Titel: Neuerungen an Gewindefräsmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242 (S. 105–108)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/ar242036

Neuerungen an Gewindefräsmaschinen.

Mit Abbildungen auf Tafel 10.

Zur Herstellung von Schraubengewinden, sowohl inneren, wie äuſseren, liegen zwei Fräsmaschinen vor. Bei der in Fig. 14 bis 16 Taf. 10 dargestellten Construction von L. Bollmann in Baumgarten bei Wien (Umgewandeltes * D. R. P. Kl. 49 Nr. 12877 vom 23. April 1880) wird ein sägeartig gezahnter rotirender Fräser benutzt, dessen Peripherie die Gegenform des zu schneidenden Gewindes bildet und auf einer Spindel befestigt ist, die in einem beweglichen Rahmen oder Schlitten derart gelagert ist, daſs die schneidende Fläche gegen das Arbeitstück, welches auf einer zweiten Spindel befestigt ist, geführt werden kann, um das Schneiden zu bewirken.

Der mit Schraubengewinde zu versehende Gegenstand U wird auf beliebige Weise auf der Drehbankspindel C befestigt; von letzterer wird die Bewegung auf den Fräser Q durch die Zahnräder E und F, die Kupplung TS, die Zahnräder R und Q bis M derart übertragen, daſs sich Spindel C und Fräser Q mit gleicher Geschwindigkeit in gleicher Richtung umdrehen, daſs ferner der Fräser eine schwingende Bewegung um die Achse r (Fig. 14 und 16) zu machen vermag, wodurch er, ähnlich wie der Fräser einer Räderschneidemaschine, mit dem zu schneidenden Gegenstand in Berührung gebracht wird; daſs endlich der Fräser auch eine schwingende Bewegung um die Achse q erhält, |106| damit er für verschiedene Schraubendurchmesser eingestellt und auch innere Gewinde geschnitten werden können. Der Fräser läſst sich mit den Achsen r und q auch schief einstellen.

Um den Fräser dem Arbeitstück nähern oder entfernen zu können, ist der Rahmen L, in welchem seine Welle gelagert ist, mit einem Zahnbogen s versehen, in welchen die Schnecke w eingreift, die durch das Handrädchen W in Drehung gesetzt wird. Hiernach erfolgt die Feststellung des Rahmens L am Arme K durch eine Stellschraube, welche durch den Schlitz des Segmentes s hindurchtritt, so daſs beide Theile ein Stück bilden und der Fräser nur noch um die Achse r schwingt, wenn die Schraubenspindel X gedreht wird; Fräser und Arbeitstück kommen so in Berührung und das Gewinde des ersteren soll sich nun genau auf letzterem copiren. Damit der Fräser möglichst richtig arbeitet, ist es zweckmäſsig, demselben je nach der Steigung des Gewindes eine mehr oder weniger schiefe Lage zu geben und die gleiche Schräge auch den Achsen r und q zu ertheilen. Dies wird dadurch erreicht, daſs man die Klemmschrauben j, welche den Träger J mit der Bettplatte I verbinden, in einem bogenförmigen Schlitz verschieben kann.

Um innere Gewinde zu schneiden, erfordert der Apparat eine mehrseitige Umstellung seiner Theile. Während sich beim Schneiden äuſserer Gewinde die Schrauben und Fräser in gleicher Richtung drehen müssen, damit die Berührungsflächen derselben sich gegenseitig in entgegengesetzter Richtung bewegen, müssen sich beim Schneiden innerer Gewinde Fräser und Schrauben in entgegengesetzter Richtung drehen. Deshalb wird das Rad O sammt seinem Zapfen aus dem Rahmen entfernt und der Arm K festgestellt, die Schlitzschraube des Zahnbogens s wird gelöst, damit sich der Rahmen L um die Achse q frei drehen kann; ferner gibt man der Schneckenspindel w einen Spielraum, daſs der Fräser um die Welle q so viel schwingen kann, als die Tiefe des zu schneidenden Gewindes nöthig macht. Die Drehung des Rahmens L geschieht wieder durch die Schraubenspindel X Weiter ist noch die Einrichtung getroffen, daſs sich der Fräser so viel zurückschieben läſst, als nöthig ist, um in die Höhlung ein- und ausgeführt zu werden.

