Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
Boulet's Compoundlocomobile.Mit Abbildungen auf Tafel 1.Auch in Frankreich fängt man an, bei gröſseren Locomobilen das Compoundsystem anzuwenden. Fig. 18 bis 20 Taf. 1 zeigen eine von J. Boulet in Firma H. Lachapelle zu Paris gebaute Locomobile, welche auf der internationalen Ausstellung für Elektricität in Paris 1881 zum Betrieb der stärksten Gramme'schen Maschinen diente. Von diesen wurde die Arbeitsleistung übertragen auf eine Dreschmaschine, eine Steinbohrmaschine, eine Säge, eine Centrifugalpumpe, einen Pflug und eine elektrische Locomotive. Der Kessel ist nach dem System von Thomas und Laurens mit einem weiten Flammrohr und einer gröſseren Anzahl enger Rauchröhren (vgl. Fig. 20), durch welche die Heizgase zurückkehren, ausgeführt. Das ganze innere Röhrensystem kann ausgezogen werden. Die Maschine ist auf einer besonderen Grundplatte aufgebaut, welche mit dem Kessel statt durch Bolzen durch mehrere Stahlbänder verbunden ist und auch auf eine gemauerte Unterlage aufgesetzt werden kann. Eine am Ende des Bettes angegossene verticale Platte ist an die Cylinder angebolzt. Der groſse Cylinder ist mit den Dampfmänteln beider Cylinder, den Schieberkasten, dem Zwischenbehälter, dem auf dem Kessel ruhenden Fuſsgestell und der Stirnplatte, welche mit dem Bett verschraubt ist, in einem Stück gegossen. Der kleine Cylinder ist besonders gegossen und eingesetzt. Die hinteren Cylinderdeckel sind mit Flanschen aufgeschraubt und mittels eines Kautschukringes gedichtet. Der Kesseldampf gelangt zunächst in die Dampfmäntel, aus diesen in den Hochdruckcylinder, dann in den Zwischenbehälter, welcher, zwischen Cylinder und Kessel liegend, gut geheizt wird, und schlieſslich in den Niederdruckcylinder, aus dem er entweder in einen Condensator oder in den Schornstein geführt werden kann; im letzten Falle durchströmt er noch einen Speisewasservorwärmer, wie in der Zeichnung angegeben ist. Die Dampfvertheilung wird für den kleinen Cylinder durch eine Farcot'sche Schleppschiebersteuerung bewirkt; der Füllungsgrad wird durch den Regulator (System Andrade) bestimmt. Um geringe schädliche Räume zu erhalten, sind die Schieber, zweitheilig ausgeführt, an die Cylinderenden verlegt. Die Anordnung der Kanäle ist derartig, daſs sowohl aus dem kleinen, wie aus dem groſsen |15| Die Hauptabmessungen der Maschine sind:
Bemerkenswerth ist noch, daſs die Bewegungsübertragung von der Locomobile auf die Gramme'schen Maschinen durch Liebermann'sche Metallriemen vermittelt wurde. Dieselben sind aus Eisen-, Stahl- oder Kupferdraht gewebt, sollen sehr biegsam und fest und zugleich viel weniger dehnbar als Lederriemen sein. (Nach Engineering, 1881 Bd. 32 S. 391.) Whg. |
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