Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
Mittheilungen über Wasserwerke.Fortsetzung des Berichtes S. 162 d. Bd.Mit Abbildungen.Die Maschinenanlage des Wasserwerkes der Stadt Krefeld. (Taf. 20.)Die Maschinen dieses vom J. 1876 bis 1877 von B. Salbach erbauten Wasserwerkes haben die Aufgabe, 800cbm Wasser in 24 Stunden |250| Mit der Kurbel ist eine Schleppkurbel verbunden, deren Welle mittels Kegelräder die Steuerwelle und durch eine Kurbelscheibe die tiefstehende Kaltwasserpumpe treibt. Durchmesser des Schwungrades 5560mm, Gewicht desselben 9800k. Umgangszahl 22 in der Minute. Sämmtliche Rohrleitungen liegen unter dem Fuſsboden des Maschinenraumes. Die doppelt wirkende Druckpumpe einer jeden Maschine besitzt 375mm Durchmesser bei 1200mm Hub. Die Ventile sind Etagenventile mit guſseisernen Sitzkörpern und je 5 bronzenen Ringventilen, deren Hub 10mm beträgt und welche einen Durchgangsquerschnitt gleich der Kolbenfläche bieten. Jede Pumpe hat ihr getrenntes, 550mm weites Saugrohr mit Absperrschieber, Stopfbüchsencompensator und guſseisernem Saugwindkessel von 525mm Durchmesser und etwa 3m Höhe. Das Druckwasser tritt von jeder Pumpe durch ein 400mm weites Rohr, mit Stopfbüchsenausgleichung und Absperrschieber versehen, in den |251| Die Dampferzeugung besorgen zwei Kessel nach Galloway's System von je 91qm,4 Heizfläche und 16300k Gewicht. Hiernach ist jeder derselben im Stande, den zum Betriebe nöthigen Dampf zu erzeugen, ohne daſs eine Ueberanstrengung eintritt. Der Durchmesser des äuſseren Kesselmantels beträgt 2200mm bei 8m Länge. Die beiden Flammröhren zeigen da, wo die Roste liegen, 880mm Lichtweite und vereinigen sich hinter den Feuerbrücken in ein einziges ovales Rohr (vgl. Fig. 3 Taf. 20), welches 10 Reihen von je 2 bezieh. 3, in Summe 25 conische Querröhren von 320mm bezieh. 200mm Durchmesser enthält. Maximaldampfspannung 5at,5. Hinter jedem Kessel befinden sich zwei Reihen von zusammen 24 Speiseröhren von 80mm Lichtweite, bei 2650mm Länge, die durch die abziehenden Heizgase bestrichen werden. Die Kesselspeisepumpen entnehmen ihr Wasser den aus den Luftpumpen kommenden Abflüssen und drücken dasselbe durch die eben erwähnten Rohrsysteme (Vorwärmer) in die Kessel.
Die Lieferung und Aufstellung der Maschinen und Kessel geschah von der Friedrich Wilhelmshütte in Mühlheim a. d. Ruhr. Ueber die Betriebsresultate geben die Tabellen I und II (S. 251 und 252) Auskunft. Der vertragsmäſsig einzuhaltende Kohlenverbrauch betrug 28k,5 Kohle für 100cbm gefördertes Wasser. Nach den Resultaten der in Tabelle I niedergelegten Versuche ist diese Forderung reichlich erfüllt worden. Es ist hierbei im Auge zu behalten, daſs die verwendete Kohle magere Ruhrkohle war, welche zwar sehr hohen Rückstand lieſs, von der aber andererseits angegeben ist, daſs 1k Kohle 9k,74 Dampf erzeugt (vermuthlich nach Abzug des Rückstandes). Tabelle I.
Tabelle II.
Die bei den Versuchen geleistete effective Arbeit ergab sich bei 22 Touren der Maschine I zu 52e,55, bei Maschine II zu 52e,24 (bei 21,97 Umgängen) bezieh. zu 56e,4 (bei 22,57 Umgängen). Aus den gleichzeitig genommenen Indicatordiagrammen wurde die indicirte Leistung der Maschine für die Maschine I zu 73e,55, für die Maschine II zu 76e,15 bestimmt, so daſs also durchschnittlich 28 Procent der geleisteten Dampf arbeit durch Reibung in der Maschine und in der Pumpe verloren gehen. Der Kohlenverbrauch für 1e effectiv und Stunde beträgt im Mittel 1k,61 bezieh. 1k,39, je nachdem man einschlieſslich oder ausschlieſslich Rückstand rechnet; dies gibt für 1k Kohle 167700 bezieh. 194250k Wasser 1m hoch gehoben. Die Temperaturmessungen lieferten im Durchschnitt für die in den Vorwärmer tretenden Gase 201°, für die aus demselben entweichenden 140°, für das in den Vorwärmer eintretende Speisewasser 35°, für das denselben verlassende Wasser 56°. Ziffern aus dem eigentlichen Betriebe während eines Jahres gibt die Tabelle II. Nach dieser kommen auf: 100cbm gefördertes Wasser 212047 : 5044,41 = 42k,4 Kohle, 1e effectiv und Stunde 2k,27 Kohle, 1m Förderhöhe für 1k Kohle rund 119000k Wasser, sofern 50m Gesammtförderhöhe einschlieſslich des Bewegungswiderstandes, also günstig für die Maschinenleistung gerechnet wird. Ein Vergleich dieser Betriebsergebnisse mit den Resultaten der nur wenige Stunden währenden Versuche zeigt wieder die alte Thatsache, daſs man für den Betrieb brauchbare Zahlen mit seltenen Ausnahmen nur aus Versuchen gewinnen kann, welche sich auf längere Zeit erstreckt haben. Bei dem wenig continuirlichen Betrieb (vgl. die Stundenrubriken der Tabelle II) war ein solches Ergebniſs vorauszusehen. Von Interesse ist noch die Art der Zusammensetzung der Betriebskosten des Krefelder Wasserwerkes für das Jahr 1878/79 |253|
(Nach Salbach in Glaser's Annalen für Gewerbe und Bauwesen, 1881 Heft 1 und 3). C. |
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