Titel: Ueber Tetrathionsäure und Pentathionsäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241/Miszelle 18 (S. 321–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/mi241mi04_18

Ueber Tetrathionsäure und Pentathionsäure.

Zur Herstellung der Tetrathionsäure wird nach Takamatsu und Smith (Liebig's Annalen, 1881 Bd. 207 S. 86) frisch bereitetes, gewaschenes, noch feuchtes Bleithiosulfat mit etwas Wasser in einer Flasche unter kräftigem Schütteln nach und nach mit einer verdünnten Lösung von Jod in Jodwasserstoffsäure in kleinen Mengen versetzt, bis fast alles Bleithiosulfat zersetzt ist. Die Lösung wird dann filtrirt und die letzten Spuren von Blei mit Schwefelsäure

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Reagentien
Dithionsäure,
H2S2O6

Trithionsäure, H2S3O6

Tetrathionsäure, H2S4O6

Pentathionsäure, H2S5O6


Kaliumhydrat

Kein Nieder-
schlag.


Kein Niederschlag.


Kein Niederschlag.
Augenblicklicher Niederschlag
von Schwefel, welcher sich beim
Stehen allmählich auflöst, wenn
nicht im Ueberschuſs u. coagulirt.
Verdünnte Salz-
säure
Keine Ein-
wirkung.
Entwicklung von SO2 und Fäl-
lung von S.

Keine Einwirkung.

Keine Einwirkung.

Mercuronitrat

Kein Niede-
schlag.
Augenblickliche Fällung, schwar-
zer Niederschlag, beim Stehen
weiſs.

Gelber Niederschlag, wird all-
mählich dunkler.
Zuerst gelber Niederschlag; beim
Stehen und Ueberschuſs des
Reagens weiſs werdend.

Silbernitrat

Kein Niede-
schlag.

Gelber Niederschlag, bald schwarz
werdend.
Gelber Niederschlag; wird bald
schwarz, auch bei Zusatz von
Ammoniak.
Gelber Niederschlag, wird nach
und nach dunkler und bei Zu-
satz von Ammoniak schwarz.

Ammoniakali-
sches Silbernitrat

Keine braune Färbung, selbst
nicht beim Stehen. Beim Er-
wärmen Bildung von Ag2S.
Keine dunkle oder braune Fär-
bung, selbst beim Stehen, auſser
beim Erwärmen.

Fast augenblicklich braune, beim
Erwärmen schwarze Färbung.

Quecksilber-
cyanid

Kein Niede-
schlag.

Zuerst gelber Niederschlag; beim
Erwärmen schwarz werdend,
unter Entwicklung von HCN.
Zuerst gelber Niederschlag; beim
Erhitzen schwarz werdend; un-
ter Entwicklung von HCN.

Quecksilber-
chlorid

Kein Niede-
schlag.
Gelber Niederschlag mit einem
Ueberschuſs des Reagens weiſs
werdend.

Beim Erwärmen weiſser Nieder-
schlag.

Beim Erwärmen gelblichweiſser
Niederschlag.
Kaliumsulf-
hydratlösung


Weiſser Niederschlag von Schwe-
fel.
Weiſser Niederschlag von Schwe-
fel.

Verdünnte Lösg.
von übermangan-
saurem Kali
Ein Tropfen
augenblickl.
brauner Nie-
derschlag.
Ein Tropfen erzeugt sofort einen
braunen Niederschlag, selbst
bei Gegenwart von verdünnter
Schwefelsäure.

Entfärbt, auch bei Abwesenheit
von verdünnter Schwefelsäure.

Entfärbt, bei Abwesenheit von
verdünnter Schwefelsäure.
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ausgefällt. Die so erhaltene Tetrathionsäure enthält oft etwas Pentathionsäure; bei Anwendung einer Lösung von Jod in Jodkalium erhält man aber eine reine Lösung von Kaliumtetrathionat.

Zur Darstellung von Pentathionsäure wird eine gesättigte Lösung von Jod in Jodwasserstoffsäure angewendet und allmählich mit Bleithiosulfat gemischt, bis die Flüssigkeit nur noch schwach braun erscheint und diese Farbe selbst beim Erwärmen nicht verschwindet. Der kleine Jodüberschuſs wird nun durch einen geringen Zusatz von Bleithiosulfat und Erwärmen entfernt, die Lösung nach dem Erkalten filtrirt und das Blei mit Schwefelwasserstoff entfernt. Den überschüssigen Schwefelwasserstoff kann man durch Einleiten von Kohlensäure austreiben. Nach dem Filtriren erhält man so eine klare Lösung von Pentathionsäure.

Die Tabelle S. 322 zeigt die unterscheidenden Reactionen der vier Thiosäuren.

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