Titel: Zur Kenntniſs der Rübenzuckermelasse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241/Miszelle 8 (S. 408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/mi241mi05_15

Zur Kenntniſs der Rübenzuckermelasse.

Eine neue Gummiart, welche mit dem ebenfalls in der Melasse vorkommenden Dextran groſse Aehnlichkeit hat, wurde von E. O. v. Lippmann (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 1509) aus der Rübenmelasse abgeschieden. Rein bildet das Gummi eine amorphe, schneeweiſse Masse, deren Analyse zur Formel C6H10O5 führt und welche als Anhydrid der Lävulose als Lävulan bezeichnet wird. Es löst sich in heiſsem Wasser und gesteht beim Abkühlen der Lösung zu einer farblosen Gallert; erhält man aber die heiſse Lösung längere Zeit im Kochen, so bleibt das Lävulan auch in der Kälte gelöst. Das Lävulan dreht die Polarisationsebene sehr stark nach links, und zwar beträgt αD = –221°, so daſs sein specifisches Drehungsvermögen 3mal stärker ist als das des Rohrzuckers. Beim Erhitzen mit verdünnter Schwefelsäure im geschlossenen Rohr auf 120° liefert das Lävulan quantitativ Lävulose, welche mit der aus Invertzucker gewonnenen vollkommen identisch befunden wurde. Löst man gleiche Gewichtstheile Lävulose und Glykose in Wasser, so erhält man eine Flüssigkeit, deren Verhalten in Bezug auf Drehung, Reductionsvermögen, specifisches Gewicht u.s.w. ganz und gar das einer durch Invertiren von Rohrzucker dargestellten Invertzuckerlösung ist; diese Beobachtung entzieht den Angaben Maumené's über den Invertzucker, welche ohnedies bisher Niemand hat bestätigen können, den letzten Boden, da hiernach von dem Vorkommen einer dritten inactiven Zuckerart (der Inactose) in zwei Modifikationen, von denen die eine reducirt, die andere nicht, wohl nicht mehr die Rede sein kann.

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