Titel: Ueber die Bestandtheile der Pommeranzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242/Miszelle 13 (S. 151)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/mi242mi02_13

Ueber die Bestandtheile der Pommeranzen.

Hesperidin, C22H26O12, ein in der Familie der Aurantiaceen weit verbreitetes Glykosid, wird, wie bereits E. Hoffmann gezeigt hat., am leichtesten aus den officinellen, getrockneten unreifen Pommeranzen gewonnen, welche davon 10 Procent ihres Gewichtes enthalten. Nach F. Tiemann und W. Will (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 946) werden die gröblich zerstoſsenen Pommeranzen so lange mit groſsen Mengen von Wasser ausgelaugt, als in den wässerigen Auszügen durch Bleiacetat noch eine Fällung hervorgerufen wird. Man erschöpft den Rückstand darauf mit einem Gemisch aus gleichen Volumen Alkohol und Wasser, dem man 1 bis 2 Procent seines Gewichtes an Natriumhydrat hinzugefügt hat. Die Extraction ist beendigt, wenn die verdünnte alkoholische Natronlange sich nicht mehr färbt. Man kann sie beschleunigen, indem man die stark aufgequollene Masse wiederholt durch scharfes Abpressen von der aufgesaugten Lösung befreit. Aus den alkoholischen Auszügen wird durch verdünnte Mineralsäuren rohes Hesperidin gefällt. Die letzteren Auszüge liefern ein reineres, weniger gefärbtes Product als die ersteren. Behufs weiterer Reinigung wird das rohe Hesperidin mit nicht zu kleinen Mengen 90 procentigen Alkohols ausgekocht, wobei färbende Verunreinigungen neben geringen Mengen von Hesperidin in Lösung gehen. Die so behandelte, nunmehr fast farblose Masse wird in stark verdünnter Alkalilauge, der man eine kleine Menge Alkohol hinzugesetzt hat, bei gewöhnlicher Temperatur gelöst und aus dieser Lösung durch Einleiten eines sehr langsamen Stromes von Kohlensäure wieder gefällt. Der gut ausgewaschene Niederschlag besteht aus reinem Hesperidin. Dasselbe bildet weiſse, geruch- und geschmacklose mikroskopische, feine Nadeln, ist unlöslich in Aether und nahezu unlöslich in Wasser, auch Alkohol nimmt davon nur sehr geringe Mengen auf. Es schmilzt unter Zersetzung bei 251°. Von den Spaltungsproducten des Hesperidins sind hervorzuheben das Hesperetin, C16H14O6, die Hesperetinsäure C10H10O4, und das Vanille ähnlich riechende Hesperetol, C9H10O2.

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