Titel: Zur Kenntniſs des Atropins.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242/Miszelle 13 (S. 71–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/mi242mi01_14

Zur Kenntniſs des Atropins.

Die bei 115 bis 115,5° schmelzenden Alkaloide der Belladonnawurzel (Atropin) und des Stechapfelsamens (Daturin) sind nach E. Schmidt (Liebig's Annalen, 1881 Bd. 208 S. 196) vollkommen identisch. Die verschiedenartige Wirkung der im Handel vorkommenden Atropinsulfate ist zum Theil auf eine Beimengung von Tropinsulfat zurückzuführen, welches bei ungenügender Reinigung der freien Base sich leicht dem Atropinsulfate beimengen kann. Das in den Atropa- und Daturabasen vorkommende Hyoscyamin, welches sehr ähnlich, wenn nicht ebenso, wie das Atropin wirkt, dürfte kaum von Einfluſs sein auf die Wirkungsweise der käuflichen Atropinsulfate. Die von |72| Pöhl gemachte Annahme, daſs die verschiedenartige Wirkungsweise der käuflichen Atropine zurückzuführen sei auf einen wechselnden Gehalt derselben an Daturin, ist durch den Nachweis der Identität von Atropin und Daturin widerlegt. Auch die Gefahr der Verunreinigung des Atropinsulfates mit dem Sulfate des Belladonnins, falls letzteres sich noch als ein chemisches Individuum erweisen sollte, ist ausgeschlossen, sobald zur Darstellung des Atropinsulfates nur eine Base zur Anwendung gelangt, die durch wiederholte Umkrystallisation zunächst in farblose, spieſsige, bei 115 bis 115,5° schmelzende Krystalle verwandelt ist.

Die Untersuchungen von A. Ladenburg (Liebig's Annalen, 1881 Bd. 206 S. 274) über die natürlich vorkommenden mydriatisch wirkenden Alkaloide ergeben, daſs in den Solaneen folgende Mydriatica vorkommen:

Das Atropin, C17H23NO3, findet sich in Atropa Belladonna und in Datura Strammonium und spaltet in Tropasäure, C9H10O3, und Tropin, C8H15NO.

Das Hyoscyamin, C17H23NO3, findet sich in Atropa Belladonna, in Datura Strammonium, Hyoscyamus niger und Duboisia myoporoides, spaltet in Tropasäure und Tropin.

Das Hyoscin, C17H23NO3, findet sich in Hyoscyamus niger, spaltet in Tropasäure, C9H10O3, und Pseudotropin, C8H15NO.

Diese 3 Basen sind demnach unter einander isomer (vgl. 1880 237 83).

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