Titel: F. Kick, über Neuerungen im Mühlenwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242 (S. 263–270)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/ar242085

Neuerungen im Mühlenwesen; von Prof. Friedr. Kick.

Mit Abbildungen auf Tafel 22.

(Patentklasse 50. Fortsetzung des Berichtes S. 181 d. Bd.)

Desintegratoren, Schlagstiftmaschinen, Scheibenmühlen werden theils zur weiteren Verkleinerung des auf Glattwalzen vorgequetschten oder auf Riffelwalzen geschroteten Weizens, theils aber zum Zwecke des Abmahlens der höheren Schrote verwendet, welche als noch ziemlich mehlhaltige Schalen oder Kleien betrachtet werden können, deren Endosperm oder Mehltheilchen man durch die schlagende Wirkung dieser Maschine abzustoſsen sucht.

Für diese letzte Verwendungsweise können die Desintegratoren auch in gröſseren Mühlen, welche Hochmüllerei treiben, mit Erfolg angewendet werden; so geschieht es z.B. in einer Mühle in Pest zum Ausmahlen des 6. und 7. Schrotes. Für die ersten Schrotungen, sowie für das Auflösen der Griese müssen die Walzen als weit vortheilhafter bezeichnet werden, weil durch sie die Verkleinerung allmählicher und mit gröſserer Schonung der Kleie erfolgt.

In der Flachmüllerei hingegen haben die Desintegratoren als eine ganz wesentlich der Verkleinerung dienende Maschine Fuſs gefaſst und werden sich dort vielleicht auch erhalten. Mit vollem Rechte werden sie bereits mehrseitig mit Aspirationsvorrichtungen verbunden, weil die lebhafte Verkleinerung, welche sie bewirken, nicht ohne Erwärmung und Verdunstung von Feuchtigkeit vor sich gehen kann und es daher gut ist, für Luftwechsel zu sorgen. Diesbezüglich sind zu erwähnen die Patente von Ferd. Kraus in Neuſs a. Rh. (* D. R. P. Nr. 11834 vom 14. März 1880) und C. G. W. Kapler in Berlin (* D. R. P. Nr. 13260 vom 9. Januar 1880). Diese beiden Maschinen arbeiten mit zwei in entgegengesetzter Richtung rotirenden Schlagstiftscheiben. Kapler benutzt conische Schlagstifte und kann durch Verschiebung des Kammlagerbockes |264| der einen Scheibe die Abstände der Bolzen während des Ganges verändern, wie dies durch Fig. 1 Taf. 22 angedeutet ist; während Kraus Schlagbolzen anwendet, welche an beiden Enden verdickt sind (vgl. Fig. 2 Taf. 22), und hierdurch dieselben mehr vor Abnutzung schützt, welche sich bei cylindrischen Bolzen erfahrungsmäſsig so ergab, wie dies Fig. 3 andeutet. Die Kraus'sche Anordnung dürfte rationeller sein; denn bei jener von Kapler arbeiten die Schlagbolzen nicht ihrer ganzen Länge nach, sobald ihre Entfernung durch Herausschieben des Lagerbockes vergröſsert wird. Da die Kraussche Maschine jedenfalls zu den durchdachtesten Constructionen dieser Gruppe von Maschinen gehört, so mag dieselbe durch Fig. 4 Taf. 22 im Verticalschnitte dargestellt sein, indem sich dabei auch noch Gelegenheit findet, auf einige Eigenthümlichkeiten aufmerksam zu machen.

