Titel: Ueber den Gerbstoff der Eichenrinde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244/Miszelle 13 (S. 85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/mi244mi01_13

Ueber den Gerbstoff der Eichenrinde.

Im Anschluſs an seine frühere Notiz (1880 238 62) theilt C. Böttinger in den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1881 S. 1598 mit, daſs es ihm jetzt gelungen sei, den bei der Spaltung der Eichenrinde-Gerbsäure neben Eichenroth erhaltenen Zucker nun auch im reinen Zustande zu erhalten und als gewöhnlichen Traubenzucker zu erkennen.

C. Etti (Daselbst S. 1826) hebt dagegen hervor, daſs die reine Gerbsäure der Eichenrinde beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure keinen Zucker gibt (vgl. 1880 237 170). Entfernt man aus einem weingeistigen Auszuge der Eichenrinde durch Ausziehen mit Aether Gallussäure, ein amorphes, grünlich braunes Terpenharz, einen amorphen Bitterstoff und etwas von der vorhandenen Ellagsäure (vgl. 1881 241 472), durch Ausschütteln mit Essigäther die Gerbsäure und nach dem Abdampfen durch Abfiltriren das Phlobaphen, so erhält man ein Filtrat, aus welchem nach Abscheidung des noch gelösten Gerbstoffes mit Bleicarbonat gewonnen werden können: Quercit, Lävulin, geringe Mengen eines nicht krystallisirbaren, syrupartigen, durch Aetzkalk fällbaren, bei gewöhnlicher Temperatur reducirungsfähigen, süſs schmeckenden Zuckers und eines in Weingeist schwer, in Wasser leicht löslichen, rothen, amorphen Farbstoffes.

Das Vorkommen des Lävulins in der Eichenrinde scheint die alleinige Ursache gewesen zu sein, daſs Diejenigen Zucker finden konnten, welche den Gerbstoff zum Zwecke seiner Darstellung aus einem Auszuge der Eichenrinde mit Bleiacetat fällten und ihn im bleifreien Zustande in der Wärme mit verdünnter Schwefelsäure behandelten. Bekanntlich sind die voluminösen Bleiniederschläge sehr schwierig vollkommen auszuwaschen. In Folge dieses Umstandes ist auch Lävulin, obgleich ungemein löslich in Wasser, selbst nach fleiſsigem, mehrere Tage währendem Auswaschen nicht aus dem Bleiniederschlag vollständig herauszubringen, muſs daher, auch wenn das Blei durch die bekannten Mittel entfernt ist, in mehr oder wenig gröſserer Menge ein stetiger Begleiter des Gerbstoffes bleiben und diesen nach dem Kochen mit verdünnter Schwefelsäure Zucker haltig erscheinen lassen (vgl. 1881 241 69).

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: