Titel: R. Weber, über den Anlaſs zu Explosionen von Petroleum u. dgl.
Autor: Weber, Rud.
Fundstelle: 1881, Band 241 (S. 383–393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/ar241144

Ueber Anlaſs zu Explosionen von Petroleum und anderen brennbaren Flüssigkeiten; von Professor Dr. Rud. Weber in Berlin.

(Schluſs der Abhandlung S. 277 dieses Bandes.)

Verhalten des Leuchtpetroleums.

Den vorstehend beschriebenen analoge Erscheinungen treten auch bei dem wesentlich schwerer flüchtigen Leuchtpetroleum auf, indem auch hier sowohl die Bildung gefahrvoller, als auch solcher Dunstgemische statt hat, welche nicht allein durch einen Mangel, sondern auch durch einen Ueberschuſs an Oeldampf gefahrlos sind. Ich habe mich bestrebt, diesen aus dem Gebrauch der Oele entspringenden, Gefahrzustände bedingenden Momenten näher zu treten.

Die Leuchtöle lassen sich in zwei Gruppen theilen, nämlich in die gewöhnlichen, die Masseneinfuhr bildenden Oele, welche oft schon bei Luftwärme entzündliche Dämpfe emaniren, und in solche, bei welchen derartige Dünste erst bei stärkerer Erwärmung sich entbinden. Zu letzleren gehört das als Kaiseröl bekannte inländische Fabrikat, sowie das von Amerika eingeführte sogenannte Astralöl. Diese Oele sind sehr complexe variable Gemische von Kohlenwasserstoffen, den höheren Gliedern der Gruppe CnH2n+2 angehörend. Ein ungefähres Bild ihrer Zusammensetzung gewährt die fractionirte Destillation, wobei man die Theile nach den Temperaturen ihres Ueberdestillirens klassificirt. Solche Versuche sind vielfach ausgeführt worden. Beim Fractioniren einer als „Metropolitan“ mit dem Schiff Shakespeare eingeführten Marke (Versuchsmenge 300g) erhielt ich folgendes Resultat: Beginn des deutlichen Siedens 120°; es gingen über zwischen:

120 bis 155° 2,5 Proc.
bei 155 200 21,5
bei 200 250 19,0
bei 250 300 27,7
von 300 etwa 360° 2,1
Höher siedende Restbestände 27,2

Das Restöl war sehr dick und es schieden sich daraus beim Erkalten namhafte Mengen von Paraffin ab. Das zuerst übergegangene Destillat war dünnflüssig, leicht entzündlich und hatte einen der Naphta ähnlichen Geruch.

Derartige Versuche geben indessen nur ein ungefähres Bild der Zusammensetzung, indem die schwerer flüchtigen Oele die leichtflüchtigen derart beeinflussen, daſs sie schwieriger, als wenn sie unvermischt wären, übergehen, und auch die schweren Oele beim Siedepunkt der leichteren partiell abdunsten. Dazu kommt, daſs, wie den Oelraffineuren sehr bekannt, die Oele beim Destilliren sich verändern, d.h. in leichte und schwere sich spalten.

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Die beigemischten leichten Oele haben den Zweck, den Verbrennungsvorgang der schweren zu erleichtern, und sind um deswillen in dem mit einem gröſseren Bestände hochsiedender Producte behafteten Leuchtöle nicht wohl entbehrlich. Dies ist ein höchst wesentliches Moment; denn es läſst den sehr nahe liegenden Vorschlag als praktisch unbrauchbar zurückweisen, derartigen Oelgemischen durch einfaches Erhitzen, Abblasen mit Dampf, jene leichten bezieh. gefahrbringenden Bestandtheile zu entziehen. Solche bis auf einen gewissen Grad abgeblasenen Brennöle pflegen nämlich nicht mehr oder doch nur sehr schlecht zu brennen.

Darauf beruhen die Ursachen der Klagen über die schlechte Beschaffenheit des vor einigen Jahren aus Amerika eingeführten Petroleums, welches aus dem in den nördlichen Oeldistricten (Bradford) gewonnenen Rohöl bereitet war und von dem durch theilweise Erschöpfung der Rohölquellen der älteren südlichen Districte (Parkers Landing) sich dadurch unterscheidet, daſs diese Rohöle im Vergleiche zu den älteren wesentlich gröſsere Mengen schwererer Kohlenwasserstoffe enthalten, deren Verwendung ja doch angestrebt werden muſs.

