Titel: Ueber Rotationsdruckmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244 (S. 129–138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/ar244050

Ueber Rotationsdruckmaschinen.

Mit Abbildungen auf Tafel 11.

In der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1882 S. 31 ist auf Grund von Mittheilungen der Maschinenfabrik Augsburg in Augsburg über die gegenwärtigen Hauptconstructionen von Rotationsdruckmaschinen eine lehrreiche Uebersicht erschienen, aus welcher folgende sachliche Angaben entnommen sind.

Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, daſs man sich in vielen Buchdruckereien, besonders da, wo die Aufgabe gestellt war, eine Zeitung so rasch als möglich in das Publikum zu bringen, genöthigt sah, die Handpresse, die einfache Schnellpresse, die Doppelpresse, die 4fache Presse, trotz Vervielfältigung ebener Sätze durch Stereotypie, bei Seite zu stellen und dieselben durch Maschinen mit rotirenden Cylindern, welche mit Stereotypplatten gepanzert waren, zu ersetzen. So kam man nach und nach seinerzeit zu den groſsartigen Schnellpressen von Hoe und Applegath (vgl. 1849 111 * 98. 464. 1852 126 * 84), deren sehr umständliche Systeme von Führungsbändern jedoch Mängel zeigten, welche bei der Eile des Zeitungsdruckes oft schwer empfunden wurden. Auſserdem erforderten diese Maschinen ein bedeutendes Bedienungspersonal, wie z.B. in der Times-Druckerei in London s. Z. für jede Zeitungsmaschine allein 8 Mann zum Einlegen der Bogen und 8 Mann zum Abnehmen der bedruckten Bogen.

Hierfür suchte man Abhilfe und fand diese in der Anwendung des sogen, „endlosen“ Papieres beim Druck auf hierfür geeigneten Rotationsdruckmaschinen, letztere so genannt, weil die Druck- und Plattencylinder sich stets in einer Richtung ununterbrochen drehen und das Papier von einer sich abwickelnden Rolle entnehmen.

Der Druck endlosen Papieres ist zwar schon in den 40er Jahren in Amerika versucht worden, wo man die Buchdruckmaschine in directe Verbindung mit der Papiermaschine brachte, und später bemühte sich der Director der Hof- und Staatsdruckerei in Wien, Hofrath Auer, Rollenpapier auf gewöhnlichen Schnellpressen zu bedrucken; doch wurden in beiden Fällen weder dauernde, noch günstige Erfolge erzielt. Dies gelang erst dem Amerikaner William Bullock. In England hatte zuerst auf der Weltausstellung in London 1862 ebenfalls ein Amerikaner, Wilkinson, ein Modell einer Maschine zum Druck von endlosem Papier ausgestellt und dieses soll dem späteren Erbauer der Walter-Presse (1867 bis 1872), so genannt nach dem Besitzer der „Times“, zum Vorbild gedient haben. Diese Maschine leistet bei gewöhnlichem Gange etwa 12000 beiderseits bedruckte Bogen in der Stunde.

|130|

Die ersten Rotationsdruckmaschinen auf dem Continente wurden von der „Times“ in London für die Druckerei der „Presse“ in Wien 1873 geliefert. Diese zwei Walter-Pressen waren u.a. für die Herstellung des Wiener Weltausstellungskataloges durch den technischen Director der „Presse“, Ludw. Lott, in England angekauft worden.1)

Der Construction der Walter-Presse ist die Maschinenfabrik Augsburg in Augsburg bei Herstellung ihrer Rotationsmaschinen gefolgt und hat zuerst in Deutschland im J. 1872 mit dem Bau derselben begonnen. Diese Fabrik erschien im J. 1873 auf der Wiener Weltausstellung bereits mit einer verkleinerten Walter-Presse, welche indeſs nur die Stellung der vier Hauptcylinder mit derselben gemein hatte, im Uebrigen aber wesentliche Aenderungen gegen die Walter-Presse zeigte. Seitdem hat diese Fabrik in gröſserer Anzahl Rotationsmaschinen gebaut, so daſs gegenwärtig die Zahl der bereits abgelieferten und in Arbeit befindlichen Rotationsmaschinen 64 beträgt.

