dem dabei verwendeten Cemente eine Reihe Probesteine nach den Normen angefertigt, welche theils denselben Temperaturwechsel |306| mitmachten, theils im Wasser wie gewöhnlich erhärteten. Es ergab sich danach folgendes Resultat:

a) 1 Tag an der Luft,
dann in Wasser
b) 14 Tage an der Luft,
dann in Luft von 150°
Nach 4 Wochen 20,43k 14,09k
12 24,35 15,20.

Die Steine b, 1 Tag vorher bei 250° erhitzt, zogen nur 13,20 gegen 15k,20; dagegen geglüht bis auf etwa 600° wurden dieselben völlig mürbe, so daſs man sie zerreiben konnte. Diese mürben Steine, ins Wasser gelegt, erhielten nach weiteren 8 Wochen wiederum eine Festigkeit von 20k,15, während zu gleicher Zeit Reihe a = 28k,00, Reihe b = 14k,42 erwiesen. Bei einem Alter von 52 Wochen trug Reihe a = 30k,17 und b 15k,10. Mörtel unter Wasser gehalten nimmt daher stetig an Festigkeit zu, hört aber mit der Zunahme auf, sowie er heiſser Temperatur bis zu 150° ausgesetzt wird. Es geht daraus aber auch hervor, daſs derselbe bei dieser Temperatur die einmal erreichte Festigkeit behält. Für die Praxis erweist sich, daſs man Betongewölbe, ohne ihre Tragfähigkeit zu beeinträchtigen, einer Wärme von 130 bis 150° aussetzen darf, daſs man sie aber vorher diejenige Festigkeit erreichen lassen muſs, welche sie dann im Gebrauche rechnungsmäſsig erweisen müssen. Mit 150° scheint die Grenze zuträglicher Wärme erreicht zu sein. Bei höherem Temperaturgrade verliert der Mörtel seine Festigkeit und zum Glühen gebracht, wird er völlig mürbe.

Prüſsing hat vorzugsweise das Verhalten von Probesteinen gegen feuchte Wärme untersucht. Proben, welche in einem Dampfkessel bei 5at und 147° Wärme 3 Wochen lang gelegen haben, zeigten, verglichen mit gewöhnlichen Mörtelproben, eine gröſsere Festigkeit. Bei anderen Steinen, die einer Hitze von 250° nur einen Tag ausgesetzt waren, zeigte sich eine erhebliche Abnahme. Ein Stein, welcher nach 28 Tagen bei einer Mischung von 1 : 3 eine Festigkeit von 23k,85 zeigte, hatte, nachdem er einer Temperatur von 225° ausgesetzt war, nur 15k,15. Ein Mörtel von 1 : 10, welcher im ersten Falle 8k,2 zeigte, war nach 10 Stunden auf 3k,6 zurückgegangen, ein Mörtel von 1 : 20, welcher nach 28 Tagen 3k,10 hatte, ging beim Anspannen entzwei. Nach Frühling verhalten sich die Cemente, welche im Trockenproceſs hergestellt werden, anders als die mittels des Schlämmprocesses erzielten. Er hat Cemente beobachtet, welche, nachdem sie 5 bis 6 Stunden der Rothglühhitze ausgesetzt waren, doch noch immer eine Festigkeit von 6 bis 7k behielten, während andere Cemente, welche aus trockenem Material hergestellt wurden, zerfielen.

Ist es zu empfehlen, Cement bei der Mörtelbereitung dem Gewichte nach zuzusetzen? Nach Schumann ist es nicht wegzuleugnen, daſs die Prüfungsresultate keinen Werth haben, wenn man aus den Festigkeitszahlen |307| nicht wenigstens einen verhältniſsmäſsigen Schluſs auf die in der Praxis zu erzielende Festigkeit ziehen kann. Letzteres wird man aber nicht können., wenn man bei der Prüfung den Cement nach Gewicht beurtheilt, bei der Verwendung aber ihn nach Maſstheilen verbraucht. Denn da erfahrungsgemäſs das Hectolitergewicht des Cementes um so gröſser wird, je schärfer der Cement gebrannt und je gröber er gemahlen ist, und daher Schwankungen im Gewicht zwischen 110 und 150k vorkommen, so kann der bei der Prüfung gefundene Vorzug des feineren und voluminöseren Cementes in der Praxis hinfällig werden, in so fern man von demselben, wenn man ihn abmiſst, ein geringeres Gewicht anwendet als von dem gröberen Cement. Richtige und in Folge dessen ökonomische Verwendung des Cementes kann nur dann statthaben, wenn man den Cement dem Gewicht nach zum Mörtel zusetzt. Daſs man mit der Wage an der Baustelle arbeiten soll, ist selbstredend ausgeschlossen. Das Arbeiten nach Gewicht läſst sich aber auf ganz einfache Weise erreichen, wenn man die Hectolitergewichte der gebräuchlichsten übrigen Mörtelmaterialien in Betracht zieht und danach den Zusatz des Cementes einrichtet.

1hl nasser Sand, wie er gewöhnlich zu Maurerarbeiten verwendet wird, wiegt durchschnittlich 140k, 1hl Kalkteig ebenfalls 140k. Nimmt man nun auch das Gewicht von 1hl Cement zu 140k an, dann ist 1 Tonne Cement zu 170k netto = 121l und 1 Sack zu 60k = 43l. Wenn man nun für die groſse Praxis annimmt, es sei ein für allemal in jeder Tonne 121l und in jedem Sack 43l Cement hineingemessen worden, und wenn man diesen Volumenverhältnissen entsprechend bei der Mörtelbereitung Sand hinzumiſst, ohne also den Cement von Neuem auszumessen, so erspart man also nicht allein beim Cement die Arbeit des Abmessens, sondern man umgeht auch die damit verbundenen Ungenauigkeiten und erreicht auf diese Weise, daſs Maſs und Gewicht sich decken.

G. Dyckerhoff bemerkt, daſs alle Cemente, ob fein oder grob gemahlen, leicht oder scharf gebrannt, ein und dieselbe Mörtelausbeute ergeben, wenn man nur immer dasselbe Gewicht Cement anwendet, obgleich die Volumen verschieden sind. Es wäre aus praktischen Gründen zweckmäſsig, den Cement in einer solchen Packung zu versenden, daſs deren Gewicht zugleich als ein bestimmtes Maſs angesehen werden kann. Welches Gewicht für 1hl Cement angenommen wird, ist für die Cementindustrie gleichgültig. Doch wird sich das Gewicht von 140k am meisten empfehlen.

Das Betoniren mit Cementmörtel unter Wasser. Nach H. Delbrück ist es bekannt, daſs noch häufig genug der Beton frei ins Wasser geworfen wird und daſs man besonders in früheren Jahren, wo Doch weniger Erfahrungen vorlagen, oft Vorwürfe bekam, es seien dem Cement |308| fremde Stoffe beigemischt, die als feiner Schlamm ausgebaggert werden müſsten. Diese Schlammbildung entsteht nicht nur durch eine Entmischung des Betons, sondern namentlich dadurch, daſs die feineren Cementtheile langsamer im Wasser zu Boden sinken als die übrigen Bestandtheile des Betons und zwar in Folge des gröſseren Reibungswiderstandes und um so langsamer, je feiner der Cement gemahlen ist. Alsdann lagern unten grobe Steine, darüber der grobe Sand, dann der feine Sand, dann der grobe Cement und schlieſslich der feine Cement. Diese grobe Art des Betonirens wird wohl selten jetzt noch in groſsem Maſsstabe angewendet; man schüttet jetzt in Kästen und in neuester Zeit durch Röhren. Oft genug sind aber alle diese Vorsichtsmaſsregeln noch nicht genügend, weil sie diese verschiedene Ablagerung nicht verhindern und weil der Cement, wenn er im Uebermaſs mit dem Wasser in Berührung kommt, seine Bindekraft völlig verliert. Diesen Versuch kann man machen, wenn man selbst schweren gebrannten Cement in einem Becherglas mit viel Wasser schüttelt. Die Bindekraft ist völlig verloren, das Pulver hat selbst nach ½ Jahr keinen Zusammenhang. Beim Beton findet wohl eine gewisse Erhärtung statt, weil die oberen Lagen die unteren zusammendrücken, aber immer nur sehr unvollkommen. Um nun zu zeigen, eine wie hohe Entwerthung des Baumaterials bei unvorsichtigem Betoniren stattfinden kann, wurde eine Reihe Versuche in kleinem Maſsstabe gemacht. Die erste Probe aus 1 Th. Cement und 3 Th. Sand, in einem Glase geschüttelt und absetzen gelassen, zeigte nach 2 Monaten eine auſserordentlich geringe Erhärtung. Eine andere Probe von einem Mörtel, welcher lose ins Wasser geschüttet wurde und durch 30cm Fallhöhe sich langsam ablagerte, hatte eine so geringe Festigkeit bekommen, daſs es nicht möglich war, sie unversehrt fortzuschaffen. Es wurde versucht, ob es nicht möglich sei, das Uebel dadurch zu vermindern, daſs man den ausgegossenen Mörtel stampfte; die Erhärtung war aber ebenfalls eine ganz mangelhafte. Auch die mit einem Klappenkasten ausgeschüttete Probe zeigte eine ungenügende Erhärtung. Die Proben mit fein gemahlenem Cement sind noch etwas besser ausgefallen als mit gröber gemahlenem. Bei der Verwendung eines schnell bindenden Cementes von einer Bindezeit von 1 Stunde hat sich ganz gegen Erwarten das allerschlechteste Resultat ergeben. Wenn man dicke Lagen von Cement über einander hat, die nach der Seite nicht ausweichen können und dann Druck bekommen, so wird vielleicht die Festigkeit nach Jahren ziemlich groſs werden; aber in der That findet doch eine kolossale Verschwendung an Baumaterial statt. Es sollte daher aufs Aengstlichste vermieden werden, Beton frei durchs Wasser zu werfen; man sollte, wenn irgend möglich, die Baugrube trocken legen, und, wenn dies nicht angänglich, wenigstens durch Röhren, die auf den Grund gestellt werden, den Beton einführen. |309| Auch die Betonirung mit Hilfe von Säcken, welche auf einander gepackt durch einen Taucher geordnet wurden, hat ihre Uebelstände.

Büsing hat Gelegenheit gehabt, sehr groſse Betonirungen auszuführen, und kann versichern, daſs gegen die Trockenbetonirung eine groſse Abneigung herrscht. Bei den Docksbauten in Wilhelmshafen hat eine Trockenbetonirung stattgefunden, dabei ist der Boden in einem Dock gebrochen. Die Schäden hat man nachher auf die Trockenbetonirung geschoben und wahrscheinlich ist jener Umstand auch die Veranlassung gewesen, daſs in Kiel, wo man recht gut mit geringeren Kosten dieselbe hätte ausführen können, doch die nasse Betonirung vorgeschrieben wurde. Die Betonirung in Kiel ist ausgezeichnet ausgefallen, die Trichter waren auf Wagen gestellt, die Ausschüttung geschah mit sehr geringem Fall. Bei den meisten Arbeiten wendet man Eimer an und dieses Verfahren gilt unter Bautechnikern als ein recht gutes. Beim Schleusenbau in Wilhelmshafen ist mit Eimern betonirt worden. Die Arbeit ist aber so schlecht ausgefallen, daſs, als man anfangen wollte zu mauern, gar kein Mörtel zu finden war. Delbrück hat gehört, daſs gerade beim Kieler Dock eine ganz kolossale Masse von nicht vollständig erhärtetem Schlamm ausgepumpt worden ist. Das ist doch weiter nichts als Cement gewesen und dieser ausgeschiedene Cement ist dem Mörtel entzogen. Dyckerhoff bestätigt ebenfalls, daſs nasse Betonirung vielfach vorgezogen wird, weil sie in vielen Fällen auch billiger auszuführen ist als das Spundwandschlagen und das Trockenhalten der Baugrube, wobei noch die Gefahr des andringenden Quellwassers zu gewärtigen ist. Die Uferbauten in Mainz sind mit Röhren ausgeführt, welche auf Schlitten hin und her fuhren und so Kasten um Kasten füllten. Die Betonirung hat sich ausgezeichnet bewährt.

Prüſsing ist der Meinung, daſs Beton nicht ganz frisch verarbeitet werden sollte; man muſs immer langsam bindenden Cement wählen und ihm Zeit lassen, etwas anzuziehen. Nach A. Bernoully scheinen in der groſsen Praxis sich die Verhältnisse doch anders zu gestalten wie bei den kleinen Proben; denn sonst wären doch so groſsartige Bauten mit Beton nicht ausgeführt, wie sie thatsächlich bestehen. Er hat Schleusensohlen gesehen, welche ganz vorzüglich hart und wasserdicht waren; diese wären doch eine einfache Unmöglichkeit, wenn die Versuche von Delbrück den Vorgängen im Groſsen entsprächen. Nach G. Dyckerhoff hat man in England eine Betonirungsmethode angewendet, welche darin besteht, daſs groſse Kasten mit Säcken oben zugenäht wurden. Er wollte bei Uferbauten ähnlich verfahren, der Inhalt der 60k-Säcke war aber selbst nach 3 Monaten unter Wasser nicht erhärtet. Durch Liegenlassen an der Luft erhärtete die Masse nachher vollständig. Es ist dies nicht anders zu erklären, als daſs der Cement und Sand im Wasser förmlich suspendirt blieben.

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