Der einerseits gröſsere, andererseits geringere Gehalt der Leuchtöle an diesen leichtflüchtigen Bestandtheilen bedingt den verschiedenen Gefahrzustand derselben.

Die zweite Gruppe der Leuchtöle (Kaiseröl, Astralöl) besteht im Wesentlichen aus Oelen mittleren Flüchtigkeitsgrades und enthält erheblich geringere Mengen von den leichter verdampfenden Oelen.

Ein sehr wichtiger Umstand ist es nun, daſs die naphtaartigen Oele an ihrer Verflüchtigung durch das Uebermaſs der schweren sehr behindert werden; hierüber liegen Beobachtungen von Chandler und sehr sorgfältige Ermittelungen von Weise in Köln (vgl. Polytechnisches Centralblatt, 1871 S. 378) vor.

Die gröſsere oder geringere Neigung zur Emanation gefahrbringender Dünste kündigt sich durch die Temperatur an, bei welcher die entflammbaren Dämpfe daraus sich entwickeln. Dieser Temperaturgrad wird mit dem Namen Flashing-point des Oeles bezeichnet. Die Kenntniſs desselben ist wichtiger als die des sogen. Burning-point, d.h. der Wärmegrad, auf den das Oel gebracht werden muſs, damit es selbst ohne Docht, wie z.B. Spiritus, brennt; denn durch die Emanation der Dünste wird ja die Explosionsgefahr bedingt. Am unmittelbarsten wird dieser Punkt mittels des von Abel construirten, in England gesetzlich eingeführten Apparates gefunden, der direct denjenigen Wärmegrad bekundet, bei welchem das in einem dicht verschlossenen Gefäſse enthaltene Oel die ersten entzündbaren Dunstspuren entwickelt, sobald dasselbe durch ein die Temperatur langsam steigerndes Wasser-Luftbad einen bestimmten Wärmegrad angenommen hat. Andere in neuerer Zeit construirte Apparate geben diesen Punkt nicht direct, so |385| z.B. der Bernstein'sche, bei welchem erst das weiter fortgeschrittene Stadium der Dampfbildung dadurch, daſs eine Dochtflamme entzündet wird, den Maſsstab bildet. (Vgl. Uebersicht 1881 240 * 129).

Die bei Versuchen mit Abel's Apparat sich ergebenden ersten Spuren entzündbarer Dämpfe sind nun an sich noch nicht gefahrbringend und schlieſst ein Oel, auf diese angezeigte Temperatur erwärmt, im praktischen Gebrauch noch keine Gefahrmomente in sich. Die Gefahren treten erst bei stärkerer Erhitzung des Oeles ein. Ich habe mich bestrebt, dieses für den praktischen Gebrauch der Oele, wie ich glaube, ganz besonders wichtige Moment durch eine Reihe directer nämlich derart angestellter Versuche zu ermitteln, daſs ich Oele von verschiedenem Flashing-point (Abel-test), in verschlossenen Gläsern enthalten, solchen Wärmegraden aussetzte, welche wohl noch vorkommen können, und nun sowohl die Entzündbarkeit (durch eine Zündflamme), wie vor allen Dingen auch ihre Explosionskraft prüfte. Letztere Bestimmung ist um deswillen besonders wichtig, weil bei den Lampen die Entzündung in mehr oder weniger geschlossenen Behältern (Bassins) stattfindet und die Explosionskraft die gröſsere oder geringere Gefahr bedingt.

Für die Versuche wurden in Gläser von etwa 350cc Inhalt je 20cc Oel gebracht und die (durch etwas Quecksilber beschwerten) geschlossenen Flaschen im Wasserbade zwischen 25 und 50° 20 Minuten hindurch erwärmt. Es tauchten dieselben bis zum Hals unter Wasser und wurden inzwischen wiederholt behufs Erleichterung der Dunstbildung umgeschwenkt. Dieselben waren theils mit durchlochten, während der Erhitzung durch kleinere Pfropfen abgedichteten Korken, theils mit solchen Pfropfen versehen, in denen elektrische Entladungsdrähte sich befanden. Den für diese Untersuchung benutzten Abel'schen, in England gefertigten und dort geeichten Apparat verdanke ich der Firma W. A. Riedemann in Geestemünde.

Das Ergebniſs der Versuche erhellt aus der tabellarischen Zusammenstellung auf S. 386.

Diese Versuchsresultate ergeben, daſs aus den Oelen von 14, 15, 17, 19° Abel-test bei den in Zimmern leicht stattfindenden Temperaturen von 25 bis 30° wohl Dampfmengen sich bilden können, deren Entzündung Detonationsgefahr nach sich zieht. – Bei höherer Temperatur (40 bis 45°), wie solche wohl an der Decke stark geheizter Räume eintreten kann, insbesondere bei noch intensiverer Erwärmung tritt eine starke, die Gefahr nunmehr ausschlieſsende Dunstbildung ein, welche in der Tabelle als Uebersättigung bezeichnet ist.

Bei Oelen von 22 bis 29° Abel-test hat die Dampfbildung noch bei 25° nicht wohl einen gefährlichen Charakter; allmählich steigert sich der Effect und sehr stark werden bei 40° die Detonationswirkungen der Oele von 22 bis 26° Abel-test. Erst bei 50° tritt dann abschwächende

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Reaction der 20 Minuten lang im Wasserbade erwärmten Oele. (Inhalt der Gläser 350cc, Oelvolumen 20cc.)

Textabbildung Bd. 241, S. 386
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Uebersättigung ein. Das Kaiseröl entwickelt selbst bei Temperaturen bis 40° keine gefährlichen Dampfgemische. In auſsergewöhnlichen Temperaturen (45 bis 50°) kommen dann aber stark reagirende Dunstgebilde zum Vorschein.

Die vorliegenden Zahlen lassen ferner erkennen, wie mit dem ersten Beginne der Dampfbildung (Abel-test) bei steigender Temperatur der in der Dunstbildung beruhende Gefahrzustand sich allmählich entwickelt, dann aber in Folge der Uebersättigung wieder abnimmt. Im groſsen und ganzen geben die Oele, wenn sie etwa 10° über ihren Abel-test erhitzt sind, Anlaſs zur Bildung gefahrbringender Dämpfe. Demnach erscheint es kaum gerechtfertigt, den Temperaturgrad der ersten Dampfentwicklung als das unmittelbare Kriterium stattfindender Gefährlichkeit zu erachten; dieser Gefahrpunkt liegt vielmehr um etwa 10° höher als der Punkt jener ersten Dunstbildung.

Um nach Darlegung der Verhältnisse der Oele nunmehr der Frage nach den Vorgängen bei den Lampen näher zu treten, so handelt es sich zunächst um das hochwichtige Moment, wie kommt daselbst das Dunstgemisch zu Stande? – Ein wesentliches Resultat dieser Untersuchung ist es, daſs hierbei der Brenner die Hauptrolle spielt und daſs eine sehr wichtige Quelle der Dunstbildung in dem mit Oel genäſsten Dochte beruht, welcher, von gröſserer oder kleinerer Oberfläche, direct durch den Brennerkopf an seinem oberen Theile erhitzt wird. Um diese Verhältnisse zahlenmäſsig festzustellen, wurden die Kugeln kleiner Thermometer zunächst in einem Abstand von etwa 10mm vom Brennerboden dicht an dem Docht anliegend befestigt und die Dochttemperatur nun nach einstündigem Brennen abgelesen. Ferner wurde durch Heraufschieben des Thermometers die Metalltemperatur des Brenners ermittelt. Dabei ergab sich denn nun, wie zu erwarten, eine groſse Verschiedenheit: Es zeigte sich, daſs bei guten Brennern, die sich auch von auſsen kalt anfühlten, bei einer Lufttemperatur von etwa 24° die Dochtwärme auf etwa 35°, in einem Falle bis 32° sich bezifferte, daſs sie aber auch, so insbesondere bei den stark heiſs brennenden, vielleicht etwas verbogenen Flachbrennern, bis gegen 50, ja selbst 60° betrug. – Die Metalltemperatur war weniger sicher zu ermitteln und lag vielfach 10 bis 15° über der des Dochtes.

Es wurde versucht, den Brenner durch theilweisen Verschluſs der Luftöffnungen, durch falsche Stellung des Cylinders zum Heiſsbrennen zu bringen, und nun entwickelten sich in den unter gleichen Verhältnissen sonst befindlichen Oelbehältern stark reagirende Dunstgemische, welche bei kalt brennenden Brennern sich nicht zeigten, wie dies directe Gegenversuche bewiesen.

Hiernach ist die Bedeutsamkeit der niederen Temperatur der Brenner sehr zu betonen und werden hierin Fehler gemacht, so geben |388| selbst gute Oele zu Gefahrzuständen unter ungünstigen Verhältnissen Anlaſs. Es tritt die Beschaffenheit des Oeles erst dann schützend auf, wenn diese Oele den Charakter der zweiten Gruppe, der sehr schwer flüchtigen, besitzen.

Ein ferneres sehr wichtiges Moment beruht in der Temperatur der Luft, worin die Lampe brennt, und zwar nicht sowohl lediglich darin, daſs die Dampfbildung des Oeles im Bassin dadurch begünstigt, sondern daſs die durch den erwärmten Docht gebildeten Dünste an ihrer Condensation gehindert werden. Kühlt man nämlich von oben die Lampenbassins ab, so erkennt man oft deutlich die Condensationströpfchen der Oeldünste.

Um nun nach diesen Erörterungen ein der Praxis entsprechendes Bild hinsichtlich des Zusammenwirkens dieser einzelnen Momente (Beschaffenheit des Oeles, Temperatur der Luft, Einfluſs des Brenners) zu gewinnen, wurden direct mit Lampen die nachstehend beschriebenen Versuchsreihen angestellt. Zu diesem Zwecke waren die Lampen mit Rundbrennern (14 Linien) und mit doppelten Vasenringen versehen, so daſs eine Oeffnung (sonst zum Oeleinguſs bestimmt) zur Einführung einer Zündflamme in das Bassin sich herstellen lieſs, und zwar war diese Oeffnung genügend groſs, um die Gefahr des Zertrümmerns der Gefäſse zu verhindern. Bei den Versuchen waren die Temperaturen der umgebenden Luft solche, wie sie im praktischen Leben vorkommen. Folgende tabellarische Zusammenstellung (S. 389 und 390) ergibt die gewonnenen Resultate.

Der Charakter der Erscheinungen, welcher beim Erwärmen der Oele in Gläsern unter Anwendung des Wasserbades hervortrat, kommt hier in so fern wieder zur Geltung, als leichte Oele von 15 bis 19° Abel-test schon bei den niederen Lufttemperaturen (20 bis 24°) in den Lampenbassins recht heftig reagirende Oeldünste erzeugen. Die Explosionsfähigkeit dürfte hier sogar um deswillen noch etwas höher als bei der entsprechenden Temperatur im Wasserbade erscheinen, indem die dampfbildende Wirkung der Brenner den Effect erhöht.

Oele über 21 bis 24° Abel-test geben bei den niederen Lufttemperaturen (20°) zwar milder auftretende Reactionen; allein bei gesteigerter Wärme, schon bei 23 bis 24°, mehr noch bei 30°, ist die Reaction jedoch sehr und zwar so heftig, daſs die Flamme der Versuchslampe erlosch. Dies trat selbst noch bei den immerhin hochgradigen Oelen von 26° Abel-test in 30 bis 31° Lufttemperatur ein. In höheren Temperaturen, denen Hängelampen in heiſsen Wohn – und Versammlungsräumen wohl ausgesetzt sind, erfolgt eine die Ungefährlichkeit bedingende Uebersättigung. Auch in heiſsen Klimaten mag letzterer Umstand bei der notorisch dort öfter vorkommenden Anwendung leichter Oele Explosionen abwenden.

Bei den schwerer flüchtigen Oelen, deren Repräsentant hier das

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Versuche angestellt mit Stobwasser'schen Rundbrenner-Lampen (14 Linien). Brennzeit 2 Stunden.

Art der Oele Mischöl Mischöl Berliner
Petroleum
Mischöl Petroleum von
englischem Test
Mischöl Kaiseröl
Abel-Test 15° 17° 19° 21,5° 23,5° 26° 33,5°
1. Reihe. Temperatur der umgebenden Luft 14°. Die Lampen standen auf dem Fuſsboden.
Oeltemperaturen im Bassin der Lampen
17°
Heftiger Flash;
Lampe verlöscht
16,5°
Deutlicher Flash
17°
Sehr leiser Flash
17°
Kein Flash
17°
Kein Flash
17°
Kein Flash
17°
Kein Flash
Das Flashen in den Lampen von 15, 17, 19° Abel-test beweist hier, daſs die Dünste anderwärts als vom Oel im Bassin (jedenfalls
vom Dochte) emanirt werden.
2. Reihe. Temperatur der umgebenden Luft 20°. Die Lampen standen 1m,1 hoch vom Fuſsboden ab.
Oeltemperaturen im Bassin der Lampen
22,5°
Sehr stark. Flash;
Lampe verlöscht
22,5°
Starker Flash;
Lampe verlöscht
22°
Heftiger Flash
22°
Starker Flash
22°
Deutlicher
Flash
22°
Schwacher
Flash
22°
Kein Flash
Anmerkung wie in 1. Reihe.
3. Reihe. Temperatur der umgebenden Luft 23 bis 24°. Die Lampen standen 1m,1 vom Fuſsboden ab.
Oeltemperaturen im Bassin der Lampen
25,5°
Sehr heftiger
Flash; Flamme
verlöscht
24,5°
Recht starker
Flash; Flamme
verlöscht
25°
Starker Flash;
Flamme ver-
löscht
24,5°
Starker Flash;
Flamme ver-
löscht
24°

Immerhin
starker Flash
25°

Deutlicher Flash
25°

Kein Flasch
Anmerkung wie oben.
4. Reihe. Temperatur der umgebenden Luft 30 bis 31°. Die Lampen standen 2m vom Fuſsboden ab.
Oeltemperaturen im Bassin der Lampen
33°
Flash; Flamme
brannte weiter;
deutliche Ueber-
sättigung
31°
Heftiger Flash;
Flamme brannte
weiter; beginn.
Uebersättigung
32°

Sehr heftiger
Flasch; Flamme
verlöscht
31°

Heftiger Flasch;
Flamme ver-
löscht
32°

Heftiger Flasch;
Flamme ver-
löscht
31°

Starker Flasch;
Flamme ver-
löscht
31°

Flasch
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Art der Oele Mischöl Mischöl Berliner
Petroleum
Mischöl Petroleum von
englischem Test
Mischöl Kaiseröl
Abel-test 15° 17° 19° 21,5° 23,5° 26° 33,5°
5. Reihe. Temperatur der umgebenden Luft 38 bis 40°. Die Lampen standen der Decke nahe 2m,5 vom Fuſsboden.
Oeltemperaturen im Bassin der Lampen
43°
Absolute Ueber-
sättig.; Flamme
zuckte bei der
Zündung nicht
42,5°
Völlige Ueber-
sättigung;
Flamme blieb
brennen
42,5°
Völlige Ueber-
sättigung;
Flamme blieb
brennen
41°
Vollkommene
Uebersättigung;
Flamme blieb
brennen
42°
Starker Flash;
Zeichen
beginnender
Uebersättigung
42°
Sehr heftiger
Flash; Flamme
verlöscht
42°

Heftiger Flash.
Die Dochttemperatur bezifferte sich bei 24° Luftwärme auf 35 bis 36°.

Andere Reihen unter Benutzung obiger Brenner

Art der Oele Berliner Petroleum Echt englisches
Petroleum
Mischöl Kaiseröl
Abel-test 19° 23° 29° 33,5°
1. Reihe. Temperatur der umgebenden Luft 20 bis 21°. Die Lampen standen 1m,1 vom Fuſsboden
Heftiger Flasch Deutlicher Flash Kaum Spuren
von Flash
Kein Flash
2. Reihe. Temperatur der umgebenden Luft 26 bis 27°. Die Lampen standen 2m vom Fuſsboden ab.
Das Oel zeigte nach 2stündiger Brennzeit nahezu 29° in den Bassins.
Sehr heftiger
Flasch
Heftiger, zischender
Flash
Schwacher Flash Hauch.
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Kaiseröl war, trat schon in recht warmer Lufttemperatur, bis 30° hinaufreichend, noch keine bedenkliche Dunstbildung ein; dagegen zeigen sich bei ungewöhnlich hohen Wärmegraden (38 bis 50°) gefahrbringende Dunstgemische.

Es geht hieraus hervor, daſs eine starke Erwärmung der Lampen, wie es bei Küchenlampen nur zu oft geschieht, wenn solche auf den Ofen oder den heiſsen Herd gesetzt werden, selbst dann noch gefahrbringend ist, wenn sie mit den besten Oelen gespeist sind.

Nachdem im Vorstehenden die Bedingungen für die Bildung gefährlicher Dampfgemische erörtert sind, treten wir nun der Frage näher: wie kommt es zu deren Entzündung und welche Sicherheitsvorrichtungen sind anzuwenden?

Die Entzündung der Bassindämpfe kann naturgemäſs nur durch die Flamme erfolgen und kann nur dann stattfinden, wenn eine dazu geeignete Communication, d.h. eine Verbindung vom Oelbassin zur Flamme, vorhanden ist. – Diese Communication ist nun aber durch die oft weiten Oeffnungen im Brennerboden gegeben, durch welche das vom Docht her absickernde Oel ins Bassin zurücktropfen soll. Diese Oeffnungen haben zuweilen mehrere Millimeter in ihrer Abmessung und sind dann wohl geeignet, die Rückzündung der dem Bassin entsteigenden Dämpfe zu ermöglichen. Wenn man nun einerseits die Sorglosigkeit, mit der diese groſsen Verbindungsöffnungen angesehen werden, in Betracht zieht und dabei doch an die immerhin kleine Zahl von Unglücksfällen, verursacht durch Rückentzündung, denkt, so muſs man anerkennen, daſs glücklicherweise ein Zusammentreffen vieler ungünstiger Umstände dazu gehört, damit die wohl recht oft im Bassin vorhandenen gefahrvollen Dünste zur Entzündung gelangen. – Gefahrbringende Momente der Art sind nun das Heraustreiben jener Dämpfe durch Eingieſsen frischen Petroleums, das Herabdrücken der Flamme durch Ausblasen sowie durch starkes Bewegen der Lampe. Sehr gefährlich kann auch das Putzen brennender Lampen werden, indem leicht durch jene Oeffnungen in das Bassin gelangende, brennende Dochtschnuppen dort eine Entzündung der Gase herbeiführen. Zur Unterstützung dieser Ansicht, daſs weite Oeffnungen im Brennerboden gefahrbringend sind, sei bemerkt, daſs mir Brenner explodirter Lampen vorlagen, bei denen jene Oeffnung sehr weit war. In einem Falle fand die Explosion durch Ausblasen, im anderen jedenfalls durch Zugwind statt. – Es ist daher Pflicht der Lampenfabrikanten, diesen Umstand in Betracht zu ziehen, und es sind jetzt auch Brenner ausgeführt worden, bei denen durch entsprechende Abdichtung, durch Anbringung hydraulischer Verschlüsse1), durch Verkleinerung der Gefäſse, |392| aus denen unmittelbar der Docht das Oel aufsaugt (z.B. Schiebelampen mit Oelkästen, Moderateurlampen), diesem wichtigen, die Gefahr sehr wesentlich abmindernden Momente Rechnung getragen worden ist.

Gefahrvolle Verbindungskanäle bilden sich, wenn die Dochte die Hülsen nicht vollständig erfüllen, so daſs schlotartige Oeffnungen zwischen dem Flammenrande und dem Dampfraume des Bassin vorhanden sind. Solche Kanäle führen die Dünste der Flamme noch näher als die Oeffnungen im Brennerboden. Eine durch die Kölner Zeitung gegangene Mittheilung warnt unter Anführung von Explosionsbeobachtungen vor diesen Gefahren, welche sich immer vorher schon durch das Zucken der Flamme ankündigen.

In Betreff der Brenner sei noch bemerkt, daſs ihre ganze Einrichtung auf die Vermeidung des Heiſsbrennens abzielen muſs. Dies wird durch eine geschickt zur Flamme geleitete Luftzuführung bewirkt und durch genügend weite Luftzuleitungskanäle am unteren peripherischen Theile des Brenners erreicht.

Weiter muſs angestrebt werden, daſs die Flamme den Metalltheilen des Brenners möglichst fern bleibt; bei den Flachbrennern ist dies nicht gut möglich und tritt bei geringer Verbiegung, bei etwas fehlerhafter Dochtlage u. dgl. sehr leicht ein. Vielfach ist Unheil durch solche Flachbrenner gekommen; mir selbst liegen zwei solche fehlerhafte, sich sehr heiſs brennende Flachbrenner vor, welche eine Explosion zur Folge gehabt hatten. Oft befinden sich solche Flachbrenner an kleinen Küchen- und Hauslampen, und werden nun solche durch das Brennen heiſs, so können sie beim Inhalte schlechten Petroleums leicht eine Explosion verursachen.

Hierbei sei indessen beiläufig noch erwähnt, daſs selbst der bestconstruirte Brenner zum gefährlichen Heiſsbrennen dadurch zu bringen ist, daſs die äuſseren Luftzuführungsöffnungen durch Dochtschnuppen verstopft werden, daſs die Flamme zu niedrig geschraubt und der Cylinder nicht richtig eingestellt, nämlich so aufgesetzt wird, daſs die Flamme ruſst. Der die Flamme einschnürende Theil des Glascylinders befindet sich dann nicht an der für die Flamme richtigen Stelle.

Zum Schluſs bemerke ich zusammenfassend folgendes: Es ist nicht in Abrede zu stellen, daſs die sehr leicht flüchtigen Oele, so bis etwa 19 bis 20° Abel-test, in so fern nicht wohl empfehlenswerthe Leuchtstoffe, namentlich bei den allgemein üblichen Brennerconstructionen, sind, als sie doch schon bei mäſsiger Luftwärme, verstärkt durch die Brennerwärme, gefahrvolle Dunstgemische erzeugen.

Dabei ist indessen wohl zu erwägen, daſs selbst Oele von höherem Dampfbildungspunkte, etwa der Region 24° Abel-test angehörend, auch nicht durchweg gefahrlos sind, wenn einerseits die die Lampen umgebende Lufttemperatur, wie bei Hängelampen., eine entsprechend höhere |393| ist, wenn die Brenner eine zu hohe Wärme entwickeln und dem Dochte mittheilen, oder wenn andererseits die Erwärmung der Brenner durch Verschluſs der Luftöffnungen, auch durch falsches Aufsetzen der Cylinder veranlaſst wird. Dem gegenüber ist indessen geltend zu machen, daſs die bei der Anwendung leicht flüchtiger Oele und gewöhnlicher Brenner sich ergebenden Gefahren wesentlich dadurch abgemindert werden, daſs die Brenner entsprechend abgedichtet sind. Oele, welche zwischen 33 bis 40° die ersten Spuren entzündlicher Dünste aushauchen (Kaiseröl), gewähren naturgemäſs eine gröſsere Sicherheit als leichter abdunstende Oele. – Den durch mangelhafte Einrichtung der Brenner bedingten Gefahrzuständen ist nicht wohl eine geringere Bedeutung beizumessen als den durch das Oel an sich herbeigeführten.

In Folge der durch die ganze Natur der Oelproduction bedingten Notwendigkeit, selbst Oele von nicht übermäſsig hohem Test zu verwenden, erscheint es dringend geboten, bei der Construction der Brenner obige Momente zu beachten und bei der Benutzung der Lampen auch die Vorsichtsmaſsregeln zu berücksichtigen (insbesondere Reinhaltung der Luftzuführungsöffnungen an der Auſsenseite der Brenner, richtiges, ein Ruſsen vermeidendes Aufsetzen des Cylinders), deren Vernachlässigung selbst gut construirte Brenner zum Heiſsbrennen zwingt. Leicht erkennt man durch Berührung des Brenners mit den Fingern, ob ein Heiſsbrennen desselben erfolgt ist.

Berlin. Technisches Laboratorium der technischen Hochschule, März 1881.

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Ein solcher hydraulischer Verschluſs von sehr zweckmäſsiger, bequem anzubringender Form ist von der bekannten Firma Schuster und Baer in Berlin (* D. R. P. Kl. 4 Nr. 15522 vom 30. März 1881) angegeben worden.

D. Red.

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