Titel: Zur Prüfung von Stahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242/Miszelle 6 (S. 306–307)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/mi242mi04_6

Zur Prüfung von Stahl.

Die Vorkommnisse an den Livadia-Kesseln (vgl. 1881 241 * 1) haben die englischen Ingenieure veranlaſst, dieser Frage eine erneuerte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im Iron, 1881 Bd. 17 S. 256 und 374, hiernach in der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1881 S. 628, ist aus diesem Anlaſs eine Zusammenstellung der Prüfungsvorschriften gegeben, wie sie in den verschiedenen Ländern gebräuchlich sind. Zunächst werden die seitens des Vereines deutscher Eisenbahnverwaltungen aufgestellten Normen anerkennend besprochen. Einige englische Bedingungen schreiben vor: Die Schienen sind aus dichten Bessemer-Guſsstahlblöcken der besten Qualität zu walzen, welche etwa 0,28 Proc. Kohlenstoff und an Silicium, Phosphor und Schwefel nicht über je 0,06 Proc. enthalten. Die einzigen Metalle sollen Eisen und Mangan mit nur einer Spur von Kupfer sein. Zwei Stücke einer flachfüſsigen Schiene (1m = 20k schwer) von 1m,5 Länge werden aus jeder Hitze entnommen und bei 0m,9 Freilage mit einer ruhenden Last von 10t in der Mitte belastet. Die gesammte Durchbiegung soll nach 10 Minuten nicht über 13mm und die bleibende nicht über 3mm betragen. Zwei gleiche Stücke werden der Schlagprobe unterworfen: Freilage (feste massive Unterlagen) 0m,9, Bärgewicht 800k, Fallhöhe 1m,8, drei Schläge ohne Beschädigung. Die Durchbiegung darf nach dem ersten Schlage 65mm, nach dem zweiten 115mm nicht überschreiten und muſs beim Umkehren der Schiene nach dem dritten Schlage auf 65mm zurückgehen. Der Bruch soll rein, dicht und homogen sein. Die Zugfestigkeit muſs 4650k/qc und die Elasticitätsgrenze 2350k/qc erreichen. Ferner schreiben vor:


Gewicht
von 1m
Schiene
Ruhende Last Schlagprobe

Gewicht

Freilage
Zulässige Durch-
biegung

Bär-
gewicht

Fall-
höhe

Freilage

Zahl der
Schläge

Zulässige
Durchbiegung
Ge-
sammt
Blei-
bend
k k m mm mm k m m mm
a 42
35
2000 1,45
1,00
1000 3,65 1,45
1,00
3
b 41 800 1,5 0,91 2 < 25
c 40 1800 1,06 10 3 800 2,4 1,06 2 < 25
d 40 800 1,8 1,06 3
e 36 800 1,5 1,06 3 < 40 nach d.
erst. Schlage

a = Midland Railway. b = North-Eastern Railway. c = Great-Eastern Railway. d = Great-Western Railway. e = London-Chatam-Dover Railway.

Ueber die chemische Zusammensetzung des Schienenstahles werden verschiedene Vorschriften gemächt. Dudley empfiehlt auch nach seinen neueren Untersuchungen noch seine früheren Vorschläge:

Phosphor nicht über 0,10 Proc.
Silicium „ „ 0,04
Kohle zwischen 0,25 und 0,35
Mangan „ 0,30 und 0,40,

obwohl seine Vorschläge von Sandberg, Jones u.a. heftig angegriffen werden. Er schlägt auch vor, die Festigkeit des Stahles zu ermitteln, indem man aus der Schiene einen prismatischen Körper von 3000mm Länge, 40mm Breite und 13mm Dicke herausschneidet, ihn aufschneiden (250mm Freilage) lagert und in der Mitte belastet (1500k) und ihn nachher in einen Winkel von 130° biegt; |307| er darf keine Beschädigungen zeigen. Im Allgemeinen macht sich eine Abneigung gegen die chemische und eine Vorliebe für die physikalische Prüfung des Stahles bemerkbar. Das Radreifenmaterial wird in England vorwiegend der Schlagprobe unterworfen; nur wenige Bahnen schreiben auſserdem noch Zerreiſsproben (4600 bis 5400k/qc bei 25 Proc. Verlängerung) vor. Die Achsen werden fast nur auf Schlag geprüft (5 bis 6m Fallhöhe bei 1000k Bärgewicht und 1m,1 Freilage). Ueber die Vorschriften für die Lieferung von Stahl zu Kesseln und Schiffsbauzwecken schreibt die Pennsylvania Railroad vor: 3900k/qc bei 30 Proc. Verlängerung auf 50mm ursprünglicher Länge. (Die Festigkeit muſs zwischen den Grenzen von 3500 und 4800k/qc liegen, die Verlängerung darf nicht unter 25 Proc. betragen.) Die Probe wird nach der Walzrichtung entnommen und darf nicht ausgeglüht werden. Das französische Marineministerium schreibt für Plattenlieferungen drei Arten von Untersuchungen vor: kalte, heiſse und Temperproben. Durch die ersteren wird die Bruchfestigkeit und Längendehnung mit und gegen die Walzrichtung festgestellt. Sie werden zuerst mit ⅘ der Bruchfestigkeit und dann langsam weiter bis zum Bruche belastet. Den Proben gibt man eine bestimmte Breite (30mm bei 200mm Länge) und arbeitet für die verschiedenen Blechstärken eine Tabelle aus, in welche die vorgeschriebenen und zu erreichenden Zahlen eingetragen sind. Die Streifen, welche normal zur Walzrichtung entnommen sind, müssen den 0,8 fachen Betrag für die Verlängerungen ergeben gegenüber denjenigen, welche parallel zur Walzrichtung entnommen wurden. Die Tabellen sind folgende:



Blech-
Dicke
Schiffsplatten Kesselplatten Winkel-Stahl -Stahl I-Stahl
Festigkeit Verlängerung Festigkeit Verlängerung Festigkeit Verlängerung Festigkeit Verlängerung Festigkeit Verlängerung
mm k/qc Proc. k/qc Proc. k/qc Proc. k/qc Proc. k/qc Proc.
1,5 4700 10
2 bis 3 4700 12
3 „ 4 4700 14
4 „ 5 4600 16
5 „ 6 4600 18
6 „ 8 4500 20 4200 24
8 „ 20 4500 20 4200 26
20 „ 30 4400 20 4000 25
3 „ 4 4800 18 4800 18 4600 16
4 „ 6 4800 20 4800 20 4600 16
6 „ 16 4800 22 4800 20 4600 18
16 „ 25 4800 22 4800 20 4600 18
Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: