Titel: Zur Kenntniſs der Staſsfurter Mineralien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242/Miszelle 13 (S. 311)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/mi242mi04_13

Zur Kenntniſs der Staſsfurter Mineralien.

Während es Rammelsberg für wahrscheinlich hielt, daſs der Kieserit ursprünglich wasserfrei gewesen ist, die untersuchten Proben aber der Formel 2MgSO4.3H2O entsprechend fand, erhielt Reichardt für einen durch Waschen mit Alkohol von Chlormagnesium befreiten Kieserit die Formel MgSO4.3H2O. H. Precht und B. Wittjen (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 2131) fanden dagegen für frischen, besonders reinen Kieserit folgende Zusammensetzung:

Magnesiumsulfat 86,062 Proc.
Wasser 13,320
Chlornatrium 0,344
Chlorkalium 0,156
Chlormagnesium 0,118

Abgesehen von dem geringen Gehalt an Chlornatrium und Carnallit, entspricht diese Zusammensetzung fast genau der Formel K2SO4.MgSO4.4CaSO4.2H2O, so daſs der derbe Kieserit in derselben Reinheit vorkommt, wie Tschermak die Zusammensetzung bei gut ausgebildeten Krystallen ermittelt hat.

Der Kieserit zerfällt bei der Behandlung mit Wasser in ein feines Krystallmehl, welches an der Luft zu einer cementartigen Masse erhärtet. Diese Eigenschaft wird bekanntlich benutzt, um denselben aus dem Löserückstand der Chlorkaliumfabrikation zu gewinnen. Die bisher in der Literatur allgemein verbreitete Angabe, daſs die mikroskopisch kleinen Kieseritkrystalle durch Chlornatrium verkittet sind und nach dessen Fortwaschen den Zusammenhang verlieren, ist nicht richtig, sondern es beruht das Zerfallen des Kieserits auf Wasseraufnahme bezieh. auf theilweise Lösung des Kieserits, welches besonders schnell in der Richtung der Krystallflächen vor sich geht, wodurch dann die Trennung der kleinen Krystalle stattfindet. Würde durch Fortwaschen des als Kitt dienenden Chlornatriums das Zerfallen bedingt, so müſste in einer gesättigten Chlornatriumlösung der Kieserit unverändert bleiben; solches ist aber nicht der Fall, sondern das Mineral zerfällt langsam zu einem feinen Krystallmehl, während Chlornatrium auskrystallisirt. Derselbe Kieserit bleibt dagegen in einer gesättigten Lösung von Magnesiumsulfat lange Zeit unverändert, obgleich die übrigen Bestandtheile in der Flüssigkeit leicht löslich sind. Die Masse ist daher nicht allein durch Chlornatrium, Chlorkalium und Chlormagnesium verkittet, sondern es wird der feste Zusammenhang vorzugsweise durch Verdichtung des Minerals bedingt. Der im Staſsfurter Salzlager vorkommende Boracit hat wesentlich verschiedene Eigenschaften, je nachdem er sich im Carnallit oder Kainit findet. Die Verfasser (Daselbst S. 2134) zeigen, daſs in dem Boracit aus den beiden Kalisalzen dieselbe chemische Verbindung vorliegt, so daſs die Verschiedenheit der beiden Vorkommnisse nur durch physikalische Eigenschaften bedingt ist. Die Angabe von Krause, daſs Boracit beim Glühen in Magnesia und Borsäure zerfalle, ist nicht richtig.

H. Precht (Daselbst S. 2138) beschreibt ferner ein dem Polyhalit ähnliches Mineral, Krugit, K2SO4.MgSO4.4CaSO4.2H2O. Gegen heiſses Wasser verhält sich Polyhalit und Krugit gleich: Kaliumsulfat und Magnesiumsulfat werden gelöst und Gyps bleibt als Rückstand. Durch Behandlung von fein pulverisirtem Krugit mit wenig kaltem Wasser wird nur Magnesiumsulfat gelöst, während Gyps und das Doppelsalz von Kaliumcalciumsulfat K2SO4.CaSO4.H2O ungelöst bleibt.

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