Die Maschinenfabrik Augsburg war nicht blos die erste in Deutschland, welche Rotationsmaschinen baute, sondern sie war auch die erste, deren Rotationsmaschinen dauernd zum Werkdruck verwendet wurden und sich dabei bewährten. Beweis hierfür ist z.B. Meyer's Conversationslexikon, welches im Bibliographischen Institute in Leipzig zum gröſsten Theile auf 2 Augsburger Rotationsmaschinen gedruckt wurde.

Die Rotationsdruckmaschinen treten gegenwärtig in so verschiedenen Bauarten auf, daſs folgender Vergleich, sowohl in Bezug auf die Bauart und die Ausführung dieser Maschinen, als auch beim Zurichten derselben für den Druck und während des Ganges allgemeineres Interesse bieten wird.

Vergleich des Walter-Systemes mit dem Victory-System.

Die verschiedenen Bauarten von Rotationsdruckmaschinen lassen sich nach der Hauptsache in zwei Systeme eintheilen, deren wesentlichste Unterscheidungsmerkmale in der Stellung der Druck- und Plattencylinder liegen. Durch diese wird nämlich die Art und Weise bedingt, in welcher das Papier durch die Maschine geführt wird, und damit auch principiell deren ganze Construction. Diese Systeme können nach ihrem ersten Auftreten in Europa als Walter-Systeme und Victory-Systeme bezeichnet werden.

Die zwei Druck- und die zwei Plattencylinder, oder wenigstens drei dieser 4 Hauptcylinder liegen bei ersterem senkrecht über einander, bei letzterem horizontal neben einander. Bei beiden Systemen liegt die Papierrolle rechts, der Falz- oder Auslegeapparat links am Ende der Maschine und muſs das Papier also von dem einen Ende zum anderen einen der Horizontalrichtung annähernden Lauf machen. Je weniger nun das Papier auf diesem Laufe von der Horizontalen abgelenkt wird, um so mehr ergeben sich Vorzüge für die Maschine und ihre Bedienung.

1) Walter-System (Fig. 1 bis 4 Taf. 11). Rotationsmaschinen dieses Systemes gebaut 1868 von Walter, Besitzer der Druckerei der Times in London, adoptirt von Marinoni in Paris und von der Maschinenfabrik Augsburg. – Die zwei Druck- und die zwei Plattencylinder, oder wenigstens drei dieser 4 Hauptcylinder liegen senkrecht über einander und zwar oben der erste Plattencylinder, darunter der dazu gehörige |131| Druckcylinder, unter letzterem der zweite Druckcylinder und der dazu gehörige zweite Plattencylinder entweder darunter, wie bei Times-, Marinoni- und Augsburger Maschinen, oder seitlich von demselben, flach dem der Maschinenfabrik Augsburg patentirten Systeme. Das Papier wird auf seinem Horizontallaufe von der Papierrolle zu dem Auslege- oder Falzapparat am wenigsten abgelenkt, denn der Ein- und Austritt des Papieres geschieht seitlich der senkrecht über einander Gehenden Hauptcylinder. Das Papier macht einen möglichst kurzen Weg, ohne die Hauptcylinder zu überdecken. Der Auslege- oder Falzapparat ist ringsum zugänglich und nicht durch andere Theile der Maschine verdeckt. Zur Bedienung der Maschinen dieses Systemes ist keine Grube unter denselben erforderlich.

a) Times in London (Fig. 1 Taf. 11). Die Maschine ist nach dem Princip gebaut, die Sätze beim gleichzeitigen Drucke zweier mit 4 Columnen oder Seiten versehener Bogen hinter einander zu legen anstatt neben einander, wobei durch die gröſseren Cylinderdurchmesser ein besserer Druck erzielt wird. Das Papier wird am oberen Druckcylinder auf dem kürzesten Wege eingeführt.

Das Bremsen der Papierrolle erfolgt mittels eines an einem Hebel verstellbaren Gewichtes.

Der Feuchtapparat ist für Wasserfeuchtung eingerichtet.

Das obere Farbwerk liegt links vom oberen, das untere rechts vom unteren Plattencylinder. Die Farbe wird in einer für die Färbung unterbrochen druckender Plattencylinder vortheilhaften Weise fortgesetzt, von der Ductorwalze im Farbkasten abgenommen und mittels einer Pumpe während des Ganges der Maschine in die Farbkästen gedacht, was in jeder Beziehung von Vortheil ist. Das untere Farbwerk liegt zwischen dem Feuchtapparat und den Druck- und Plattencylindern; dadurch werden letztere nicht hinreichend zugänglich und ist das „Zurichten“ erschwert.

Das Papier tritt am oberen Druckcylinder ein und am unteren Druckcylinder aus zu den tiefer liegenden Schneidcylindern, von da schräg aufwärts, zwischen den Abreiſscylindern durch und wird alsdann in einzelne Bogen getrennt, welche durch einen Auslegeapparat auf zwei schräge Tische abgelegt werden.

Die Ausführung ist im Allgemeinen solid; die Räder haben schmiedeiserne Zähne.

b) Marinoni in Paris (Fig. 2 Taf. 11). Die Druckplatten liegen hier neben einander, anstatt hinter einander, wodurch die Maschine breiter und die Cylinderdurchmesser kleiner werden, was für den Druck nachtheilig ist. Das Papier wird am oberen Druckcylinder eingeführt.

Das Bremsen an der Papierrolle erfolgt mittels Gewichtes an einem Hebel.

|132|

Der Feuchtapparat fehlt; entweder wird ohne Feuchtung gedruckt, oder die Papierrolle wird vor dem Drucken auf einem besonderen Apparat abgewickelt, gefeuchtet und wieder zu einer Rolle aufgewickelt, welche alsdann auf die Rotationsmaschine gebracht wird; diese Methode ist kostspielig und zeitraubend.

Das obere Farbwerk befindet sich theils über dem oberen Plattencylinder, theils links desselben; das untere steht theils unter dem unteren Plattencylinder, theils links desselben; dadurch aber, daſs einzelne Theile dieser Farbwerke über und unter den Plattencylindern liegen, wird die Maschine ganz unzweckmäſsig hoch, namentlich höher als die Walter-Presse. Die Farbe wird nur streifenweise von der Ductorwalze im Farbkasten mittels einer springenden Walze abgenommen, ebenso wie bei nicht continuirlich druckenden Maschinen. Dies ist eine für die Färbung ununterbrochen druckender Plattencylinder unvortheilhafte Methode. – Das Füllen der Farbkästen erfolgt nicht selbstthätig durch eine Farbpumpe, sondern muſs von Hand geschehen, was beschwerlich ist und leicht Veranlassung zur Verunreinigung von Bändern und Maschinentheilen gibt.

Das Papier geht vom unteren Druckcylinder ab zu den dicht daneben liegenden Schneidcylindern, bei deren zu groſser Nähe der untere Plattencylinder und das untere Farbwerk leicht durch die beim Schneiden und Lochen sich bildenden Papierfasern verunreinigt werden.

Die gedruckten Bogen werden entweder zu mechanischen Auslegern, oder zu Falzapparaten geführt; bei ersteren werden die Bogen zu 5 gesammelt und auf einen Tisch ausgelegt.

Die Ausführung ist weniger solid, ein eisernes Fundament für die Seitengestelle ist nicht vorhanden und viele Theile sind von Guſseisen anstatt von Schmiedeisen ausgeführt, wie z.B. die Zähne der Räder; die Falzwalzen sind von Holz anstatt von Eisen.

c) Maschinenfabrik Augsburg (Fig. 3 und 4 Taf. 11). Wie oben unter (a) ist auch hier das Princip angewendet, die Sätze hinter einander anstatt neben einander zu legen, wie letzteres vorherrschend bei französischen Rotationsmaschinen der Fall ist. Dadurch werden, wie schon gesagt, gröſsere Cylinderdurchmesser erzielt und infolge dessen besserer Druck. Die eine oder andere der beiden erwähnten Cylinderstellungen wird gewählt je nach der Gröſse des Formates, um für die Maschine eine bequeme Höhe zu erhalten.

Im Vergleich zur Walter- und Marinoni-Presse sind die neueren Augsburger Rotationsmaschinen wesentlich niedriger; bei einer solchen, welche z.B. ganze Bogen von 82cm Höhe druckt und dieselben 3mal, halbe Bogen 2mal und Viertelbogen 1mal falzt, liegen durchschnittlich in einer Höhe über dem Fuſsboden und zwar die Mittel der Druck- und Plattencylinder und der Schneidcylinder nur etwa 92cm, |133| die Mittel der Walzen am oberen Farbwerk blos 145cm und die Mittel der Walzen am unteren Farbwerk ungefähr 56cm. Bei solchen Höhen sind Tritte nicht erforderlich. Für noch gröſsere Maschinen sind die Tritte nicht höher gelegen als bei Victory-Pressen oder selbst als diejenigen für Bogeneinleger bei gewöhnlichen Druckmaschinen.

Die Maschinenfabrik Augsburg hat das Walter-System in folgenden Punkten zu verbessern gesucht (vgl. 1880 237 * 32).

Das Papier wird nicht am oberen, sondern am unteren Druckcylinder eingeführt, die Schneidcylinder liegen höher und das untere Farbwerk ist nach links seitlich vom unteren Plattencylinder angeordnet, um die Bogen in entsprechender Höhe dem Auslege- oder Falz-Apparat zuzuführen.

Der Bremsapparat hat die Vebesserung, daſs mittels Schraube und Feder jede beliebige gleichförmige Spannung hergestellt werden kann, selbst bei unrund laufenden Papierrollen und bei schwachem Papier.

Die Feuchtung mittels Dampf hat die Maschinenfabrik Augsburg zum groſsen Vortheil für den Druck zuerst eingeführt; auch bei Gasmotorenbetrieb, also ohne Dampfkessel, ist die Dampffeuchtung in einfacher Weise möglich. Alle Bedenken, daſs hierdurch nachtheiliger Einfluſs auf die Maschine selbst oder auf die Walzen oder auf das Local entstehen werde, haben sich als grundlos erwiesen. Die Walzen des Feuchtapparates stehen in Verbindung mit dem Abstellhebel, um beim Stillstand der Maschine das Papier sofort auſser Verbindung mit den Feuchtwalzen zu bringen. Das Papier kann vom Maschinenmeister, seitlich an der Maschine stehend, auf kürzestem Wege durch den Feuchtapparat den Druckcylindern u.s.w. zugeführt werden.

Das Zurichten der Druckcylinder ist sehr erleichtert durch den freien Durchgang zwischen dem Feuchtapparat einerseits und dem Druck- und Plattencylinder andererseits. Die Druckcylinder sind für harte und weiche Ueberzüge, also für Zeitungs-, Werk- und Illustrationsdruck eingerichtet.

Die Farbwerke sind mit 2 bis 7 Auftrag walzen für jeden der beiden Plattencylinder versehen, je nachdem die Maschinen für Zeitungs-, Werk- oder Illustrationsdruck gebaut sind. Die Auftragwalzen stehen mit den übrigen Walzen der Farbwerke in Verbindung und erhalten die Farbe von je einem Farbkasten. Durch eine Pumpe wird die Farbe selbstthätig in die Farbkästen geliefert; für Illustrationsdruck können zwei Farbpumpen für zwei verschiedene Farben angebracht werden.

Die Farbe wird ununterbrochen von der Ductorwalze im Farbkasten abgenommen und bei Illustrationsdruck mittels einer patentirten Einrichtung am Farbwerk auf 7 Auftragwalzen übertragen (vgl. 1880 237 * 32). Die beiden Farbwerke sind, obgleich in verschiedenen Höhen, dennoch infolge der Cylinder Stellung so nahe über einander gelegen, daſs sie ebenso leicht |134| zugänglich sind wie beim Victory-System, bei welchem die Farbwerke vorherrschend in gleicher Höhe, aber weit aus einander gelegen sind.

Bei Maschinen für feinen Illustrationsdruck wird sogen. Schmutzpapier um den oberen Druckcylinder unter dem zu bedruckenden Papier mitgeführt, um das Abschmutzen beim Widerdruck zu verhüten; dieses Schmutzpapier wickelt sich selbstthätig von einer eigenen Rolle ab und auf eine zweite Rolle wieder auf. Das bedruckte Papier wird in horizontaler Richtung abgeführt und zwar direct von den Druckcylindern weg, ohne daſs die mit Bildern bedruckte Seite über Walzen oder auf Bändern liegend läuft; die Bilder sind deshalb keinerlei Gefahr ausgesetzt, beschädigt zu werden.

Alle Theile der Maschine sind leicht zugänglich und übersichtlich, und wenn der Maschinenmeister bei gröſseren Maschinen auch einen Tritt hoch zu steigen hat, so ist dies belanglos; dagegen ist es beim Victory-System sehr beschwerlich und gefährdend, in die Grube hinein zu kriechen.2)

Die Augsburger Maschinen falzen sehr genau, die Ausführung ist solid, die Räder haben schmiedeiserne Zähne, sämmtliche Falzwalzen sind von Eisen.

2) Victory-System (Fig. 5 bis 8 Taf. 11). Rotationsmaschinen dieses Systemes gebaut 1872 nach der älteren Construction von der Victory Company in Liverpool, adoptirt von König und Bauer in Kloster Oberzell, in geänderter Bauart von Derriey in Paris. – Die zwei Druck- und die zwei Plattencylinder, oder wenigstens drei dieser 4 Hauptcylinder liegen horizontal neben einander, und zwar rechts neben dem ersten Plattencylinder liegt der dazu gehörige Druckcylinder, rechts neben diesem der zweite Druckcylinder; der zu letzterem gehörige Plattencylinder liegt entweder rechts neben dem zweiten Druckcylinder wie bei den älteren Victory- und bei den König und Bauer'schen Maschinen, oder unter demselben wie bei den neueren Maschinen von Derriey.

Das Papier wird auf seinem Horizontallaufe von der Papierrolle zu den Falzapparaten in einem Verticallauf abgelenkt, also wesentlich mehr als bei dem Walter-System; denn der Ein- und Austritt des Papieres muſs oberhalb und unterhalb der 4 Hauptcylinder in annähernd |135| senkrechter Richtung geschehen. Das Papier hat einen wesentlich längeren Weg zu machen und verdeckt das rechts liegende Farbwerk und drei der Hauptcylinder. Der Schneid- und Falzapparat ist durch das linke Farbwerk und drei der Hauptcylinder theilweise verdeckt, was nicht vortheilhaft ist. Zur Bedienung ist eine Grube unter der Maschine nöthig, in welche hinein zu kriechen ist; fehlt die Grube, oder ist sie der Localverhältnisse halber nicht herzustellen, so müssen die Hauptcylinder und die Farbwerke in unbequeme Höhe über den Fuſsboden gelegt werden.

a) Victory-Company in Liverpool (Fig. 5 und 6 Taf. 11). Bei den älteren Victory-Pressen (Fig. 5) liegen die 4 Hauptcylinder horizontal neben einander. Unter der Maschine ist eine so tiefe Grube, daſs ein Mann darin stehen kann, um die aus dem Falzapparat austretenden Bogen zu ordnen. – Bei der neueren Victory-Presse (Fig. 6) liegen die zwei Plattencylinder horizontal neben einander und unter jedem derselben befindet sich, sehr unzweckmäſsig und unzugänglich angeordnet, der zugehörige Druckcylinder. Auch bei dieser Cylinderstellung ist eine Grube – wenn auch nicht so tief wie bei der älteren – erforderlich. Vorherrschend sind die Maschinen so construirt, daſs die Satze hinter einander liegen und nicht neben einander. Das Papier wird auf einem langen Weg den Druckcylindern zugeführt.

Das Feuchten des Papieres erfolgt mit Wasser. Das eine Farbwerk Hegt links, das andere rechts vom entsprechenden Plattencylinder. Die Farbe wird von der Ductorwalze im Farbkasten nur streifenweise mittels einer springenden Walze abgenommen; wie schon oben bemerkt, ist dies für continuirlich druckende Plattencylinder nicht vortheilhaft. Das Pullen der Farbkästen muſs von Hand in beschwerlicher Weise geschehen, da die Farbpumpe fehlt. Die Druckcylinder sind für das Zurichten und Einziehen des Papieres schwer zugänglich und kann dies nur von der Grube aus unter der Maschine bewerkstelligt werden. Das Einsteigen und Hantiren in der Grube ist beschwerlich und gefährlich.

Das Falzen erfolgt mittels sehr umständlicher Falzcylinder, welche deshalb häufigen Ausbesserungen unterliegen. Die Ausführung ist nicht solid genug; die Räder sind nur von Guſseisen anstatt von Schmiedeisen.

b) König und Bauer in Kloster Oberzell (Fig. 7 Taf. 11). Hier liegen die zwei Druck- und die zwei Plattencylinder ebenso, wie bei der älteren Victory-Presse, horizontal neben einander, und zwar die Druckcylinder zwischen den Plattencylindern. Die Sätze liegen hinter einander.

Der Bremsapparat hat zur Herstellung der erforderlichen Spannung des Papieres einen Hebel mit verstellbarem Gewicht, wie es bei den ersten Augsburger Rotationsmaschinen der Fall war.

|136|

Das Feuchten des Papieres erfolgt nur mit Wasser. Das Papier muſs von der Rolle weg auf einem langen Wege und in beschwerlicher Weise durch den Feuchtapparat und über das eine Farbwerk den Druckcylindern zugeführt werden; dies ist besonders bei schwachem Zeitungspapier zeitraubend, da der Maschinenmeister dabei in die Grube hinein zu kriechen hat, welche unter und längs der ganzen Maschine vorhanden sein muſs, wenn nicht die ganze Anlage eine unbequeme Höhe erhalten soll.

Die beiden Farbwerke liegen in gleicher Höhe, das eine links, das andere rechts zur Seite des zugehörigen Plattencylinders. Die Farbe wird ununterbrochen von der Ductorwalze im Farbkasten abgenommen. Die Farbpumpe fehlt, das Füllen der Farbkästen muſs von Hand geschehen. Die Maschinen sind mit Farbwerken, nur für Zeitungsdruck passend, versehen. Das Falzen erfolgt theilweise mit Cylindern, welche, wie schon oben erwähnt, häufigen Ausbesserungen unterworfen sind. Die Maschinen sind mit Falzapparaten mit Querfalz, für halbe Bogen mit Bogenvertheiler und mit Vertheiler und Vereiniger der Bogen versehen. Die Räder haben schmiedeiserne Zähne, die Falzwalzen sind von Holz. Manche Theile sind schwer zugänglich und nicht übersichtlich genug; Schneid- und Falzcylinder z.B. und ein Theil des Falzapparates liegen unter den Druck- und Plattencylindern und unter dem einen Farbwerk, sind deshalb zur Bedienung und bei eintretenden Störungen nur von der Grube aus in gebückter oder liegender Stellung für den Maschinenmeister zugänglich. (Vgl. auch 1880 237 * 34.)

c) Derriey in Paris (Fig. 8 Taf. 11). Die Druckplatten sind hier ebenso wie bei der Marinoni-Presse neben einander gelegt. Diese Maschinen haben keinen Feuchtapparat und keine Farbpumpe, keine continuirliche Farbabnahme von der Ductorwalze im Farbkasten und überdies den Nachtheil des Victory-Systemes, daſs sie nicht genügend und nur schwer zugänglich sind.

