Titel: Rechenschieber von Franz Ruth in Leoben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242/Miszelle 8 (S. 149–150)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/mi242mi02_8

Rechenschieber von Franz Ruth in Leoben.

Zur Benutzung als Rechenschieber sind hier 5 aus stärkstem Carton bestehende Maſsstäbe, welche an beiden Rändern mit lithographirten logarithmischen Theilungen versehen sind, bestimmt. Die den logarithmischen Theilungen zu Grunde gelegte Einheit ist im Gegensatze zu den sonst im Gebrauche stellenden Schiebern groſs gewählt und miſst 30cm, so daſs die Gesammtlänge der Maſsstäbe etwas über 60cm beträgt, wodurch es möglich war, die Theilungen aller Scalen weiter fortzuführen, als dies sonst üblich ist, ohne das deutliche Ablesen an den Scalen zu beeinträchtigen. Die Benutzung der genannten 5 Maſsstäbe zu Rechenschiebern erfolgt nun derart, daſs nach Erforderniſs 3 der Maſsstäbe auf dem beigegebenen 7cm breiten Brettchen in der geeigneten Reihenfolge an einander gelegt werden, so daſs die Anfänge der Theilungen übereinstimmen, und nun werden die beiden äuſseren mit Heftnägeln befestigt, so daſs der mittlere als Schieber oder Zunge benutzte Maſsstab sich zwischen den beiden anderen leicht verschieben läſst, was keinerlei Schwierigkeiten macht. Auf diese Weise wird also mit diesen Maſsstäben ein Rechenschieber hergestellt; der Zeitaufwand für die Herstellung eines solchen ist sehr gering und wird reichlich aufgewogen dadurch, daſs die Verschiebung der Zunge jederzeit leicht, scharf und schnell vor sich geht, was bekanntlich bei den gebräuchlichen Holzschiebern weniger der Fall ist.

Die 10 vorhandenen Theilungen sind gut ausgeführt und ermöglichen die 5 Maſsstäbe der Hauptsache nach 5 verschiedene Zusammenstellungen, also 5 verschiedene Rechenschieber und zwar: 1) Zur Berechnung von Ausdrücken von der Form: u.s.w. 2) Bestimmung der Logarithmen von Zahlen und umgekehrt. 3) Maſs- und Gewichtsverwandlungen, Multiplication und Division mit häufig, besonders in der Ingenieurpraxis vorkommenden Constanten. 4) Multiplication und Division |150| mit Sinus, Cosinus, Tangente, Cotangente eines Winkels, also Berechnung rechtwinkliger und schiefwinkliger Dreiecke u. dgl. Endlich 5) Berechnung der Formeln: D = Cl sin2 z und h = ½ Cl sin 2 z und zwar werden durch eine einzige Einstellung des Schiebers die Resultate beider Formeln sofort abgelesen, was zur raschen Berechnung der Daten tachymetrisch bestimmter Punkte für geodätische Zwecke besonders wichtig ist.

Die mit diesen Schiebern erreichbare Genauigkeit ist eine für alle Zwecke der Praxis mehr als ausreichende, indem durchschnittlich der Fehler 0,001 nicht übersteigt, in den meisten Fällen jedoch sogar weit geringer ist, wie zahlreiche mit solchen Schiebern ausgeführte Rechnungen ergeben haben. Aber auch um den Gebrauch des Rechenschiebers zu erlernen und einzuüben, können die vorbesprochenen Maſsstäbe um so mehr gute Dienste leisten, als ihr Anschaffungspreis (3 M.) ein weit geringerer ist als der Preis der im Handel sonst vorkommenden Rechenschieber. Auch kann man sich durch Fixirung einiger der Maſsstäbe in bestimmten Stellungen vortheilhaft Tabellen ersetzen, wie z.B. Quadrat- und Quadratwurzeltafeln, Reciprokentafeln, 4 stellige Logarithmentafeln u.s.w. Das Nähere hierüber, sowie über die Ausführung der Rechnungen mit diesen Schiebern, welche alle mit der Mehrzahl der gebräuchlichen Rechenschieber ausführbaren Operationen lösen, ist in der den Maſsstäben beigegebenen Erläuterung: Theorie der logarithmischen Rechenschieber von F. Ruth (45 S.) mit Beispielen erörtert und begründet. Zu beziehen sind diese Maſsstäbe sammt der Erläuterung durch die Universitätsblichhandlung von Leuschner-Lubensky in Graz.

L.

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