Titel: Zur Vergasung von Melassenschlempe. (Patentklasse 75.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1882, Band 244/Miszelle 16 (S. 86)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj244/mi244mi01_16

Zur Vergasung von Melassenschlempe. (Patentklasse 75.)

Nach E. Ernst in Beesenlaublingen, Prov. Sachsen (D. R. P. Nr. 13871 vom 6. October 1880) wird die bis auf etwa 40° B. eingedickte Schlempe noch heiſs mit 25 Proc. getrocknetem und zerkleinertem Torf, 3 Proc. gemahlenem Aetzkalk und 6 Proc. fetten Oelen gemischt, dann zur Vergasung in beliebig geformte Retorten eingebracht. Es empfiehlt sich hierzu die Verwendung liegender Retorten, wenn in diese ein Blechbecken eingeschoben wird, welches von halber Höhe der Retorte ist, sich aber sonst der Form der Retorte anschlieſst. Dieses Becken ist mit Langschienen zur Erleichterung des Einschiebens in die Retorte versehen, so daſs die Beckenwandung um die Hohe dieser Schienen von der Retorte absteht. Würde das Schlempegemisch wie Steinkohle direct in die glühende Retorte eingebracht, so würde, da die Gasentwickelung aus der Schlempe sehr schnell beginnt, das Füllen und Schlieſsen der Retorten sehr unbequem und mit Verlust verbunden sein; ebenso erleichtert die Anwendung des beschriebenen Beckens die Entleerung der Retorte wesentlich. Die aus der Retorte abziehenden Gase werden wie bekannt behandelt; die Abhitze der Retortenfeuerung kann dazu benutzt werden, um die sich bildenden Theer- und sonstigen Condensationsproducte wieder zu zersetzen; in so weit dieselben aber gewonnen werden, können sie dem oben angegebenen Gemisch für die nächste Retortenbeschickung in angemessenem Verhältniſs wieder zugesetzt werden.

Nach F. X. Brosche Sohn in Prag (D. R. P. Nr. 14 433 vom 9. Juli 1880) gewinnt man den Stickstoff nur dann gröſstentheils in Form von Ammoniak, wenn man die Schlempe einer trockenen Destillation über mit Aetzkalk gemischter Schlempekohle unterwirft. Der dadurch gebildete Kalikalk wirkt weit energischer Ammoniak bildend als Aetzkalk allein. Hierdurch gelingt es schon 60 bis 70 Procent des in der Melassenschlempe oder Elutionslauge enthaltenen Stickstoffes in Ammoniak überzuführen; man erhält 80 Proc. und darüber, wenn man die Dämpfe noch durch ein Rohr mit Kalikalk leitet. Die Zerstörung des Theeres und die Ueberführung der Stickstoff haltigen Bestandtheile desselben in Ammoniak kann auch so erfolgen, daſs die Dämpfe aus einer Retorte, in welcher die eingedickte Melasseschlempe mit dem Kalikalk geglüht wird, in eine Retorte geleitet werden, in welcher dieselbe Operation eben beendet war. Die Dämpfe kommen hier mit dem glühenden Gemisch von Kalk und Schlempekohle zusammen und erfahren eine vollständige Zerlegung. Unter Umständen wird es sich empfehlen, dieselben Dämpfe noch über eine zweite Retorte mit glühendem Kalikalk zu leiten.

Die Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation in Waghäusel (D. R. P. Nr. 15702 vom 4. December 1880) will in entsprechender Weise Schlempekohle mit Wasser ausziehen, die Lösung mit Kalk kaustisch machen, die Flüssigkeit eindampfen und davon der auf 50 bis 70° Brix eingedampften Schlempe zumischen, so daſs auf 100 Theile trockener Schlempe 5 bis 15 Th. KOH kommen. Diese Masse wird dann in bekannter Weise destillirt.

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