Titel: Verfahren und Apparat zum Härten von Guſsstahl-Feuerrohren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241/Miszelle 5 (S. 404–405)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/mi241mi05_5

Verfahren und Apparat zum Härten von Guſsstahl-Feuerrohren.

Um Guſsstahl-Kanonenrohren, Gewehrläufen u. dgl. nach vollständiger Fertigstellung eine sich nur auf die inneren Materialschichten erstreckende Härte zu geben, ohne daſs der sehr weiche und zähe Guſsstahl an Festigkeit verliert, hat W. Reunert in Annen, Westfalen (* D. R. P. Kl. 49 Nr. 13505 vom 14. August 1880) folgendes Verfahren erfunden.

Die zu härtenden Läufe bezieh. Rohre werden in einem Flammofen mit gerader Sohle bis zur Rothglut erhitzt und dann in einem schmiedeisernen Gestell derart gelagert, daſs das dickere Ende des Rohres in einem offenen |405| Lager, das dünnere aber in der rohrartigen Verlängerung der Nabe eines Getriebes eingespannt wird. Durch den rohrartigen Ansatz des Getriebes, welches in schnelle Umdrehung versetzt werden kann, gelangt mittels eines Schlauches das Härtewasser, bestehend aus einer starken Lösung von Cyankalium, Weingeist und Salz, in das Innere des Rohres. Einige Centimeter unterhalb des so gelagerten Rohres befindet sich auf einem mit dem Gestell verbundenen Rost ein Holzkohlenfeuer. Zum Zweck der Härtung wird das Härtewasser unter Druck so in den Lauf geführt, daſs die ganze Rohrseele stets voll Wasser ist, und der Lauf durch die Zahnräder in schnelle Umdrehung versetzt, damit ein Verziehen desselben während der Operation vermieden (?) wird. Das Holzkohlenfeuer (oder eine Gasfeuerung) erhält die Rohre beständig in Rothglut und soll die Dauer des Härtevorganges von der Stärke dieser Unterfeuerung abhängen, welche für Gewehrläufe auf ¼ bis ½ Stunde angegeben ist. Das Härtewasser flieſst durch den Lauf und wird dann durch eine Rinne abgeführt.

Der in der Patentschrift dargestellte Apparat gestattet das gleichzeitige Härten von 3 Läufen, welche neben einander eingespannt sind, während ihre Getriebe unter einander eingreifen und von demselben Rade umgetrieben werden. Mehr als 6 Läufe gleichzeitig zu härten, soll nach den vom Erfinder angestellten Versuchen keinen Vortheil bieten. Beim Härten von Kanonenrohren würde sich das Verfahren dahin abändern, daſs man nur ein Rohr auf einmal härtet, das Unterfeuer so stark macht, daſs das ganze Rohr in dasselbe eingehüllt wird, den Proceſs 24 bis 48 Stunden unterhält und die Kurbel durch mechanische Kraft umtreiben läſst. – Nach dem Erkalten wird das Kaliber auſsen blank geputzt, während es innen vollkommen klar und rein bleiben soll. Sollte sich ein Rohr geworfen haben, so soll ein Geradrichten desselben sehr leicht zu erreichen sein, weil die äuſseren Materialschichten völlig weich bleiben; die inneren Schichten dagegen sollen eine selbst bei längerem Schnellfeuer sich erhaltende natürliche Härte erlangen.

Mg.

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