Titel: Zur Kenntniſs des Opiums.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242/Miszelle 14 (S. 230–231)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/mi242mi03_14

Zur Kenntniſs des Opiums.

Nach E. Mylius (Pharmaceutische Centralhalle, 1881 S. 87, 105 und 115) gibt die Bestimmung des Morphiums mittels Jodsäure in der von Stein (Archiv der Pharmacie, Bd. 198 S. 150) und von Neubauer (Zeitschrift für analytische Chemie, 1872 S. 331) angegebenen Weise kein brauchbares Resultat. Er empfiehlt dagegen das folgende colorimetrische Verfahren: Man kocht 0g,5 Opiumpulver mit etwa 10cc Wasser in einem 50cc-Kölbchen, versetzt mit 3g Bleiessig, füllt zu 50cc mit kaltem Wasser auf, filtrirt, fällt mit 15 Tropfen Schwefelsäure und filtrirt abermals. Ferner löst man 0g,1 Morphium und 3g verdünnte Schwefelsäure in 100cc Wasser. Man bringt nun in zwei einseitig zugeschmolzene, 16cm lange, 1cm,5 weite und in 0cc,2 getheilte Röhren je 5 Tropfen einer Lösung von Jodsäure in gleichen Theilen Wasser, 5cc Schwefelkohlenstoff und endlich 10cc der reinen Morphiumlösung in das eine Rohr und 10cc des vorbereiteten Opiumauszuges in das andere. Da die Jodsäure |231| durch den Schwefelkohlenstoff von der Morphinlösung getrennt ist, so findet vorläufig eine Einwirkung nicht statt. Man setzt nun die Korke auf und schüttelt 2 bis 3 Minuten, setzt die Röhren in ein Gestell und vergleicht nach 10 Minuten die Färbungen des Schwefelkohlenstoffes mit einander. Erweisen sich nun in beiden Proben die Färbungen gleich stark, so enthält das Opium 10 Proc. Morphin. Sind sie dagegen verschieden stark, so setzt man zu dem Glase, in welchem sich der stärker gefärbte Schwefelkohlenstoff befindet, nachdem man sich überzeugt hat, daſs es noch genau 15cc Flüssigkeit enthält, so viel Schwefelkohlenstoff, daſs beide Ausschüttelungen gleich gefärbt sind. Indem man nun abermals den Stand der Flüssigkeit in dem Glase abliest, in welches der Schwefelkohlenstoff nachgetragen worden ist, erfährt man das Volumen des zugesetzten Schwefelkohlenstoffes. Den Procentgehalt des untersuchten Opiums berechnet man dann nach dem Verhältniſs 5 : (5 + y) = 10 : x, worin y das Volumen des zugesetzten Schwefelkohlenstoffes und x den Procentgehalt des Opiums bedeutet.

E. Grimaux (Comptes rendus, 1881 Bd. 92 S. 1138) erhielt durch Behandlung von Morphium, C17H19NO3, mit Jodmethyl Codeïn, C18H21NO3, und Homologe desselben; Codeïn ist demnach der Methyläther des Morphiums.

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