Titel: [Ueber Neuerungen an Ziegelmaschinen].
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242 (S. 177–181)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/ar242059

Ueber Neuerungen an Ziegelmaschinen.

Mit Abbildungen.

(Patentklasse 80. Fortsetzung des Berichtes S. 12 Bd. 240.)

Die Kohlenziegelpresse von Merckelbach-Despa in Lüttich (* D. R. P. Nr. 9015 vom 17. Juni 1879) ist von dem Erfinder wesentlich verbessert und in ihrer neuen Gestalt durch Zusatzpatent Nr. 12645 vom 6. Juni 1880 ab geschützt. Eine mit verhältniſsmäſsig weiten und tiefen Kanälen versehene liegende Walze dreht sich unter dem Einschütttrichter in Absätzen derart, daſs durch jeden Ruck ein folgender Kanal unter die Trichtermündung geschoben wird, während der vorher hier befindliche, mit Kohlenklein gefüllte hinter einer festen, trommelförmigen Wand sich bewegt. Nach Eintritt der Ruhe treten zwei Stempel in der Achsenrichtung ein und pressen den Inhalt des letztgenannten Kanales zusammen. Nachdem die Walze abermals um |178| einen Theil gedreht ist, vermag der gebildete Ziegel, welcher mittels eines in den betreffenden Kanal greifenden Armes von den Wänden desselben losgestoſsen ist, frei herauszufallen.

Nachpresse für gelochte Verblendziegel von Otto Hoffmann und H. Dueberg in Berlin (* D. R. P. Nr. 12581 vom 10. Juni 1880 und Zusatz * Nr. 13283 vom 6. Juli 1880). Das Hauptpatent bezieht sich auf die Anbringung fester Dorne im Preſskasten, welche die Löcher des Steines während der Pressung frei zu halten haben. Diese Dorne sind unterhalb des Stempels mittels geeigneter Querstücke am Preſskasten befestigt und ragen durch den Stempel hindurch bis zum Deckel des Preſskastens. Die Pressung erfolgt sonach in der Richtung der Dorne; nach stattgehabtem Pressen wird der Stein in gewöhnlicher Weise durch den Stempel aus dem Kasten geschoben. Die neuere Construction (Nr. 13283) weicht von der soeben erläuterten Anordnung grundsätzlich ab. Sie setzt voraus, daſs die Löcher des Steines, somit auch die Dorne, winkelrecht zur Preſsrichtung, also wagrecht liegen. Deshalb können die Dorne erst nach dem Einlegen des Steines in die Presse an ihren Ort gebracht werden, indem man sie durch geeignete seitliche Oeffnungen der Preſskastenwände einschiebt; sie müssen nach der Seite herausgezogen werden, bevor das Ausstoſsen des Steines beginnt. Wenn auch die angedeuteten gesonderten Bewegungen der Dorne in geschickter Weise mit den Bewegungen des Preſskastendeckels verbunden sind, so bedingen sie doch eine reichere Gliederung der Maschine, gröſsere Anschaffungs- und Unterhaltungskosten. Erheblicher sind noch die Bedenken, welche die andere Preſsrichtung erweckt. Während der Pressung nähert sich die Stempeloberfläche der Unterseite der Preſskastendeckel. Sollen gröſsere Umformungen des Steines vermieden werden, so müssen sich die Löcher des Steines, also auch die Dorne, dem Preſskastendeckel in bestimmtem Maſse nähern; dies schlieſst die vorliegende Construction aus.

Ziegelsteinpresse von Jul. Matern in Rothenstein bei Königsberg i. P. (* D. R. P. Nr. 12411 vom 20. Januar 1880). Unter drei festen, neben einander liegenden Rahmen, deren lichte Abmessungen der verlangten Steingröſse entsprechen, befinden sich zwei ebensolche Rahmen, die gemeinschaftlich wagrecht so verschiebbar sind, daſs sie in ihren Ruhelagen genau unter zwei benachbarten festen Formen stehen. In jedem der unteren Rahmen ist ein den Querschnitt desselben ausfüllender Stempel angebracht, welcher sich über dem Mönche einer hydraulischen Presse befindet, sobald der Rahmen unter einem der äuſseren festen Rahmen steht. Diese beiden äuſseren Rahmen sind mit Stempeln versehen, welche mittels über ihnen hängenden hydraulischen Pressen bewegt werden, während über dem mittleren |179| festen Rahmen sich die Einschüttröhre befindet. Die unter dieser Röhre befindliche bewegliche Form nimmt bei tiefster Stellung ihres Stempels eine entsprechende Menge Thon auf, begibt sich dann unter eine äuſsere feste Form, worauf die Wirkung der zugehörigen unteren Presse eintritt. Diese schiebt den Thon in die feste Form und verdichtet ihn hier, da der Stempel derselben nicht ausweicht. Zu gleicher Zeit füllt sich die andere bewegliche Form. Nunmehr wird diese zwischen die Pressen geschoben, die erstere Form gelangt unter die Füllröhre und der vorhin gepreſste Ziegel wird durch die betreffende obere Presse nach unten aus seiner festen Form geschoben.

Die Theilconstruction der Maschine ist noch wenig entwickelt.

Ziegelpreſsmundstück von Louis Souchard in Berlin (* D. R. P. Nr. 12638 vom 20. April 1880). Die Bildung des Thonstranges findet im Wesentlichen wie gewöhnlich statt. Das hierzu dienende Mundstück ist dünnwandig und deshalb aus Stahlblech zu fertigen, seine vorderen Ränder sind – abweichend von den gebräuchlichen Mundstücken – geradlinig gestaltet. Wir vermuthen, daſs der Erfinder sich irrt, wenn er annimmt, daſs die hierdurch hervorgerufenen verschiedenen Austrittsgeschwindigkeiten bezieh. Verzerrungen des Thonstranges durch die drei Formen unschädlich gemacht werden sollen, durch welche der Thonstrang bezieh. die von ihm abgeschnittenen Steine nach Verlassen des vorhin genannten Mundstückes sich noch zu bewegen haben. Diese Formen bedingen jedoch die erwähnte geradlinige Gestalt der Mundstückkanten.

Die mehrgenannten Formen haben die Aufgabe, die Oberfläche des Thonstranges bezieh. der Steine zu glätten und beim Abschneiden dieselbe gegen Verdrückungen zu schützen. Die erste derselben ist über das Mundstück gestülpt und besitzt vor diesem eine nur schmale prismatische Durchbrechung. Zwischen ihr und der Mundstückauſsenseite flieſst Wasser, welches zum Netzen des Thonstranges dient; die schmale prismatische Innenfläche glättet den genetzten Strang. An dieser Form sind zwei weitere prismatische Formen befestigt, die ebenso lang sind wie die beabsichtigte Dicke der Steine. Sie schliefen nicht dicht an die erstere Form bezieh. an einander, so daſs die Abschneiddrähte durch die frei bleibenden Fugen hindurch sich bewegen lassen. Damit die Schnitte winkelrecht zur Längenrichtung des Thonstranges geführt werden können, werden die drei Formen während des Schneidens durch die Reibung des Thones vorwärts geschoben, während sie nach stattgefundenem Schneiden mittels eines Handhebels dem Mundstück wieder genähert werden.

Vor den Mundstücken befindet sich eine quer gegen die Preſsrichtung verschiebbare Platte, auf welche die einzelnen Steine behufs Abhebens treten. Sie wird durch einen bogenförmigen Schlitz so |180| geführt, daſs der auf ihr liegende Stein mit der letzten Form nicht in Berührung kommt.

Dachziegelpresse von C. Lücke in Eilenburg (* D. R. P. Zusatz Nr. 13133 vom 14. Juli 1880). Die allgemeine Anordnung der Presse ist derjenigen gleich, welche für Mauersteine angewendet wird (vgl. 1879 234 * 102. 1881 239 162). Die Oberform ist unter die feste Platte der Presse geschraubt, während drei Unterformen in dem beweglichen Preſstische sich befinden. Sie ruhen in demselben auf je zwei Zapfen, so daſs man behufs Abhebens der gepreſsten Steine die Formen um ihre Längenachse kippen kann. Nachdem eine mit einem Thonblatt belegte Unterform zwischen die feste Oberform und den Preſskolben gebracht ist, hebt letzterer die Unterform – was möglich ist, da die Lager der erwähnten Zapfen oben offen sind- und preſst sie gegen die Oberform bezieh. das Thonblatt. Bei dem Niedergange des Kolbens bewegt sich auch die Unterform nebst dem gepreſsten Ziegel nach unten, worauf der Tisch um 120° gedreht wird. Den letzteren hält eine Klinke in genauer Lage so lange fest, bis der Preſskolben in seine tiefste Stellung zurückgegangen ist.

Ziegelvorstoſsapparat zu Nachpressen von C. Schlickeysen in Berlin (* D. R. P. 3. Zusatz Nr. 13562 vom 8. August 1880). Die Nachpresse zu fortlaufendem Betrieb (1881 240 * 13) bedarf, wenn sie in jeder Beziehung zufriedenstellend arbeiten soll, eines Mechanismus, welcher sowohl die Ziegel der Form zuführt, als auch dieselben nach dem Pressen und Ausheben zur Seite bewegt. Das Grundpatent wie auch die ersten zwei Zusätze enthielten bereits Vorschläge solcher Mechanismen; der Gegenstand des vorliegenden Zusatzpatentes löst die Aufgabe anscheinend in befriedigender Weise.

Textabbildung Bd. 242, S. 180

Zwei Schienen k sind mittels eines gekröpften, starken Bleches a fest mit einander verbunden. In Augen b des Bleches a drehen sich die Zapfen eines doppelarmigen Hebels ch, dessen oberer Theil c als Handgriff ausgebildet ist, während der untere Theil h in die Schlitze zweier Winkelhebel d ragt. Diese Winkelhebel drehen sich um senkrechte, an k befestigte Zapfen und tragen die Klötze e, welche zum |181| Festhalten des Ziegels dienen sollen. Verschiebt man das Ganze im Sinne des Pfeiles I, indem man in geeigneter Weise gegen c drückt, so bewirkt der Hebeltheil h das Schlieſsen der durch die Winkelhebel d und Klötze e gebildeten Zange; durch sie wird der Ziegel Z festgehalten und mit Unterstützung des senkrechten Theiles des Bleches a im Sinne des Pfeiles I fortgeschoben.

Vor dem Ziegel Z befindet sich, an k befestigt, eine blecherne Flügelthür i, welche gegen den gepreſsten, ausgehobenen Ziegel stöſst und denselben während des Heranschaffens eines ungepreſsten Ziegels zur Seite schiebt. Im Verlaufe dieses Vorganges stoſsen die Arme o der Flügelthüren i gegen feste Vorsprünge der Presse und öffnen hierdurch die Thüren, so daſs sie während der Rückwärtsbewegung des gesammten Geräthes auf den zu pressenden Ziegel nicht einzuwirken vermögen. Letzterer wird bei Eintritt der Rückwärtsbewegung im Sinne des Pfeiles II von der Zange frei gelassen.

Der Mechanismus ist auch mittels Krummzapfen und Lenkstange von der Welle der Presse aus zu bewegen.

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