Auſser den aufgeführten werden noch Rotationsmaschinen von einigen anderen Firmen (wie Sigl in Wien und Berlin, Hummel in Berlin, Alauzet in Paris, Ingram in London, Farmer in Salford, Foster in Preston) geliefert, deren mehr oder weniger von beiden oben erwähnten Hauptsystemen abweichende Cylinderstellungen nicht die Vortheile bieten wie das vervollkommnete Walter-System.

Bei allen vorstehend besprochenen Rotationsmaschinen wird das Papier zuerst bedruckt und nachher die einzelnen Bogen abgeschnitten; dabei können naturgemäſs nur Bogen von einer bestimmten Höhe geliefert werden, entsprechend dem Umfange der Plattencylinder. Schon früher wurden aber auch Maschinen ausgeführt, welche die Bogen zuerst abschneiden und alsdann mittels Bändern durch die Druck- und Plattencylinder nach dem Falz- oder Auslegeapparat führen. Solche |137| Maschinen sind noch vereinzelt in veralteter Construction zu finden, und zwar für eine bestimmte Bogenhöhe ausgeführt. In neuerer Zeit werden nun solche Maschinen wieder empfohlen, z.B. von Derriey in Paris, weil dieselben benutzt werden können, um Bogen von verschiedenen Höhen zu drucken. Diese Construction ist unter allen Umständen entschieden verwerflich für Herstellung guter Druckarbeiten; denn es haften daran naturgemäſs alle Nachtheile, welche Bänderführungen für einzelne Bogen mit sich bringen. Bei solcher Bogenführung ist es unmöglich, gutes Register zu halten, Faltenlegen der Bogen zu vermeiden; der Druck ist mangelhaft und infolge dessen die Maculatur sehr groſs. Dazu kommen noch die Mühen und Kosten, welche die Bänder verursachen, und die äuſserst umständliche Einrichtung, wie sie die veränderliche Bogenhöhe erfordert; auch das häufige Wechseln der Druckcylinder-Ueberzüge ist sehr lästig.

Die Anwendung solcher Maschinen kann deshalb nur dann in Frage kommen, wenn Zeitungen von verschiedener Bogenhöhe darauf gedruckt werden sollen, deren Auflagen so klein sind, daſs es sich nicht lohnt, mehrere Maschinen für jede einzelne Bogenhöhe anzuschaffen. Immerhin dürfte aber dabei Anspruch auf guten Druck und wenig Maculatur nicht gemacht werden. Im Uebrigen hat speciell die Maschine von Derriey für veränderliches Format alle Nachtheile wie diejenigen für festes Format, welche oben hervorgehoben sind.

Für alle Fälle sind diejenigen Rotationsmaschinen vorzuziehen, bei welchen das Papier zuerst beiderseitig bedruckt und dann erst in einzelne Bogen abgeschnitten wird, obgleich dabei nur Bogen von einer bestimmten Höhe gedruckt werden können. Diese Maschinen haben den groſsen Vortheil der Einfachheit, weil das durch die Maschine laufende Papier keine besondere Bänderführung erfordert; sie halten vorzüglich Register, liefern schönen reinen Druck und Maculatur kommt gar nicht vor, wenn die Rollen gut gewickelt und von entsprechender Qualität sind. Diese Maschinen kommen deshalb jetzt allgemein in Anwendung, wo überhaupt Rotationsmaschinen gebraucht werden.

