Titel: Ueber die durch Einwirkung von Soda auf Kaolin entstehenden Natriumaluminiumsilicate.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241/Miszelle 23 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/mi241mi01_23

Ueber die durch Einwirkung von Soda auf Kaolin entstehenden Natriumaluminiumsilicate.

Im Anschluſs an die Versuche von R. Hoffmann (1879 231 363) zeigt P. G. Silber in den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 941, daſs die Darstellung einer Verbindung von der Zusammensetzung des Nephelins leicht gelingt, wenn man ein inniges Gemisch gleicher Molecüle Kaolin und Soda längere Zeit einer Temperatur aussetzt, wie sie etwa in den Ultramarinöfen herrscht. Wasser löst aus dem entstandenen, nicht im geringsten gesinterten Product nur Spuren; die zurückbleibende Masse entspricht nach dem Trocknen der Formel Si2Al2Na2O8. Der Gehalt eines solchen Productes an durch Salzsäure nicht zersetzbaren Antheilen ist gering, wenn die Soda in obigem Verhältniſs angewendet wurde; wendet man weniger Soda an, so nimmt der durch Salzsäure nicht zersetzbare Theil zu, während der zersetzbare Theil wieder genau die Zusammensetzung des Nephelins zeigt. Obgleich Gemische von Kaolin mit doppeltem Verhältniſs von Soda schon etwas zum Sintern geneigt sind, gelang es bei loser Füllung der Mischung in den oberen Theilen des Tiegelinhaltes eine lockere Masse zu erhalten, die an Wasser neben etwas Soda sehr geringe Mengen von kieselsaurem Natron abgab. Nachdem dieses Product mit warmem Wasser lange Zeit behandelt worden war, konnten bei der Analyse Zahlen erhalten werden, die mit der Formel Si2Al2Na4O9 leidlich in Einklang zu bringen waren. Der untere Theil des untersuchten Tiegelinhaltes stellte eine Schmelze dar, welche sich durch ihren mit Wasser ausziehbaren verhältniſsmäſsig hohen Gehalt an kieselsaurem Natrium auszeichnete. Bei Einwirkung von mehr als 2 Mol. Soda auf Kaolin entstehen geschmolzene Massen von lichtgrüner Farbe, welche zur Untersuchung wenig einladend erscheinen.

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Weitere Versuche zeigten, daſs ⅓ des in dem an Na ärmeren Silicat ursprünglich vorhandenen Natriums durch Chlorwasserstoff leicht entfernt werden kann, die anderen ⅔ des Natriums einer ferneren Einwirkung der Säure hartnäckig Widerstand leisten. Silberlösung wirkt auf das Silicat bei 150° nach folgender Formel: 3Si2Al2Na2O8 + 2AgNO3 = Si6Al6Na4Ag2O24 + 2NaNO3. Beim Behandeln dieses Silbersubstitutionsproductes mit Chlornatrium gelang es etwas mehr als die Hälfte des ursprünglich vorhandenen Silbers in der Form von Chlorsilber zu entfernen. Als einfachster Ausdruck der Zusammensetzung der in Rede stehenden Verbindung würde danach die Formel 3(Si2Al2Na2O8) gelten müssen. Das Verhalten der an Natrium reicheren Aluminiumsilicatverbindung gegen obige Reagentien würde mit der Formel Si2Al2Na4O9 in Einklang zu bringen sein; dennoch ist Silber geneigt, und zwar in Rücksicht auf das Verhalten der an Natrium ärmeren Verbindung (Nephelin), auch ihr die 3fache Moleculargröſse zuzuschreiben. Von den bisher für die Ultramarine der sogen. kieselarmen Reihe aufgestellten Formeln trägt keine der für den Nephelin bewiesenen trimolecularen Zusammensetzung Rechnung.

Kaolin wurde ferner unter Zusatz von Kieselerde in Verhältnissen, wie man sie bei der Darstellung der kieselreichen Ultramarine anwendet, mit wechselnden Mengen von Soda behandelt. Die Versuchsbedingungen waren denen des Ultramarinbrennens möglichst angepaſst. Es gelang so bei Anwendung von etwas weniger als 1 Mol. Soda zu dem berechneten Gemisch von Kaolin und Kieselsäure einige Male ein Silicat zu erhalten, welches im salzsäurelöslichen Theil mit der Formel Si3Al2Na2O10 gut übereinstimmende Zahlen gab. Die Darstellung einer solchen kieselreicheren Verbindung, welche zum natürlichen Natrolith in näherer Beziehung stehen würde, scheint nicht mit der gleichen Leichtigkeit von statten zu gehen, wie die Bildung der Verbindung aus Kaolin und Soda ohne Kieselsäurezusatz (Nephelin). Die auf Zugabe von etwas mehr als 1 Mol. Soda zum Gemenge von Kaolin und Kieselsäure entstehende Producte sind schon stark zum Sintern geneigt, eine ziemlich bedeutende Menge von kieselsaurem Natrium läſst sich immer aus den Glühproducten durch Wasser ausziehen. Es ist noch nicht gelungen, aus dem beim Glühen gleicher Molecüle Kaolin und Kieselerde unter Zusatz von 2 Mol. Soda entstandenen Product eine entsprechende an Natrium reichere Verbindung zu erhalten. Diese und andere Beobachtungen deuten darauf hin, daſs diese Verbindungen, wenn sie entstehen, leicht unter Abgabe von SiO2 an Na2O in die Verbindungsverhältnisse des Nephelins zurückfallen.

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