Titel: Tripolith.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 243/Miszelle 8 (S. 433–434)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj243/mi243mi05_8

Tripolith.

Zur Herstellung eines Ersatzmittels für Cement und Gyps will B. v. Schenk in Heidelberg (D. R. P. Kl. 80 Nr. 13613 vom 7. Juli 1880) 3 Th. des in untern Schichten der Gypssteinbrüche lagernden Gypssteins mit 1 Th. kieselsaurer Thonerde zusammen mahlen und 9 Th. dieses Pulvers mit 1 Th. Hochofenkoke innig mischen. Statt Hochofenkoke kann man auch Gaskoke nehmen; doch muſs man dann auf 10 Th. Koke 6 Th. Glühspan oder Hammerschlag zusetzen. Die Mischung wird langsam auf 120° erhitzt und nach beendeter Trocknung auf 260°, worauf man dieselbe durch ein Cylindersieb von 4mm Maschenweite gehen läſst, um sie rasch auf 25° abzukühlen.

Diese Masse, Tripolith genannt, soll wie Gyps zur Herstellung plastischer Gegenstände, zu Verbandzwecken, wobei sie doppelt so fest sein soll als Gyps, sowie auch zum Verputz verwendet werden.

Nach den Analysen von Treumann (Pharmaceutische Zeitschrift für Ruſsland, 1881 S. 414) und Petersen (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 2363) besteht der im Handel vorkommende Tripolith aus:

Treumann Petersen
Kieselsäure (Sand) 1,16 1,40
Kieselsäure, löslich 1,35
Schwefelsaurer Kalk 74,98 74,90
Schwefelsaure Magnesia 0,11
Kohlensaurer Kalk 0,44 4,61
Kohlensaure Magnesia 1,84 4,15
Eisenoxyd, einschl. etwas Eisen 0,55 0,54
Thonerde, Kali, Natron Spuren Spuren
Kohle 11,60 11,44
Wasser 3,00 2,86
–––––––––––––––––––
99,68 101,25.

Petersen bemerkt noch, daſs im schwefelsauren Kalk eine kleine Menge einer anderen Schwefelcalciumverbindung einbegriffen ist (0,40 Proc. Schwefel waren nicht als Schwefelsäure vorhanden) und daſs die gefundene Magnesia als kohlensaure einbezogen wurde; im frisch gebrannten Material ist sie wohl theilweise kaustisch vorhanden.

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Nach Vorstehendem ist Tripolith entgegen der Patentschrift nichts Anderes, als ein durch etwas Kalk- und Magnesiacarbonat und Sand verunreinigter Gypsstein, welcher mit etwa 0,1 seines Gewichtes Kohle oder Koke mäſsig gebrannt worden ist. Seine Eigenschaften stimmen auch im Wesentlichen mit denen des gebrannten Gypses überein; für Wasser ist er nicht undurchdringlicher wie Gyps und seine gerühmte rasche Erhärtung je nach der Behandlungsweise und verwendeten Wassermenge wechselnd. Den Vortheil rascheren Erstarrens gewährt das mit Wasser angerührte Tripolithpulver nur, wenn das Wasser in einem bestimmten Verhältniſs zugegeben worden; nimmt man etwas reichlich Wasser, so kann die Erhärtung eines mit dem Brei angelegten Verbandes Stunden lang dauern; nimmt man dagegen weniger Wasser, so erstarrt die Masse vor Beendigung des Verbandes.

Prof. Vogt (Deutsche medicinische Wochenschrift, 1881 Nr. 15), welcher vergleichende Versuche mit Tripolith und Gyps angestellt hat, hält danach ersteren nicht für geeignet, in allen Fällen den Gyps bei Verbänden zu ersetzen. Derselbe hebt als Nachtheil des Tripolith auch die unangenehme Schmutzerei hervor, welche durch das graublaue Pulver verursacht wird, vor welcher man Hände und Fingernägel einigermaſsen nur durch vorheriges sorgfältiges Einölen schützen kann.

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