Titel: Zur Reinigung des Naphtalins.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1881, Band 242/Miszelle 15 (S. 455–456)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj242/mi242mi06_15

Zur Reinigung des Naphtalins.

Bekanntlich röthet sich selbst sehr rein weiſses Naphtalin nach einiger Zeit an der Luft und erst mehrfache Krystallisationen, Auswaschungen, Destillationen u. dgl. vermögen die Neigung zu dieser Färbung zu beseitigen. Nun verlangen aber die Fabrikanten von Naphtol ein möglichst chemisch reines Naphtalin, welches dauernd weiſs bleibt. G. Lunge (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 1755) ging nun von der Annahme aus, daſs die Röthung des Naphtalins von einer Spur Phenol herrühre und daſs dessen Röthung auf einem Oxydationsprocesse beruhe, vielleicht auf einer Bildung von Aurin: 2C6H6O + C7H8O + 3O = C19H14O3 + 3H2O. Durch vorgängige Oxydation würden sich daher diejenigen Verbindungen sofort bilden, welche sonst allmählich das Phenol oder Naphtalin röthen und dann durch Destillation zurückgehalten werden können. Lunge empfiehlt dem entsprechend folgendes Reinigungsverfahren.

Das Rohnaphtalin wird meist aus den Oelen gewonnen, welche nach der Behandlung des „Mittelöles“ mit Natronlauge (zur Gewinnung von Phenol) zurückbleiben; es scheint daher angezeigt, gleich mit der Einwirkung von Säure zu beginnen. Hätte man dagegen direct aus den Theerölen auskrystallisirtes Naphtalin vor sich, so wäre eine vorgängige Behandlung mit Alkalien am Platze. Man schmilzt das Rohnaphtalin und setzt eine gewisse Menge Schwefelsäure zu. Im Groſsen wird dazu jedenfalls 5 bis 10 Procent 66°-Säure vom Gewichte des Naphtalins ausreichen; von 60°-Säure wird natürlich etwas mehr gebraucht. Wenn das flüssige Naphtalin und die Säure gut mit einander verrührt sind, setzt man allmählich 5 Procent vom Gewichte des Naphtalins fein geriebenen Braunstein oder noch besser regenerirtes Mangandioxyd (getrockneten Weldonschlamm) zu und erhitzt auf dem Wasserbade 15 bis 20 Minuten, bis keine weitere Einwirkung mehr eintritt. Man läſst nun erkalten, schmilzt den Naphtalinkuchen mehrmals mit Wasser, zuletzt mit Zusatz von etwas Natronlauge und wieder mit reinem Wasser. Im Groſsen brauchte man nicht das Erstarren des Naphtalins abzuwarten, sondern könnte die Säuren und Waschwässer immer durch Ablassen mit Hähnen von dem flüssigen Naphtalin trennen und gleich weiter arbeiten. Eine wiederholte Behandlung mit Säure oder eine solche mit starker Natronlauge erwies sich als völlig unnöthig. Daſs man statt Braunstein andere Oxydationsmittel wird anwenden können, ist ganz selbstredend; weitere Versuche hierüber erschienen unnöthig, da ein billigeres Reagens kaum aufgefunden werden wird; selbst ein Luftstrom dürfte nicht billiger, dabei aber weniger wirksam |456| sein und würde jedenfalls viel Naphtalin mit fortführen. Der schlieſslich gewonnene Kuchen wird nun destillirt, wobei weitaus die Hauptmasse ganz constant innerhalb 1 bis 2 Temperaturgraden übergeht und als Reinnaphtalin aufgefangen wird.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: