Titel: Lepage's Herstellung von Sammtgeweben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242 (S. 419–420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/ar242138

Neue Herstellung von Sammtgeweben.

Mit Abbildungen auf Tafel 34.

In dem Bulletin de la Société d'Encouragement, 1881 Bd. 8 S. 289 wird auf ein neues Arbeitsverfahren zur Erzeugung glatter und gemusterter Sammtgewebe aufmerksam gemacht, welches nach dieser Quelle zwar noch nicht industrielle Verwerthung gefunden, für dessen Brauchbarkeit aber zahlreiche Versuche sehr günstig sprechen.

Während bei den nach der bisher üblichen Methode erzeugten Sammtgeweben, deren Flor von Schuſsfäden gebildet wird (Schuſssammte), die Länge und Dichte des Flors stets in einem bestimmten Verhältniſs zu einander stehen, stellt der Erfinder des genannten Verfahrens, der Franzose Lepage in Bernot (Aisne), Schuſssammt dar, Welcher bezüglich der Güte des Flors dem eigentlichen oder Kettensammt nicht nachstehen soll. Die Wahrheit dieser Behauptung dürfte sich bestätigen, da das angewendete Arbeitsverfahren mit dem bei der Kettensammtfabrikation üblichen im Princip übereinstimmt.

Die dort benutzten Sammtnadeln sind hier durch schwache Metalldrähte ersetzt, welche unterhalb der Stoffkette k (Fig. 14 und 15 Taf. 34) eine zweite mit dieser gleich hoch im Riet stehende Kette n bilden. Befestigt sind die einzelnen Drähte (Sammtnadeln) einerseits an dem Brustbaum J des Stuhles, andererseits unter Zwischenschaltung von elastischen Schnüren oder Drahtspiralen an einer dem Streichbaum nahe und parallel liegenden Schiene. Zur Anspannung dieser Drähte dienen die Schrauben P; ihren gegenseitigen Abstand sichert der an der Vorderseite des Brustbaumes mittels der Schrauben L befestigte Kamm K, dessen Zahntheilung mit derjenigen des Rietblattes übereinstimmt. Der Abstand zwischen Drahtkette und Zeugkette bestimmt die Länge der zu bildenden Noppen. Die Sammtnadeln n verbleiben bei der Fachbildung für das Eintragen des Polschusses entweder in ihrer Tieflage, oder werden mittels einer Jacquardmaschine in das Oberfach der Zeugkette gehoben; sie bilden dann ebenfalls ein offenes Fach, durch welches die Polschütze gleitet.

Für die richtige Einbindung des Polfadens in das Grundgewebe muſs zwischen je zwei oder mehr benachbarten Oberfachdrähten stets |420| mindestens ein Zeugkettenfaden in das Unterfach gebracht werden. Nach erfolgtem Schluſs des Zeugfaches läuft daher der Polfaden p unterhalb der Nadeln n und oberhalb der Kettenfäden k hin, wie dies aus Fig. 16 zu ersehen. Die Senkung der Sammtnadeln n in die Anfangslage n1 bewirkt Herabziehen des unter ihnen liegenden Polfadens, so daſs dieser die Noppen o bildet (Fig. 17), welche dann bei dem Vorschreiten des Gewebes gegen den Brustbaum durch die Kreismesser C aufgeschnitten werden (Fig. 18).

Diese Kreismesser sind auf einer parallel zum Brustbaum liegenden Welle B in solcher Zahl und solchem gegenseitigen Abstand befestigt, daſs je eines derselben zwischen zwei Sammtnadeln eintritt. Zur Erleichterung des Schnittes und längeren Erhaltung der Schneide empfängt die zwischen den Spitzen D und E gelagerte Messerwelle von der Jacquardmaschine eine periodische Drehung, mittels der über die Rolle F gelegten Schnur G. Zur richtigen Einstellung der Messer dienen die Schrauben M und N. Das fertige Sammtgewebe wird über den Glasstab V abgeleitet.

Durch die Anwendung der Jacquardmaschine zur Nadelbewegung ist die Erzeugung von Noppen an irgend einer Stelle des Grundgewebes ermöglicht, also das Hervorbringen beliebig gestalteter Muster, zwischen denen der Polfaden durch die Stoffkette eingebunden ist. Beliebige Farbmuster lassen sich dagegen leicht durch verschiedenfarbigen Polschuſs auf einem Stuhl mit Wechsellade erzeugen. Die Länge des Flors bestimmt der Abstand der Drähte von der Zeugkette und die Zahl der benachbarten Drähte, welche gleichzeitig in das Oberfach gehoben werden.

H. F.

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