Titel: Zinkröhren in Verwendung bei Wasserleitungen; von Dr. H. Vogel in Memmingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241/Miszelle 9 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/mi241mi02_9

Zinkröhren in Verwendung bei Wasserleitungen; von Dr. H. Vogel in Memmingen.

Bei unserer städtischen Wasserleitung sind die Hähne so gebohrt, daſs bei keiner Stellung das Wasser völlig zu flieſsen aufhört. Um nun das Abwasser aus dem Brunnen des 2. Stockes fortzuleiten, waren vor 1½ Jahren Zinkröhren von etwa 6cm lichter Weite in Verwendung gekommen, wie dies in anderen Häusern schon längst der Fall war. Ein Unterschied trat hier nur in so fern zu Tage, als seitdem die Zinkleitung 2 mal unbrauchbar wurde, so daſs jetzt zum 3. Male neue Röhren eingelegt werden muſsten.

Bei der Besichtigung des mir zugesendeten Stückes fand ich die Röhre siebartig wie von lauter feinen Nadelstichen durchlöchert; auſserdem aber waren noch an vielen Stellen starke Corrosionen durch Einlagerung eines weiſsen Körpers auffällig. Dieselben wurden nun sofort als die Zersetzungsproducte des Zinks ins Auge gefaſst und einer Untersuchung unterzogen. Es war ein Gemenge von (wahrscheinlich basischem) Zinkcarbonat mit Calciumcarbonat und damit war gleichzeitig die Ausscheidung von Kohlensäure als die Ursache der Zerstörung erkannt. Ich besichtigte nun die Anlage der |158| Leitung im Hause selbst und fand meine Vermuthungen durch eine recht ungeschickte Construction derselben vollauf bestätigt. Die Leitung geht nämlich von der Küche des 2. Stockes senkrecht hinunter bis zur Decke der Küche des 1. Stockes, um nun oben mit möglichst schwachem Gefälle in die Ecke geführt zu werden, wo sich hier der Brunnen befindet. Das Wasser kann dabei natürlich nicht rasch genug abflieſsen und es wird zur reichen Kohlensäure-Ausscheidung um so mehr gezwungen, als die Temperatur an der Decke einer Küche bedeutend gesteigert ist.

Ich habe seitdem in anderen Häusern Zinkröhren von viel höherem Alter gesehen, aber immer in senkrechter Führung auſsen an der Mauer herab, und dabei stets von den Besitzern die Versicherung erhalten, daſs ihnen eine solche Art der Zerstörung bis jetzt unbekannt geblieben ist.

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