Diese Maschine kann gleichfalls zur Herstellung anderer beliebiger regelmäſsiger oder unregelmäſsiger Gegenstände benutzt werden, je nachdem man die Fräser formt, da der bearbeitete Gegenstand jede Form des Fräsers annehmen muſs. Ebenso können zugleich zwei oder mehrere Gewinde geschnitten werden, zum Beispiel die beiden entgegengesetzten Gewinde der Mundlochschraube eines Ringzünders für Geschosse u. dgl. Für diesen Fall ist der Fräser aus mehreren Theilen angefertigt und werden sowohl die beiden verschiedenen Gewinde geschnitten, als auch der übrige Theil des Arbeitsstückes passend profilirt.

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Um die Fräser selbst mit dem richtigen Gewinde oder Profil zu versehen, fertigt man zuerst ein Modell an, welches man auf die Drehbankspindel spannt, während man das zur Erzeugung des Fräsers nöthige Stahlstück auf die Fräserspindel bringt und dann die Maschine arbeiten läſst.

Bei der Gewindefräsmaschine von J. S. Schuyler in Brooklyn, J. S. Mettler in Jersey City und B. M. Faugher in Newburgh, Nordamerika (* D. R. P. Kl. 49 Nr. 13459 vom 8. Juli 1880) wird das Schneiden der äuſseren bezieh. inneren Gewinde durch das Zusammenarbeiten mehrerer Fräser erzielt, welche durch einen etwas umständlichen Mechanismus geführt werden. Diese Maschine ist vorzugsweise dazu bestimmt, Gewinde auf beziehungsweise in Röhren und Muffen einzuschneiden.

In einer Quernuth des Supportes C (Fig. 17 Taf. 10) sitzt der Teller a, auf welchem das Werkstück so aufgespannt ist, daſs es sich leicht centrisch einstellen läſst und sein Gewicht durch einen belasteten Hebel a1 ausgeglichen ist.

Die 4 Fräser sitzen an den Enden der Spindeln c, welche durch Universalgelenke und Stangen mit den Wellen c1 verbunden sind, und erhalten eine Drehung sowohl um ihre eigene Achse, wie auch um ihre gemeinschaftliche Hauptachse, während sie gleichzeitig mit dem Schlitten A auch in der Längenrichtung verschoben werden können. Zu diesem Zwecke sind die Wellen c1 in einer Büchse D gelagert, welche durch Eingriff eines Getriebes in dem Zahnkranz b rotirt, wobei die Rädchen an c1 in das Hohlrad c2 eingreifen. Um die gleichmäſsige Drehung zu sichern, erhält auch die vordere Lagerbüchse der Frässpindeln c die gleiche Rotation durch das Rad c3. Die vordersten Lager der Spindeln c sind radial verstellbar und werden durch ein umgelegtes Gummiband h stets nach dem Mittelpunkt hin zu rücken gesucht, in so weit dies die in der Achse eingelegte Stange d gestattet, welche vorn einen kegelförmigen Ansatz trägt, der die Fräser gegen die Wand des Arbeitstückes drängt. Eine geringe Schrägstellung der Fräser wird durch Verdrehung des vordersten Lagerdeckels erzielt und soll dadurch die Ganghöhe des zu schneidenden Gewindes regulirt werden.

Der Vorschub des Schlittens A erfolgt durch die Scheibe m, deren schraubengangförmig abgeschnittene Stirnfläche gegen die Rolle n am Schlitten drückt. Die im Mantel m eingefräste Nuth dient zur Führung eines Stiftes o an der Stange d, welche beim Fertigwerden des Schraubenganges durch die Spiralfeder p zurückgezogen wird, da die Nuth hier sich erweitert und dem Stift o auszuweichen gestattet. Durch das Zurückziehen der Stange d kommt das Gummiband h zur Wirkung und rückt die Fräser nach innen in die Ruhelage.

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Der Antrieb der Maschine erfolgt in ähnlicher Weise wie bei den Drehbänken auf die Räder e und f. Eine praktische Verwendung dieser Maschine ist kaum in Aussicht zu nehmen; es sollte auch nur das Bestreben charakterisirt werden, mittels Fräsen Schraubengewinde zu erzeugen.

Mg.

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