Titel: Ueber die Bewegung der Luft in städtischen Abfluſskanälen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241/Miszelle 13 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/mi241mi03_13

Ueber die Bewegung der Luft in städtischen Abfluſskanälen.

Zur Untersuchung der Frage, ob und in welcher Richtung die Luft in den Sielen sich bewegt, lieſs v. Rozsahegyi (Sitzungsberichte der mathematischphysikalischen Klasse der Münchener Akademie, 1881 S. 196) Salmiaknebel, den Rauch stark ruſsender Flammen oder Schwefelwasserstoff an verschiedenen Stellen in die Siele der Ludwig- oder Maxvorstadt zu München eintreten. Dabei zeigte sich, daſs die Bewegung der Luft in den München er Kanälen weit mehr nach abwärts als nach aufwärts gerichtet ist, d.h. sie folgt hauptsächlich dem Gefälle der Siele. Der Luftzug im unteren Abschnitte des Sielsystems ist stärker als in den oberen Abschnitten. Die herrschende Windrichtung hat keinen merklichen Einfluſs auf die Richtung und die Geschwindigkeit des Luftzuges in den Sielen. Die Temperatur der Kanalluft war durchschnittlich 3,2 bis 5,6° niedriger, als die Temperatur im Freien ist; doch sind aus dieser Temperaturdifferenz die beobachteten Luftbewegungen in den Kanälen nicht zu erklären. Aufsteigender, dem Gefälle der Siele entgegengesetzter Luftzug kommt zwar vor, aber sehr selten, und auf sehr kurze Strecken beschränkt. Wo Haus- und Straſsenentwässerungen einmünden, geht Luft aus den Sielen durch diese Einmündungen öfter hinaus als herein und ist auch diese partielle Bewegung nicht von der im Freien herrschenden Windrichtung abhängig. Das Hinaus- und Hereinziehen der Luft an solchen Stellen ist kein constantes, sondern es wechselt. Durch solche sich nahe liegende Mündungen von Hausentwässerungen kann ein Austausch der Luft von einem Hause oder Hofe nach dem andern hin stattfinden, soweit die Hausleitungen nicht mit richtig angelegten Wassersperren versehen sind. Der ganz vorwaltend nach abwärts gehende, dem Gefälle der Kanäle folgende Luftzug scheint lediglich durch den Strom des in gleicher Richtung flieſsenden Kanal- oder Sielwassers verursacht zu werden.

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