Titel: Rive's elektrische Fangvorrichtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 241/Miszelle 4 (S. 468–469)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj241/mi241mi06_4

Rive's elektrische Fangvorrichtung.

Wenn auf die gröſsere oder geringere Brauchbarkeit einer Fangvorrichtung bei der Bergwerksförderung von entscheidendem Einflüsse auch der Umstand ist, daſs diejenige Zeit, welche vom Augenblicke des Seilbruches bis zum Eingreifen der Fänger in die Leitung verstreicht, möglichst kurz sei, damit das vom Seile frei werdende Gestell thunlichst kurze Zeit der Beschleunigung durch die Schwerkraft ausgesetzt und Erzeugung gröſserer lebendiger Kraft, als im Augenblicke des Bruches vorhanden, vermieden werde, so hat offenbar E. Rive in Porta bei Minden (* D. R. P. Kl. 5 Nr. 12633 vom 22. Februar 1880) der Gedanke, daſs vorhandene Federn nach dem Bruche längerer Zeit bedürften, um aus ihrer Spannung zurückzugehen und damit das Eingreifen der Fangvorrichtung einzuleiten, veranlaſst, diesen Zeitverlust dadurch zu umgehen, daſs er die Unterbrechung eines constanten elektrischen Stromes im Augenblick des Seilbruches auf die Fänger ihre Wirkung ausüben läſst.

Die Einrichtung, welche Rive zur Ausführung seines Gedankens vorschlägt, ist etwa folgende: Der elektrische Strom läuft von einer hinlänglich kräftigen Batterie durch die Seele des Förderseiles nach dem Fördergerüst und durch dieselbe Seele zurück. Das über Tage befindliche Ende des Förderseiles geht durch die Seiltrommel hindurch nach deren Achse und zwar bis zum äuſseren Theil der Nabe, um welche zwei isolirte Messingringe gelegt sind; mit denselben steht je ein isolirter Leitungsdraht aus dem Seile und ein Pol. der Batterie in Verbindung. Am Gerüst selbst ist ein Hufeisenmagnet angebracht, welcher, so lange der Strom nicht unterbrochen wird, den langen Arm eines ungleicharmigen Hebels anzieht, dadurch den kurzen niederdrückt, in Folge hiervon den unter letzteren greifenden langen Arm eines zweiten Hebels niederhält, an dessen kurzem Theil mit Kette die Fänger angeschlossen sind, die innerhalb des Gerüstes liegen, so lange die Anziehungskraft im Magnet vorhanden ist. Reifst nun, so rechnet der Erfinder, das Seil, so. wird der elektrische Strom unterbrochen, der am Magneten liegende Hebelarm frei, durch sein Gewicht zum Fallen gebracht, worauf durch das Gewicht der Fänger der lange Arm des zweiten Hebels sich hebt und die Fänger eingreifen können; es wird also die Wirkung durch das Gewicht des fangenden Theiles erzielt. – Ganz abgesehen von den in Aussicht genommenen, höchst unvollkommenen Fangarmen, welche auf das Princip der alten Büttgenbach'schen Fangvorrichtung |469| zurückgreifen, scheint die Wirkung- um deswillen fraglich, weil sie lediglich auf die Schwerkraft gestellt ist. Da im Augenblicke des Seilbruches Gerüst, Fangarme, Hebel, überhaupt alle Theile in gleicher Weise jener Kraft und somit der Beschleunigung durch dieselbe unterliegen, so ist nicht abzusehen, warum die Fänger und Hebelarme schneller als die übrigen Theile fallen sollen, und erfolgt dies nicht, so fehlt die Möglichkeit für die Wirkung der Vorrichtung.

S–l.

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