In Bezug auf das von den Rotationsmaschinen verursachte Geräusch ist zu bemerken, daſs dasselbe hauptsächlich von den Falzapparaten herrührt. Die Bogen werden um so genauer gefalzt, je rascher der Falzapparat arbeitet; um so lauter wird aber auch das Geräusch. Ferner sind von Einfluſs: die verschiedenartige Leistung der Maschine und deshalb die einfachere oder umständlichere Bauart derselben, die Geschwindigkeit, mit welcher die Maschine arbeitet, um die gewünschte Anzahl Bogen zu liefern, das Alter, die Instandhaltung und Wartung der Maschine, sowie auch die Beschaffenheit des Fundamentes und Gröſse des Locales; gleich ruhiger Gang kann deshalb nicht von allen Maschinen beansprucht werden.

|138|

Bekanntlich fällt der Druck um so besser aus, je langsamer, bis zu einem gewissen Grade, die Maschine läuft. Während man bei Zeitungsdruck die Leistung auf 10000 bis 15000 Bogen, beiderseits bedruckt, in der Stunde bringt, darf die Leistung bei den Illustrationsmaschinen nur 3000 bis 6000 Bogen in der Stunde betragen. Es ist dies indeſs eine bedeutend vergröſserte Leistung gegen die bisherige, wobei man auf sogen. Completmaschinen, mit Leerlaufbogen arbeitend, im gleichen Zeiträume nur 700 bis 800 beiderseits bedruckte Bogen bei einer Bedienung von 7 Personen an jeder Maschine druckte, während die Augsburger Illustrationsmaschine zu sorgfältigster Bedienung bei etwa 5facher Leistung nur 4 bis 5 Personen erfordert.

Was die Betriebskraft der Rotationsmaschinen betrifft, so haben Versuche, welche von Seiten der Maschinenfabrik Augsburg mit dem Dynamometer und dem Dampfindicator vorgenommen wurden, ergeben, daſs je nach Gröſse und stündlicher Lieferung dieselbe 2 bis 6e, bei complicirten Rotationsmaschinen, welche z.B. neben dem Falzapparat auch noch einen Auslegeapparat für ungefalzte Bogen und ein für Illustrationen eingerichtetes Farbwerk mit gröſserer Anzahl Walzen haben, wohl auch 8 bis 9e beträgt.

Zum Betriebe von Rotationsmaschinen ist es nöthig, daſs Dampfmaschinen verwendet werden, welche gute Regulirvorrichtung haben, um immer mit gleicher Tourenzahl laufen zu können. Es ist dies besonders dann erforderlich, wenn neben Rotationsmaschinen auch noch andere Druckmaschinen, bei denen einzelne Bogen von Hand eingelegt und welche häufig an- und abgestellt werden, im Betriebe sind. Durch ungleichen Gang der Druckmaschinen wird eine nicht unbedeutende Menge Maculatur erzeugt und sonstige nachtheilige Einflüsse für die Druckmaschinen herbeigeführt.

|130|

Vgl. Buchdruck. Offizieller Ausstellungsbericht über die Weltausstellung zu Wien 1873. Heft 85.

|134|

Die Augsburger Maschinenfabrik baut Rotationsmaschinen für Zeitungs-, Werk- oder Illustrationsdruck, oder auch für Zeitungs- oder Werkdruck und gleichzeitig für Illustrationsdruck, mit Benutzung von Stereotyp-, Zink- oder Kupferplatten (vgl. 1881 239 491) in jeder beliebigen Gröſse und jeder möglichen, dem Wunsche des Bestellers entsprechenden Construction mit Apparat zum Auslegen ungefalzter Bogen, mit oder ohne Sammelvorrichtung, mit oder ohne Bogenvertheiler, oder mit Apparat zum ein- oder mehrmaligen Falzen, oder auch mit der Einrichtung, daſs auf der einen Hälfte der Maschine gefalzt, auf der anderen Hälfte ungefalzt ausglegt werden kann, ferner für Doppelbogen, ganze, ½ und ¼ Bogen, oder mit der Einrichtung zum Falzen der Beilagen in das Hauptblatt, d. i. zum Ineinanderfalzen zweier halber Bogen.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: