Titel: Mehrtens' Herstellung der Bufferkreuze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241 (S. 432–434)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/ar241163

Mehrtens' Verfahren zur Herstellung der Bufferkreuze für Eisenbahnfahrzeuge.

Mit Abbildungen auf Tafel 32.

Es ist bekannt, daſs bei einem aus mehreren Theilen und gleichartigem Materiale geschweiſsten Stücke die Festigkeit an den Schweiſsstellen im Allgemeinen geringer ist als diejenige des verwendeten Materials. Man müſste daher verlangen, daſs solche technische Gegenstände, die eine bedeutende Beanspruchung zu erleiden haben, soweit es die Schmiedetechnik zuläſst, aus einem Stücke ohne Schweiſsung hergestellt werden. Bei kleinen einfachen Gegenständen ist diese Herstellungsweise auch rationell, nicht aber für Stücke von groſser Masse oder verwickelter Form.1) Die meisten Eisenbahnverwaltungen |433| schreiben aus diesem Grunde für die Lieferung kleiner Eisentheile, z.B. für Waggonbeschläge, die Herstellung aus einem Stücke ohne Schweiſsung vor.

Die Bufferkreuze, welche zur Führung der Stange und zum Umschlieſsen der Feder der Buffer an Eisenbahnfahrzeugen dienen, werden heutzutage noch aus mehreren Theilen geschweiſst. Nachdem die Bufferkreuzbeine unter dem Dampfhammer gereckt worden sind, wird der Lappen zur Aufnahme der Befestigungsschrauben gebogen, der obere breite Theil zur Kopfbildung hohl gesetzt und das Bolzenloch gebohrt. Die 4 Bufferkreuzbeine werden darauf mit ihren hohl gebogenen Enden um einen in Cylinderform gekrümmten Ring gelegt und ferner, damit die Beine später beim Schweiſsen die richtige Lage behalten, mittels der Lappen auf eine Platte festgeschraubt, auſserdem aber auch noch durch einen übergeschobenen Ring unter Zuhilfenahme von 2 oder 4 Stiften gehalten. In diesem Zustande ist das Bufferkreuz zum Schweiſsen fertig; es wird mit der Zange gepackt, ins Schweiſsfeuer gebracht und nach erhaltener Schweiſshitze unter einem Dampfhammer in passendem Rundgesenke über einen Dorn geschweiſst. Hierauf wird das geschweiſste Bufferkreuz, nachdem die Beine etwas aus einander gebogen worden sind, in eine stählerne, in die Schabotte eines Fallhammers eingesetzte Matrize gebracht und dem Kopfe durch das Eintreiben eines sauber gedrehten Domes die passende Form gegeben. Endlich bringt man das Kreuz zum Nachrichten auf einen der endgültigen Form entsprechenden Klotz. Das nachgerichtete Kreuz ist dann zum Abdrehen und Feilen fertig.

Wenn manche Fabriken nun auch eine von der vorstehend beschriebenen etwas abweichende Fabrikationsmethode befolgen, der Hauptsache nach sind doch alle Methoden gleich. Jeder, der mit der Fabrikation der Bufferkreuze zu thun hat, weiſs aber auch, wie schwierig es ist, bei dieser Methode den gestellten Anforderungen in Bezug auf Festigkeit an den Schweiſsstellen und auf Innehaltung der genauen Form zu genügen. Selten behalten die Beine beim Schweiſsen die genaue Lage und ebenso selten wird ein Bufferkreuz derartig geschweiſst, daſs beim Auseinandertreiben des Kopfes mit Hilfe eines conischen Domes keine ungeschweiſste Stelle zu sehen ist. Um diesen Uebelständen abzuhelfen und um ein sicheres, dabei auch billigeres als das eben beschriebene Bufferkreuz sowohl aus Schweiſseisen, als auch aus Fluſseisen oder Stahl herzustellen, kann die folgende, in Fig. 11 bis 14 Taf. 32 dargestellte, vom Ingenieur Mehrtens in Hagen i. W. zuerst angegebene und in Glaser's Annalen für Gewerbe und Bauwesen, 1881 Bd. 9 S. 48 beschriebene Methode eingeschlagen werden.

Es wird unter dem Dampfhammer ein Stück von der Form Fig. 11 gereckt; dasselbe wird sodann im mittlern starken Theile weiſsglühen |434| gemacht und in die sauber ausgedrehte, in der Schabotte b eines Dampfhammers befestigte Matrize a (Fig. 12) gebracht und dort durch einige kräftige Schläge des in den Dampfhammerbär eingesetzten Stempels c fast genau die Kopfform des Bufferkreuzes gebildet. Der übrigbleibende Grat f wird entweder in derselben Hitze unter einer Presse herausgestoſsen, oder nach dem Erkalten des Stückes herausgebohrt. Hierauf werden, um die vier Beine zu bilden, die Schenkel g des Stückes mit der Kalt- oder Warmsäge der Länge nach in zwei Theile gesägt, so daſs dasselbe in der Oberansicht die Form der Fig. 13 erhält, dann die Lappen zur Befestigung des Kreuzes angebogen und gebohrt und die vier Beine nach der Schablone so gebogen, wie Fig. 14 veranschaulicht. Nunmehr ist das Bufferkreuz in eine solche Form gebracht, daſs es genau auf dieselbe Weise fertig gestellt werden kann, wie oben schon beschrieben ist.

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Die praktischen Engländer kommen z.B. von der Methode, groſse Wellen aus einem Stücke Guſsstahl zu erzeugen, zurück. Vgl. Large forgings im Engineering, 1879 Bd. 28 S. 274 und 293.

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