Das Mahlgut gelangt von der Gosse a in den Cylinder b, dessen langsam bewegte Transportschnecke c es nach d führt. Hierbei bildet das Mahlgut gegen auſsen den Verschluſs und kann der Zufluſs durch den röhrenförmigen Schieber e von f aus regulirt werden. Von d gelangt das Mahlgut in die Aussparung der mit etwa 250 bis 300 Touren rotirenden Vertheilungsscheibe A, gegen welche die gleichfalls mit Schlagstiften armirte Scheibe B mit 1800 bis 2000 Touren arbeitet. Wenn das Mahlgut die Scheiben verläſst, aus denselben ausgeschleudert wird, so fliegt es. an die Zähne zweier Zahnringe g und h, von welchen g fest mit dem Gestelle verbunden ist, während h sich gegen g verstellen läſst. Hierdurch lassen sich die Zwischenräume der Zähne oder Zinken und dadurch wohl auch die Einwirkung dieser Zinkenringe, welche die Scheiben concentrisch umgeben, abändern. Hat das Mahlgut die Zahnringe verlassen, so wird es durch den äuſseren Mantel nach i geleitet und abgeführt. Das Mehlrohr i steht in geeigneter Weise mit der Aspiration in Verbindung. Aus der Figur ist ersichtlich, daſs die Scheibe B auf der Vollachse B1 aufgekeilt ist und die Scheibe A auf der Hohlachse A1. Die Achse B1 ist durch Schrauben s, s1 stellbar; daher läſst sich auch der Scheibenabstand berichtigen. Die durch die Aspiration abgesaugte Luft wird durch die hohle Welle A1 nachgesaugt; die Lager endlich sind durch Wasserumlauf gekühlt.

Diese Maschine soll stündlich 1000k vorgequetschtes Getreide verkleinern und beim ersten Durchgange eine Mehlausbeute von 7 bis 40 Proc. liefern. Bei einem Durchmesser von 600mm der Stiftscheiben ist der Kraftverbrauch angeblich 4 bis 5e.

Verwandt hiermit ist ferner auch die von A. Millot in Zürich als „Universal-Schrotstuhl“ eingeführte und unter * D. R. P. Nr. 8555 und Zusatz * Nr. 12457 vom 29. Juni bezieh. 4. November 1879 ab patentirte Maschine, welche jedoch ebenfalls, in so weit sie für Hochmüllerei Verwendung findet, zur Ausarbeitung der höheren Schrote, hingegen |265| als eigentliche Verkleinerungsmaschine für Roggen und Mais, sowie in kleineren Mühlen auch für Weizen dient.

Die eine Zahnscheibe ist mit dem Gestelle fest verbunden, die zweite rotirt mit der geringen Tourenzahl von 300 bis 400, indem es in Folge der Form der Verzahnung mehr darauf angelegt ist, die Mehltheilchen vom Schrote abzustreifen, als durch Wurf oder Schlag abzusprengen. Vgl. Fig. 5 bis 7 Taf. 22; erstere Figur stellt ein Stück einer der Mahlscheiben vor.

Die Scheiben sind Hartguſs und ihre conischen Zahnreihen sind so gebildet, daſs die Zähne gegen den Umfang dichter stehen, wie Fig. 5 zeigt. In Bezug auf die Anordnung dieser Maschine ist noch zu erwähnen, daſs beim Einlaufe ein Walzenpaar das Mahlgut vorquetscht.

H. Scharffenberg in Pinneberg, Prov. Holstein (* D. R. P. Nr. 11139 vom 14. December 1879) hat eine für Müllereizwecke fehlerhafte Construction einer Schleudermühle angegeben, denn seine Mahlscheiben, welche nach Fig. 8 Taf. 22 gebildet sind und mit den fein geriffelten Seitenflächen der ringförmigen Erhöhungen in einander greifen, müssen bei den angegebenen 1400 Touren der bewegten Scheibe eine Zerreiſsung der Kleientheilchen bewirken und daher ein schlechtes, miſsfarbiges Mehl liefern. Dieser Erfinder denkt sich, daſs durch die Centrifugalkraft „eine so dichte Zusammenschiebung“ der Mahlguttheilchen in den Furchen stattfindet, daſs „eine Zerreibung des Mahlgutes in sich (!) selbst erzielt wird“; die fein geriffelten Seitenflächen sollen hierbei nicht mitwirken, sondern nur bedingen, daſs das Mahlgut die rotirende Bewegung mitmacht. – Es ist wohl klar, daſs diesem Wunsche die geriffelten Flächen nicht nachkommen werden.

Sobald man die Wurf- und Schlagwirkung der Desintegratoren für geeignet zur Getreideverkleinerung hält, so muſs man auch die Berechtigung eines Apparates, bei welchem das Getreide durch einen auſserordentlich rasch bewegten Luftstrom gegen eine feste Fläche geschleudert und dadurch verkleinert wird, als berechtigt anerkennen; denn die Art der Verkleinerung ist in beiden Fällen wesentlich dieselbe. Andererseits werden aber auch alle die üblen Erfahrungen, welche man bei den Desintegratoren betreffs der geringen Schonung der Kleie machte, hier ebenfalls Geltung haben.

L. S. Chichester in Jersey-City, Nordamerika (* D. R. P. Nr. 12916 vom 16. Juli 1880) hat sich einen Strahlapparat und ein Verfahren patentiren lassen, welches seiner Originalität wegen erwähnt zu werden verdient, das aber wohl für die Mehlerzeugung nur untergeordneten Werth besitzt. Die Sache ist eigentlich eine technologische Umkehrung des Tilghman'schen Sandstrahl-Apparates. Während bei diesem der Sand gegen feste Körper, Glas u. dgl., geblasen wird, damit dieselben an den nicht durch elastische Schablone geschützten Stellen mattirt |266| oder vertieft werden, will Chichester das Getreide gegen eine widerstandsfähige Platte treiben und daran zerschellen. Er bedient sich hierzu des in Fig. 9 Taf. 22 skizzirten Apparates. Aus einem Gefäſse a, in welchem sich Luft von 30 bis 35at Pressung befindet, strömt dieselbe durch b und c in den Raum d und von diesem durch h in den Raum i. Das Getreide wird durch das in Folge der raschen Luftbewegung entstehende Vacuum von e durch f und g nachgesaugt, mitgerissen, gegen die feste Wand k geschleudert und daran zerstäubt. Der zweite Theil des Apparates ist eine Verdopplung des ersten Theiles und nicht wesentlich. Dieser Verkleinerung soll nach der gewöhnlichen Reinigung des Getreides ein Feuchten, Schälen, Schwitzen und endlich ein Trocknen im Vacuum folgen. Sehr wenig sachkundig ist die Behauptung der Patentschrift: „Durch die Behandlung des Getreides in luftdicht geschlossenen Gefäſsen werden alle Verunreinigungen ausgeschwitzt“. Chichester's Apparat könnte den Desintegratoren Concurrenz machen, in der Hochmüllerei wird er keine bleibende Verwendung finden können.

Mehlsichtmaschinen. Die Verbesserungen der Mehlsichtmaschinen oder der Beutlerei beziehen sich fast sämmtlich auf die Centrifugal-Sichtmaschinen; denn diese sind gerade modern, wenn sie auch fast mehr Schatten- als Lichtseiten im Vergleich zu den längst bewährten gewöhnlichen Mehlcylindern darbieten. Die Vortheile sind Raumersparniſs und leichteres Auswechseln der Bespannung, die Nachtheile sind gröſserer Kraftverbrauch und bedeutend rascherer Verschleiſs der Seidengaze, selbst bei sorgfältigster Wartung und Anwendung aller Achtsamkeit.

Durch die im Innern der Centrifugalsichter rasch rotirenden Schläger wird das Sichtgut gegen die Bespannung geworfen und die Richtung des Fluges der Theilchen muſs stets eine Tangente an den äuſseren Schlägerkreis sein. Weil nun dieser Kreis nicht weit von der Bespannung absteht und diese mehr oder minder concentrisch ist, so muſs der Winkel, unter welchem das Mahlgut gegen die Siebfläche trifft, ein sehr kleiner oder spitzer sein. Mag auch die Bahn des Sichtgutes durch die Luftbewegung beeinfluſst werden, sehr wesentlich kann dieser Einfluſs doch nicht sein, weil auch die Luft eine kreisende Bewegung annehmen muſs. Dieses schräge Auffliegen des Sichtgutes mag mit eine der Ursachen des starken Gaze Verbrauches sein.

Der wesentlichste Vortheil der Centrifugalsichter ist wohl die Raumersparniſs und, um diese noch weiter zu treiben, hat Nagel und Kaemp in Hamburg (* D. R. P. Nr. 15289 vom 24. December 1880) den Beutelkasten seiner Höhe nach dadurch reducirt, daſs er unter dem Cylinder zwei Mehlschrauben anbrachte, welche ein so weites Verlängern der Rutschflächen nach abwärts nicht erfordern.

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Die meisten übrigen „Verbesserungen“ beziehen sich auf die Form der Schläger oder die Lage der Bespannung.

Heinrich Seck in Frankfurt a. M. (* D. R. P. Nr. 15061 vom 19. September 1880) bespannt den Sichtcylinder stufenförmig, wie dies Fig. 10 Taf. 22 darstellt. Das Gerippe des Sichtcylinders ist aus Eisenröhren gebildet; die etwas weiteren Röhren r sind mit Stiften besetzt, an welchen das eingesäumte Seidengaze befestigt und dann um die kleineren Rohre i und zwischen deren Anschluſsleisten so herum gelegt wird, wie es die Figur andeutet. Durch diese Anordnung ist erreicht, daſs die Winkel, unter welchen das Mahlgut gegen die Siebflächen geschleudert wird, weniger spitz, also günstiger ausfallen.

Ferd. Kraus in Neuſs a. Rh. (* D. R. p. Nr. 12460 vom 15. Mai 1880) hat die in Fig. 11 Taf. 22 dargestellte Flügelform gewählt und will dadurch einerseits erreichen, daſs der Flügel nach einem Stillstande der Mühle die am Grunde des Cylinders angesammelten Massen gut fasse und weiter führe; andererseits soll das ergriffene Sichtgut durch die Spalte a gegen den Sichtcylinder treten. Dies wird zwar geschehen, aber auch nur in der Richtung der Tangente, und kann durch diese Flügelform nicht viel gewonnen werden.

Eine noch weniger wesentliche Aenderung ist jene, welche Wilh. Herm. Bernhardt in Stettin (* D. R. P. Nr. 14158 vom 30. October 1880) einführte, indem er auſser vier Schlägern gewöhnlicher Construction noch vier Zwischenflügel anbrachte, welche mit Kämmen wechselweise versetzter Rohrstifte besetzt sind.

H. Sellnick in Leipzig (* D. R. P. Nr. 13823 vom 26. Mai 1880) lieſs sich die in Fig. 12 Taf. 22 dargestellte Flügelform patentiren, bei welcher die Flügel a als Schläger oder Treiber wirken, während jene a die Aufgabe haben sollen, das Sichtgut wieder vom Umfange zurück, gegen einwärts zu ziehen, wodurch eine bessere vertheilende „Wechselwirkung“ entstehen soll. Es ist möglich, daſs durch diese Anordnung noch mehr Luftwirbel entstehen als gewöhnlich; viel kann sie aber zur besseren Wirkung wohl nicht beitragen.

Mehr von dem Hergebrachten abweichend ist die Sichtmaschine von Hermann Paatz in Hamburg (* D. R. P. Nr. 14897 vom 14. December 1880). Diese Maschine besitzt vier Schläger und zwischen denselben angeordnet vier durch hohle Arme und die hohle Achse mit einem Druckventilator verbundene Röhren, welche gleich den Schlägern rotiren und durch eine Reihe von Düsen Luft gegen den Siebcylinder blasen. Es ist wohl möglich, daſs diese vielen die Innenfläche des Siebes treffenden Luftströme sowohl anhaftendes Sichtgut durchtreiben, als zusammenhängende anhaftende Mahlguttheilchen entfernen; aber wenn Luft in das Innere der Maschine geblasen wird, so muſs aus |268| derselben auch Luft entweichen können. Diese wird mit Mehltheilchen geschwängert sein und würde, falls nicht durch Aspiration mit Mehlfilter für die staubfreie Luftabfuhr gesorgt wäre, zu mannigfachen Unzukömmlichkeiten führen.

Die verticale Anordnung der Centrifugal-Sichtmaschinen unterliegt zwar keinem Anstände; sie empfiehlt sich aber wohl selten, weil man bei den gleichen Stockwerkshöhen weit weniger Cylinder über einander anbringen kann und dann gezwungen ist, das Mahlgut durch kleine Elevatoren mehrmals zu heben.

C. Müller und Comp. in Bockenheim bei Frankfurt a. M. (* D. R. P. Nr. 10517 vom 23. December 1879) hat sich eine Sichtmaschine mit feststehendem verticalem Gazekegel patentiren lassen, in welchem ein Blechkegel mit im Querschnitt dreieckigen Leisten rotirt, dessen Form aus Fig. 13 Taf. 22 ersichtlich ist.

Andere Neuerungen, so namentlich jene, bei welchen rotirende Bürsten verschiedener Anordnung das Mehl durch den Sichtcylinder bürsten sollen, oder solche, bei welchen den Bürsten die Aufgabe zufällt, von auſsen wirkend die Maschen des Siebes frei zu halten, können übergangen werden, weil sie zumeist nur geringe Abänderungen bereits längst aufgegebener oder nur bei roher Flachmüllerei angewendeter Mechanismen sind.

Griesputzmaschinen. Es liegen hier weniger, aber ein Paar recht gute Neuerungen vor. Zunächst sei A. Millot's Maschine zum Putzen feiner weicher Griese erwähnt, welche auf dem Princip der Cabanes'schen für eben diesen Zweck bei richtiger Wartung gleichfalls sehr guten Putzmaschine beruht. Fig. 14 Taf. 22 zeigt bei a die Gosse, b ist die Regulirung des Einläufers, c die Speisewalze, d und e sind die an den Federn f hängenden Siebe, welche ihre rüttelnde Bewegung von der verticalen Welle g erhalten. Der Ventilator v zieht die Luft ab, welche von auſsen bei L und durch die Luftregulirschieber s1 bis s3 eintreten kann; k ist eine Regulirungsklappe. Die Luftströme lassen die leichteste Kleie gar nicht durch das Sieb, sondern treiben sie von demselben gegen den Ventilator. Die schwersten und besten feinen Griese gelangen nach I, mindere Sorten (Ueberschläge) nach II und III. Damit mildere Griese nicht die Siebe verlegen, ist der Hammer h vorhanden, welcher von der unrunden Scheibe i seine Bewegung erhält, durch die Schnur n aber auſser Thätigkeit gesetzt werden kann.

Aug. Rudolf, Müller in Eibenstein (Niederösterreich), hat die durch Fig. 15 Taf. 22 dargestellte Griesputzmaschine, gleichfalls mit saugendem Ventilator V arbeitend, eingeführt, bei welcher die mit 250 bis 400 Touren arbeitenden Holzwalzen w den vom Sauberer S zugeführten Gries in einem feinen, aufgelösten Strahle vor den Wind bringen |269| und hierdurch die Wirkung desselben wesentlich erhöhen. Bei I sammelt sich der beste, in II ein minder schwerer Gries und in III die leichteren Ueberschläge an. Um dieselbe Maschine zum Putzen verschiedener Griesnummern verwenden zu können, läſst sich die Geschwindigkeit der Förderwalzen verändern, zu welchem Zwecke sowohl an diesen, wie an der Ventilatorachse, von welcher der Antrieb der Walzen ausgeht, kleine Stufenscheiben angebracht sind. Mit k sind auch hier Stellklappen bezeichnet.

Unter der Bezeichnung „Siebvorrichtung mit abklopfbarem Luftfilter“ lieſs sich Oscar Oexle in Augsburg (* D. R. P. Nr. 9718 vom 8. April 1879) eine Gries- und Dunstputzmaschine patentiren, deren wesentlichste Eigenthümlichkeiten aus dem Querschnitte Figur 16 Taf. 22 erkannt werden können. S ist das Sieb oder der Sauberer, welchem die Griese durch ein Rohr zugeführt werden. Die Luft wird durch einen Saugventilator bei e abgeführt und tritt in den schrägen unteren Seitenwänden die äuſsere Luft nach, welche, durch das Sieb gehend, die leichten Theile mitnimmt und gegen das Luftfilter f führt, von welchem sie, namentlich beim Abklopfen, nach t gelangen. Bei g werden die schwersten Griese erhalten; leichter Uebergang bleibt am Sauberer S, Kleie gelangt nach t. Durch g und t sind Transportschrauben angedeutet. Die Abführung der Sichtproducte erfolgt durch Schläuche, deren Klappen sich nach auſsen öffnen und der Luft keinen Zutritt gestatten. Die Maschine dürfte sich für milde Griese gut eignen.

Friedr. Thompson und W. H. Williamson in Wakefield, England (* D. R. P. Nr. 10404 vom 6. December 1879) haben eine Griesputzmaschine construirt, welcher Haggenmacher's Kesselmaschine als Grundlage gedient haben mag. Die Maschine hat mehrere Etagen, deren nur zwei die Figur 17 Taf. 22 darstellt. Das Ende der Zuführgosse ist bei z angenommen. Mit der verticalen rotirenden Spindel s sind der Streuteller t, das Blechrohr r und die Kegel k1, k2, k3 mit ihren kleineren Streutellern verbunden. Man hat es hier, wie ersichtlich, mit einer zu den Centrifugal-Griesputzmaschinen gehörigen Maschine zu thun. Die Luft wird durch den Saugventilator aus r abgesaugt, tritt daher von auſsen nach und wird schlieſslich den Gries in drei Sorten geschieden haben. Diese Maschine wird sich besonders zum Putzen feiner Griese und harter Dünste eignen.

Bei allen diesen Anordnungen hängt die richtige gute Wirkung wesentlich davon ab, daſs die Stärke des „Saugwindes“ der Griesqualität richtig angepaſst ist. Daher darf man nicht Maschinen, welche verschiedene Griesqualitäten bearbeiten, durch denselben Ventilator betreiben, wie dies zuweilen vorkommt.

Daſs sich bei der jüngsten Müllerei-Ausstellung in London nach einer Angabe der Mühle die Griesputzmaschine von Kingland Smith |270| (vgl. 1880 237 * 204) nicht bewährt haben soll, wird seinen Grund wahrscheinlich im ungenügend functionirenden Rüttelwerk gehabt haben, welchem die eigentliche Sonderung zufällt; denn die elektrisch gemachten Walzen ziehen stets alle obersten Theilchen an, gleichviel ob Dunst oder Kleie. Wirkt das Rüttelwerk gut, d.h. bringt es die Kleietheilchen hinauf, dann werden vorwaltend auch diese abgehoben und die Sonderung muſs eine gute werden.

Diesbezüglich kann die Wirkung gar nicht fraglich sein; anders steht es aber mit der Menge der Leistung und könnten andere Maschinen in dieser Hinsicht besser arbeiten.

Hilfsgeräthe und Maschinen. Unter den hierher gehörigen Verbesserungen seien erwähnt die Mühlsteinpickenhalter von Karl Auerbach und Sohn in Gera (* D. R. P. Nr. 12891 vom 25. Juli 1880) und H. C. Petersen in Schleswig (* D. R. P. Nr. 13062 vom 17. August 1879), welche durch Fig. 18 bezieh. 19 Taf. 22 dargestellt sind. Beide Anordnungen sind ohne nähere Auseinandersetzung aus der Zeichnung verständlich, sobald bemerkt wird, daſs in Fig. 18 e ein Excenter und k ein federnder Keil ist, während die Picke in Fig. 19 am Rücken eine Querrippe r besitzt, welche sich in eine Nuth des Halters einlegt und durch den Keil k festgezogen wird.

Die vorliegenden Patente über Mehlmischmaschinen zeigen keine wesentlich neuen Ideen, sondern verwenden den Streuteller oder die Mischscheibe als wesentlichsten Bestandtheil zur Füllung eines Raumes mit Horizontalschichten der zu mischenden Mehle, welche dann in verticalen Schichten entweder durch Zuhilfenahme von Schaufeln, oder eines eigenen Mechanismus abgenommen und hierdurch gemengt werden, oder einem zweiten Streuteller zugeführt werden können. Dadurch, daſs man die zu mischenden Mehle in dem beabsichtigten Mischungsverhältniſs durch einfache, etwa dem Rumpfzeug der alten Mühlen nachgebildete Zuführungen gleichzeitig der Mischscheibe zuleiten würde, lieſse sich für gröſsere Anlagen die Aufgabe einfach und rein maschinell lösen, ohne daſs es nöthig wäre, in der eigentlichen Mischkammer andere Mechanismen, als die an der Decke angebrachte Mischscheibe in Gang zu setzen.

Prag im September 1881.

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