Titel: F. Fischer, über die Ausnutzung der Brennstoffe in Locomotiven.
Autor: Fischer, Ferd.
Fundstelle: 1881, Band 241 (S. 449–451)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/ar241168

Ueber die Ausnutzung der Brennstoffe in Locomotiven; von Ferd. Fischer.

Ebelmen und Sauvage1) fanden in den Feuergasen von Personenzugsmaschinen 12,42 bis 18,49 Proc. Kohlensäure und bis 2 Proc. Kohlenoxyd; wurde bei Güterzügen die Kokesschicht erhöht, so stieg der Kohlenoxydgehalt auf 7,58 Proc. Marsilly2) entnahm den Locomotiven die Gase mittels luftleer gemachter Kupfercylinder von 10l Inhalt. Er fand einen durchschnittlichen Luftüberschuſs von 7,7 Proc; Kohlenoxyd trat auf, sobald der Zug schwächer wurde. Orsat3) fand in den durch ein Kupferrohr angesaugten Gasen im Mittel:

Kohlen-
säure
Kohlen-
oxyd
Sauer-
stoff
Maschine mit Briquettes aus Fettkohle gefeuert 12,46 4,75 3,46
Schnellzugmaschine mit Stückkohle gefeuert 14,26 2,26 2,24
Desgleichen mit weitem Rost 13,63 0,46 4,83
Güterzuglocomotive, fette Förderkohle. 11,61 0,32 7,36

Die Temperatur der abziehenden Gase wurde nicht bestimmt. Neuere und genauere Versuche liegen nicht vor.

Im März und April d. J. hatte ich – mit gütiger Erlaubniſs der Königl. Eisenbahndirection und gef. Unterstützung des Hrn. Ingenieur Heuer – mehrfach Gelegenheit, die Gase einer Personenzuglocomotive auf der Strecke Hannover-Bremen während der Fahrt zu untersuchen. Um eine möglichst gute Durchschnittsprobe zu erhalten, wurden die Gase zwischen der Platte, welche über den Feuerröhren angebracht ist, und der höher liegenden Dampfausströmung abgesaugt, dann durch einen engen Gummischlauch nach dem Gasapparat4) geführt, welcher in dem hinter dem Tender laufenden sogen. Apparatwagen aufgestellt war. In den meisten Proben wurden sofort Kohlensäure und Sauerstoff bestimmt, die mit einem † versehenen aber eingeschmolzen (vgl. 1880 237 * 388) und im Laboratorium über Quecksilber mit dem früher (1880 237 * 392) beschriebenen Apparate untersucht.

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Die beim Zug Nr. 54 am 31. März d. J. erhaltenen Resultate sind in folgender Tabelle zusammengestellt. Gefeuert wurde mit Stückkohle des Hörder Vereines. Hierbei wurde die Temperatur mittels eines genau eingestellten Graphitthermometers von Steinle und Hartung bestimmt, welches ebenfalls unter der Dampfausströmung eingesetzt war, um so von dem Apparatwagen aus auch während der Fahrt die Wärme der abziehenden Rauchgase ablesen zu können, ohne daſs der ausströmende Dampf auf das Thermometer einwirken konnte.

Zeit Kohlensäure Kohlenoxyd Kohlen-
wasserstoff
Sauerstoff Temperatur
Bemerkungen
Uhr Min.
9 5 11,1 8,8 Freie Fahrt.
8 8,2 11,9 305
12 9,36 0 0 10,08
18 9,5 9,8
25 12,0 7,5 310
28 17,50 0,84 Spur 1,04 Regulator u. Aschenklappe geschlossen.
34 17,6 0,8 280 Stillstand, Bahnhof Wunstorf.
42 5,9 14,3 324 Freie Fahrt, Thür etwas geöffnet.
48 12,08 8,42 0,84 0,90 Bahnhof Neustadt.
54 3,4 16,9 330 Freie Fahrt, Thür geöffnet.
10 12,8 6,1 300 Regulator geschlossen.
4 12,9 6,6 280 Bahnhof Hagen.
10 7,9 12,3 305 Freie Fahrt.
12 260 Abfahrt aus Linsburg.
17 9,8 10,2 300 Freie Fahrt, vordere Aschenklappe ge-
39 9,2 9,9 305 [schlossen.
44 16,74 1,68 0 0,62 290 Stillstand, Bahnhof Rohrsen.
46 8,5 11,3 300 Freie Fahrt.
51 13,4 6,0 355
57 7,5 12,5 290 Abfahrt aus Eistrup.
11 3 8,8 10,8 350 Freie Fahrt.
7 16,90 0,96 0 1,12 300 Station Dörverden.
14 12,95 0 0 7,60 310 Freie Fahrt, Aschenklappe geschlossen.
34 6,1 13,9
38 12,8 7,1 Stillstand, Station Langwedel.
45 4,4 15,8 Freie Fahrt, Thür geöffnet.
56 11,9 7,4 Abfahrt aus Achim.
12 1 8,8 10,5 Freie Fahrt.
7 10,8 8,7
16 10,9 8,5
1 20 9,4 10,6 Während des Schürens.
27 10,0 9,5 Helles Feuer
31 11,9 7,5
38 12,8 6,2
44 12,9 6,3 Schluſs des Regulators vor Bahnhof Stubben.
50 7,5 12,4 Freie Fahrt.
55 5,5 14,0
2 1 12,5 6,3 Stillstand, Bahnhof Loxstedt.

Sieht man von den Proben ab, welche bei offener Thür (wegen Dampfüberfluſs) genommen wurden, so enthalten die Rauchgase bei |451| freier Fahrt etwa 12 Proc. Kohlensäure bei einer Temperatur von 300 bis 350°. Sobald die Maschine stillsteht, steigt in Folge des geringen Zuges der Kohlensäuregehalt bis 17,5 Proc., der Sauerstoff verschwindet fast völlig und es tritt etwas Kohlenoxid auf, während die Temperatur bis auf 260° heruntergeht.

Fast das gleiche Resultat wurde am 26. April erhalten. Bei freier Fahrt schwankte der Kohlen Säuregehalt von 8,5 bis 13,6 Proc., die Temperatur von 290 bis 350°; beim Stillstand stieg der Kohlensäuregehalt bis 17,6 Proc., während auf 4 Bahnhöfen während des Stillstandes der Gehalt an unverbrannten Gasen 2,1 Proc. nicht überstieg.

Bei der Fahrt am 29. März wurden 45 Proben genommen, die Temperatur wurde aber nicht bestimmt. Der Kohlensäuregehalt betrug hier bei freier Fahrt im Durchschnitt fast 11 Proc. und stieg beim Stillstand auf 16,8 Proc.

Berücksichtigt man die ungemein schwierigen Verhältnisse des Locomotivbetriebes gegenüber den eingemauerten Kesseln, so ist obiges Resultat als sehr günstig zu bezeichnen. Gingen doch, wie aus der Tabelle zu ersehen, bei der Fahrt am 31. März nur 15 bis 20 Procent der Gesammtwärme durch den Schornstein verloren, während bei stationären Kesseln nicht selten das doppelte in die Luft gejagt wird.5) Im hohen Grade wünschenswerth wäre es aber, wenn diese Versuche von den Bahn Verwaltungen in umfassenderer Weise fortgeführt würden, um so die zur allgemeinen Beurtheilung von Locomotivfeuerungen erforderlichen Grundlagen zu schaffen.

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Annales des Mines, 1853 S. 77.

|449|

Bulletin de la Société industrielle d'Amiens, 1862 S. 57.

|449|

Orsat: Note sur l'analyse industrielle des gas, (Paris 1876) S. 17.

|449|

Vgl. Wagner's Jahresbericht, 1880 S. * 231.

|451|

Vgl. F. Fischer: Chemische Technologie der Brennstoffe, 1880 S.146.

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